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Türkische Währung stürzt auf historischen Tiefpunkt

Dramatischer Tiefpunkt für die türkische Lira: Inmitten eines erbitterten Streits mit den USA um einen inhaftierten Pastor verlor die türkische Währung am Freitagmorgen vorübergehend zwölf Prozent

Türkische Lira auf historischem Tiefpunkt

Türkische Lira auf historischem Tiefpunkt

Dramatischer Tiefpunkt für die türkische Lira: Inmitten eines erbitterten Streits mit den USA um einen inhaftierten Pastor verlor die türkische Währung am Freitagmorgen vorübergehend zwölf Prozent ihres Werts und erreichte erstmals die Marke von sechs Lira zum Dollar. Während die Sorgen über die Auswirkungen auf die europäischen Banken stiegen, kündigte Finanzminister Berat Albayrak die Präsentation eines "neuen Wirtschaftsmodells" an.

Nachdem die Lira in den vergangenen Wochen bereits massiv an Wert verloren hatte, stürzte sie in der Nacht zum Freitag um weitere zwölf Prozent ab und notierte zwischenzeitlich bei 6,25 zum Dollar. Am Morgen erholte sie sich zwar wieder etwas, blieb aber bei 5,92 zum Dollar. Um den Euro stand es kaum besser: Nach einer Spitze bei 7,14 am frühen Morgen wurde die europäische Währung am Vormittag zu 6,80 gehandelt.

Die Lira hat damit seit Jahresbeginn mehr als ein Drittel ihres Werts verloren. Getrieben wird die Talfahrt durch die erneute Attraktivität des Dollars, die Investitionen in Ländern wie der Türkei weniger attraktiv macht. Auch wirken sich die neuen US-Sanktionen gegen den Iran negativ aus, mit dem die Türkei wirtschaftlich eng verbunden ist. Hinzu kommen aber auch Sorgen um die türkische Währungs- und Wirtschaftspolitik sowie außenpolitische Spannungen.

Besonders der Streit mit den USA um den in der Türkei inhaftierten US-Pastor Andrew Brunson beunruhigt die Märkte. US-Präsident Donald Trump verhängte vergangene Woche Sanktionen gegen zwei türkische Minister, nachdem ein Gericht das Verfahren gegen Brunson aufrecht erhalten hatte. Ein hochrangiges Treffen am Mittwoch in Washington brachte keine Lösung. Ökonomen fürchten, dass die USA in dem Streit nun den Druck weiter erhöhen.

Präsident Recep Tayyip Erdogan machte wiederholt ausländische Verschwörungen für den Sturz der Währung verantwortlich. Am Donnerstagabend rief er bei einer Kundgebung in der Schwarzmeerstadt Rize seine Anhänger auf, die "verschiedenen Kampagnen gegen die Türkei" zu ignorieren. "Sie mögen ihre Dollar haben, doch wir haben unser Volk, unser Recht und unseren Gott", sagte der islamisch-konservative Politiker.

Der Präsident ist ein erklärter Gegner hoher Zinsen und hat die Zentralbank wiederholt zu ihrer Senkung aufgerufen. Als er vor den Wahlen im Juni ankündigte, die Geldpolitik stärker unter seine Kontrolle zu bringen, weckte er Zweifel an der Unabhängigkeit der Zentralbank. Dass er nach seiner Wiederwahl seinen Schwiegersohn Berat Albayrak zum Finanz- und Wirtschaftsminister ernannte, beunruhigte ebenfalls die Märkte.

Trotz des Verfalls der Lira und des Anstiegs der Inflation, die im Juli 16 Prozent erreichte, verzichtete die Zentralbank bei ihrer letzten Sitzung im Juli auf eine Leitzinsanhebung. Erdogan sieht Zinsen als "Mutter allen Übels" und vertritt die unorthodoxe Theorie, dass ihre Senkung die Inflation reduzieren hilft. Die Untätigkeit der Regierung angesichts des Liraverfalls verstärkt jedoch noch die Sorgen der Märkte.

Wegen des Währungsverfalls wachsen auch die Sorgen über die Auswirkungen auf europäische Banken. Die "Financial Times" berichtete am Freitag, die Europäische Zentralbank (EZB) prüfe die Auswirkungen der Währungskrise auf Banken wie die spanische BBVA, die italienische UniCredit und die französische BNP Paribas, die besonders exponiert seien, da türkische Unternehmen und Banken bei ihnen hohe Schulden hätten.

Am Nachmittag wollte Finanzminister Albayrak ein "neues Wirtschaftsmodell" präsentieren, doch reagierten Investoren skeptisch. "Das Gerede von einem neuen Wirtschaftsmodell, das heute vorgestellt werden soll, kann kaum die Sorgen der Investoren beruhigen angesichts eines Staatschefs, der auf die Intervention Gottes und des Volkes zu setzen scheint", kommentierte der Analyst Michael Hewson von CMC Markets UK.

AFP

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