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Unesco: Deutschland fehlen 42.000 Lehrer für Flüchtlingskinder

Die Unesco hat von der internationalen Gemeinschaft deutlich größere Anstrengungen zur Integration von Flüchtlingskindern in Schulen gefordert. Alleine in Deutschland würden rund 42.

Kinder in einer UN-Schule im palästinensischen Flüchtlingslager Balata

Kinder in einer UN-Schule im palästinensischen Flüchtlingslager Balata

Die Unesco hat von der internationalen Gemeinschaft deutlich größere Anstrengungen zur Integration von Flüchtlingskindern in Schulen gefordert. Alleine in Deutschland würden rund 42.000 Lehrer zusätzlich benötigt, heißt es in dem am Dienstag in Paris und Berlin vorgestellten Bericht "Migration, Flucht und Bildung" der Kulturorganisation der Vereinten Nationen.

Die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer, erklärte, Deutschland habe bei der Integration von Geflüchteten in das Bildungswesen viel erreicht. Dies gelte etwa für die Sprachförderung ab dem Kindergartenalter und die Anerkennung im Ausland erworbener Abschlüsse. Verbesserungsbedarf gebe es dagegen bei der Chancengerechtigkeit.

Der Deutsche Lehrerverband sprach von "Fortschritten bei der Integration". Gerade die berufliche Bildung erfülle eine besonders wichtige Funktion dabei, Flüchtlingskindern einen erfolgreichen Weg ins Erwerbsleben in Deutschland zu bahnen, betonte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger.

Die Linksfraktion im Bundestag forderte neben mehr Lehrpersonal auch vielfältigeres Bildungsmaterial in Schulen, "um kritisches Denken zu fördern sowie Rassismus zu bekämpfen". Die integrations- und migrationspolitische Sprecherin Gökay Akbulut verlangte zudem einen besseren Zugang von Zuwanderern zum Arbeitsmarkt, der für viele Flüchtlinge eine "Sackgasse" sei.

"Alle verlieren, wenn Zuwanderer und Flüchtlinge keinen Zugang zur Bildung haben", betonte Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay. Dem Bericht zufolge ist die Zahl der betroffenen Kinder im schulpflichtigen Alter seit dem Jahr 2000 weltweit um 26 Prozent auf 18 Millionen gestiegen. Sie würden aber häufig nicht ausreichend in das Bildungssystem der Gastländer integriert.

In den Ländern der Europäischen Union ist demnach die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind aus einer Flüchtlingsfamilie vorzeitig die Schule abbricht, doppelt so hoch wie bei Kindern von Einheimischen.

Besonders kritisch ist die Lage für Flüchtlingskinder dem Bericht zufolge in dem EU-Land Ungarn, das im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 seine Grenzen abgeschottet hatte. Aber auch Länder wie Australien, Mexiko, Indonesien und Malaysia böten minderjährigen Zugewanderten "allenfalls nur eingeschränkten Zugang zu Bildung", heißt es in dem Migrationsbericht.

AFP

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