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Trotz neuer Stellen bundesweit weiterhin massiver Mangel an Pflegefachkräften

Auf einen weiterhin massiven Mangel an Pflegefachkräften in Deutschland hat anlässlich des Tages der Pflege die Bundesagentur für Arbeit (BA) hingewiesen.

Weiter Mangel an Pflegefachkräften in Deutschland

Weiter Mangel an Pflegefachkräften in Deutschland

Auf einen weiterhin massiven Mangel an Pflegefachkräften in Deutschland hat anlässlich des Tages der Pflege die Bundesagentur für Arbeit (BA) hingewiesen. "In keinem Bundesland stehen rechnerisch ausreichend arbeitslose Bewerber zur Verfügung, um damit die der Bundesagentur gemeldeten Stellen besetzen zu können", heißt es in einer am Freitag in Nürnberg veröffentlichten Analyse. Ursache sei vor allem der steigende Personalbedarf in der Alten- und Krankenpflege.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Pflegeberufen sei im vergangenen Jahr weiter gestiegen, stellt die Agentur fest. Gleichwohl herrsche sowohl in der Alten- als auch in der Krankenpflege zumindest punktuell Fachkräftemangel. "Wer eine geförderte Ausbildung als Pflegekraft erfolgreich absolvieren konnte, hat daher beste Chancen, eine ausbildungsadäquate Stelle am ersten Arbeitsmarkt zu finden", heißt es weiter.

Der BA zufolge standen 2018 in der Krankenpflege 100 gemeldeten freien Stellen durchschnittlich 41 arbeitslose Fachkräfte gegenüber, in der Altenpflege sogar nur 19 Fachkräfte. Bei den Helfern gab es allerdings jeweils mehr als drei mal so viele Arbeitslose wie gemeldete freie Stellen.

Insgesamt waren laut BA in Deutschland 1,6 Millionen Pflegekräfte sozialversicherungspflichtig beschäftigt, davon 1,06 Millionen in der Kranken- und 0,58 Millionen in der Altenpflege. Dies waren drei Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr als 80 Prozent der Pflegekräfte waren Frauen. In der Krankenpflege arbeiteten 44 Prozent der Beschäftigten in Teilzeit, in der Altenpflege sogar 56 Prozent.

Die durchschnittlichen Bruttolöhne betrugen 2965 Euro für Fachkräfte und 2177 Euro für Helfer, wobei Altenpfleger weiterhin deutlich schlechter entlohnt wurden. Der Anteil ausländischer Pflegekräfte stieg auf neun Prozent an, blieb damit aber unter dem Durchschnitt aller Branchen.

"Immer mehr Pflegedienste berichten uns, dass sie Patienten absagen müssen, dass sie Wartelisten führen", sagte der baden-württembergische Landesbeauftragte des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste, Berthold Denzel, dem SWR. Mittlerweile müssten zu pflegende Menschen "froh sein, überhaupt noch einen Pflegedienst zu finden". Für eine gewisse Entlastung sorgen laut Denzel Pflegekräfte aus dem Ausland, jedoch dauere das Anerkennungsverfahren zu lange und sei zu bürokratisch.

Die Grünen forderten ein Sofortprogramm für die Schaffung von 50.000 zusätzlichen Stellen im Pflegebereich. "Um die Stellen besetzen zu können, müssen die Arbeitsbedingungen in der Pflege entschieden verbessert werden, vorhandene Fachkräfte durch ein Wiedereinstiegsprogramm mobilisiert und eine Weiterbildungsoffensive für Pflegehilfskräfte gestartet werden", sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND - Samstagsausgaben).

Die Linkspartei machte politische Versäumnisse für den Mangel verantwortlich. "Der Pflegenotstand hat weder mit fehlenden Pflegekräfte zu tun noch damit, dass die Menschen jetzt älter werden als früher. Der Pflegenotstand ist eine logische Folge verfehlter Politik", erklärte die Sozialexpertin Pia Zimmermann. Auch sie forderte bessere Arbeitsbedingungen und höhere Bezahlung im Pflegebereich.

Die FDP-Pflegeexpertin Nicole Westig bezeichnete angesichts der neuen Daten Erfolgsmeldungen von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) über neue Pflegestellen als "Blendwerk". Sie forderte in Berlin ebenfalls "attraktivere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Vergütung". Dafür fehlten jedoch erforderliche Mittel des Bundes für Länder und Ausbildungsstätten.

AFP