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Tausende Armenier protestieren erneut gegen Waffenstillstand mit Aserbaidschan

In den Kämpfen starben mehr als 5000 Menschen
In den Kämpfen starben mehr als 5000 Menschen
© © 2020 AFP
In Armenien hat am Samstag die größte Kundgebung gegen das mit Aserbaidschan getroffene Waffenstillstandsabkommen stattgefunden.

In Armenien hat am Samstag die größte Kundgebung gegen das mit Aserbaidschan getroffene Waffenstillstandsabkommen stattgefunden. Rund zehntausend Demonstranten versammelten sich im Zentrum der Hauptstadt Eriwan und forderten den Rücktritt von Regierungschef Nikol Paschinjan, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Das wegen des Konflikts um die Region Berg-Karabach vor einem Monat vereinbarte Abkommen bedeutet große Gebietsverluste für Armenien.

"Nikol, du Verräter" und "Armenien ohne Nikol" riefen die Demonstranten auf dem Freiheitsplatz in Eriwan. Mit Blick auf den Ministerpräsidenten sagte die 49-jährige Manja Khaschatrijan: "Nikol ist ein politischer Leichnam. Ich habe nicht vor, einer Leiche ins Grab zu folgen." Paschinjan habe Armenien und dem Volk "solche Wunden zugefügt, dass es mehrere Generationen brauchen wird, um sie zu heilen."

Ungeachtet der Proteste erklärte der Regierungschef in einer Fernsehansprache, er habe nicht vor, von seinem Amt zurückzutreten. Priorität für die Regierung habe die Rückführung armenischer Kriegsgefangener und Todesopfer.

Russlands Staatschef Wladimir Putin hatte Paschinjan am Mittwoch seine Unterstützung zugesichert und ihn für seinen "Mut" gelobt. Das Abkommen sei eine "sehr schwierige, aber notwendige Entscheidung" gewesen.

Die am 9. November getroffene Vereinbarung zwischen Baku und Eriwan sieht vor, dass beide Kriegsparteien jene Gebiete behalten dürfen, in denen sie zu diesem Zeitpunkt die Kontrolle hatten. Dies bedeutete massive Gebietsverluste für Armenien.

Das unter russischer Vermittlung getroffene Abkommen beendete die sechswöchigen schweren Kämpfen zwischen den Nachbarstaaten. Für die Einhaltung des Waffenstillstands sind laut dem Abkommen 2000 russische Truppen zuständig. In Armenien halten die Proteste gegen die Regierung seit der Vereinbarung an.

Berg-Karabach hatte während des Zerfalls der Sowjetunion einseitig seine Unabhängigkeit erklärt. Darauf folgte in den 90er Jahren ein Krieg mit 30.000 Toten. Die selbsternannte Republik wird bis heute international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans. Sie wird aber mehrheitlich von Armeniern bewohnt. Die Kämpfe waren Ende September wieder voll entbrannt. Während des Konflikts starben nach Angaben von Armenien und Aserbaidschan mehr als 5000 Menschen.

AFP

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