HOME

Türkei weist niederländische Journalistin wegen "Terrorverdachts" aus

Die Türkei hat eine niederländische Journalistin aufgrund von Informationen aus den Niederlanden zu einem laufenden Anti-Terror-Verfahren ausgewiesen.

Niederländische Journalistin ausgewiesen

Niederländische Journalistin ausgewiesen

Die Türkei hat eine niederländische Journalistin aufgrund von Informationen aus den Niederlanden zu einem laufenden Anti-Terror-Verfahren ausgewiesen. Die niederländische Staatsanwaltschaft bestätigte am Donnerstag, dass im Zuge von laufenden Anti-Terror-Ermittlungen gegen andere Verdächtige Informationen zu der Korrespondentin an die türkischen Behörden übermittelt worden seien. Es sei aber nicht ihre Festnahme, Ausweisung oder Auslieferung beantragt worden.

Der Direktor des türkischen Presseamts, Fahrettin Altun, hatte zuvor erklärt, die Ausweisung der Korrespondentin von "Het Financieele Dagblad", Ans Boersma, sei in "keiner Weise mit ihrer journalistischen Arbeit" verbunden. Vielmehr habe die Türkei kürzlich Informationen von der niederländischen Polizei erhalten, dass sie Kontakte zur Dschihadistengruppe Al-Nusra-Front gehabt habe - dem früheren Al-Kaida-Ableger in Syrien.

Die niederländische Staatsanwaltschaft bestätigte, dass Informationen zu Boersma an die Türkei übermittelt worden seien, sie jedoch nicht unter Terrorverdacht stehe. Demnach gibt es Ermittlungen gegen andere Verdächtige wegen des Verdachts eines Terrordelikts. "Der Verdacht gegen die Frau betrifft kein terroristisches Verbrechen", hieß es. Auch sei "kein Antrag zur Festnahme, Ausweisung oder Auslieferung gestellt worden".

Boersma äußerte gegenüber ihrer Zeitung die Vermutung, dass ihre Festnahme und Ausweisung damit zu tun habe, dass sie bis Sommer 2015 eine Beziehung mit einem Syrer hatte. Dieser sei im vergangenen Herbst in den Niederlanden unter dem Verdacht der Mitgliedschaft in der Al-Nusra-Front festgenommen worden, schrieb "Het Financieele Dagblad" in einem Artikel zu dem Fall.

Boersma hatte am Morgen in einer Whatsapp-Gruppe für ausländische Journalisten geschrieben: "Ich wurde gestern festgenommen und werde ausgewiesen. Ich steige jetzt ins Flugzeug." Die 31-Jährige wurde in der Ausländerbehörde in Istanbul festgenommen, wo sie ihre Aufenthaltsgenehmigung erneuern wollte. Sie hatte zuvor ihre Pressekarte für dieses Jahr erhalten, was die Voraussetzung für die Erteilung einer Aufenthaltsgenehmigung ist.

Laut dem Vertreter von Reporter ohne Grenzen (RSF) in der Türkei, Erol Önderoglu, wurde Boersma nach ihrer Festnahme mitgeteilt, sie stelle eine Gefahr für die nationale Sicherheit dar. Demnach wurde sie fünf Stunden auf einer Polizeiwache festgehalten, wo sie Kontakt zu einem Anwalt und einem Vertreter des niederländischen Konsulats erhielt. Eine offizielle Bestätigung der Gründe ihrer Ausweisung habe sie nicht erhalten, teilte Önderoglu mit.

Auf der RSF-Rangliste der Pressefreiheit steht die Türkei auf Platz 157 von 180. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder europäische Journalisten unter Terrorverdacht festgenommen oder ausgewiesen, darunter der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel, der französische Fotograf Mathias Depardon und der österreichische Journalist Max Zirngast. Es ist aber das erste Mal, dass Informationen aus dem Heimatland Grund für das Vorgehen waren.

AFP