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Umweltschützer fordern mehr finanzielle Hilfe für Landwirte beim Klimaschutz

Zu Beginn der Grünen Woche in Berlin haben Umweltschützer mehr staatliche Hilfe für die Landwirte beim Klima- und Umweltschutz gefordert.

Ernte von Bio-Möhren

Ernte von Bio-Möhren

Zu Beginn der Grünen Woche in Berlin haben Umweltschützer mehr staatliche Hilfe für die Landwirte beim Klima- und Umweltschutz gefordert. Sonst blieben "Landwirte und Natur gleichermaßen dauerhaft auf der Strecke", erklärte der WWF. Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und umweltfreundliche Produktionsverfahren gehören zu den Trendthemen der Messe in diesem Jahr.

Der WWF kritisierte die bisherige nationale und europäische Agrarpolitik nach der Maxime "Wachse oder weiche": Sie schaffe immer mehr Verlierer unter Landwirten und in der Natur. "Dass Landwirte sich frustriert vom Staat abwenden, ist auch Folge einer jahrzehntelangen Agrarpolitik, die kleine, oft familiengeführte Betriebe und die Natur abgehängt hat", erklärte der WWF. Hinzu komme ein ruinöser Preisdruck durch die Lebensmittelindustrie.

Die Organisation Land schafft Verbindung hat für Freitag bundesweit neue Demonstrationen gegen die Agrarpolitik der Regierung angekündigt - etwa in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Bayern, wie die Polizei mitteilte. Am Donnerstag bereits demonstrierten Landwirte in einigen Städten, etwa in Erfurt vor dem Thüringer Landtag. Die Bauern laufen vor allem Sturm gegen die neue Düngeverordnung. Sie muss ihrer Ansicht nach nachgebessert und praxistauglicher werden.

In Berlin versammeln sich am Samstag - wie schon traditionell zur Grünen Woche - Befürworter einer nachhaltigen Landwirtschaft zur Kundgebung "Wir haben es satt!" Die Organisatoren erklärten, 2020 sei ein Jahr der Entscheidung für die Landwirtschaft und das Klima.

Ein Umbau sei nur gemeinsam mit den landwirtschaftlichen Betrieben zu schaffen, erklärte auch BUND-Chef Olaf Bandt. Auch er forderte die Regierung auf, die Landwirte dabei zu unterstützen. "Ohne eine andere Agrarpolitik wird es nicht gehen."

Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) prangerte die Supermarktketten wegen ihrer "unmoralischen" Angebote für Lebensmittel aus Entwicklungsländern an. "2,88 Euro für 500 Gramm Kaffee, das ist auf Dauer nur durch Ausbeutung der Erzeuger möglich", sagte Müller der "Neuen Osnabrück Zeitung". "'Supergeil' ist dann nur noch superdreist und superunmoralisch."

Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte Müller, mehrere große Handelsunternehmen würden am Freitag eine freiwillige Selbstverpflichtung unterschreiben, Bauern und Arbeitern in ihren globalen Lieferketten existenzsichernde Löhne zu zahlen. Die Unternehmen sind demnach Aldi, Lidl, Kaufland, Rewe, dm und Tegut.

Nabu-Präsident Jörn-Andreas Krüger forderte in der "NOZ" einen Preisaufschlag für Umweltschäden bei der Lebensmittelproduktion. Preise und Wertschätzung für Lebensmittel seien in Deutschland zu gering. Dabei habe die Ernährungsweise hierzulande erhebliche Klimaauswirkungen.

"Schauen wir uns doch an, was wir für einen ökologischen Fußabdruck im Ausland hinterlassen: Bis zu fünf Millionen Hektar werden weltweit für die landwirtschaftlichen Produkte beansprucht, die wir hier in Deutschland verbrauchen." Als Beispiel nannte Krüger den Obst- und Sojaanbau oder die Palmöl-Produktion im Ausland. "Dieser CO2-Ausstoß und die Naturzerstörung müssen doch eingepreist werden."

Die Grüne Woche startet am Freitag mit 1800 Ausstellern aus 72 Ländern. Die Messe Berlin rechnet damit, dass dieses Jahr insgesamt rund 400.000 Fach- und Privatbesucher kommen.

AFP