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Umfrage: Jeder fünfte Klinikarzt denkt über Berufswechsel nach

Jeder fünfte Klinikarzt denkt laut einer Umfrage des Marburger Bunds wegen seiner Arbeitsbedingungen über einen Berufswechsel nach.

Krankenhausarzt mit Stethoskop

Krankenhausarzt mit Stethoskop

Jeder fünfte Klinikarzt denkt laut einer Umfrage des Marburger Bunds wegen seiner Arbeitsbedingungen über einen Berufswechsel nach. 74 Prozent der angestellten Ärzte fühlen sich durch die Gestaltung ihrer Arbeitszeit gesundheitlich beeinträchtigt, wie die am Donnerstag veröffentlichte aktuelle Mitgliederbefragung der Ärztegewerkschaft ergab. 15 Prozent waren durch ihre Arbeit schon einmal so stark psychisch belastet, dass sie sich in Behandlung begeben mussten.

Zudem berichteten 49 Prozent der befragten Mediziner von häufiger Überlastung. Jeder Zehnte stimmt der Aussage zu: "Ich gehe ständig über meine Grenzen". Die Vorsitzende des Marburger Bunds, Susanne Johna, forderte angesichts des Umfrageergebnisses eine grundlegende Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Kliniken. Nur dann könnten Ärzte "ihre Patienten so versorgen, wie es ihren ärztlichen Vorstellungen entspricht".

Die Umfrage zeigt laut Marburger Bund zudem einen starken Anstieg des täglichen Zeitaufwands der Klinikärzte für Datenerfassung, Dokumentation und organisatorische Tätigkeiten. Während 2013 acht Prozent der Krankenhausärzte angaben, mindestens vier Stunden am Tag mit Verwaltungstätigkeiten befasst zu sein, waren es nun 35 Prozent. 25 Prozent berichteten von täglich drei Stunden Verwaltungsarbeit, 26 Prozent von zwei Stunden und 14 Prozent von einer Stunde.

Die Ärztegewerkschaft wertete diese Zahlen als Beleg, dass der "Überbürokratisierung der Krankenhäuser endlich Einhalt" geboten werden müsse. "Wir brauchen eine Generalinventur, bei der unnötige Vorgaben identifiziert und danach ersatzlos gestrichen werden", erklärte Johna. "Hier ist die Politik gefordert, der Regulierungswut der Krankenkassen nicht mehr länger nachzugeben."

An der vom Institut für Qualitätsmessung und Evaluation vorgenommenen Onlinebefragung beteiligten sich im September und Oktober 2019 bundesweit rund 6500 angestellte Ärztinnen und Ärzte.

AFP
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