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Ungarisches Gericht verurteilt vier Menschenhändler zu lebenslangen Haftstrafen

Vier Jahre nach dem Erstickungstod von 71 Flüchtlingen in einem Lkw müssen vier Schlepper in Ungarn lebenslang ins Gefängnis.

Zwei der Verdächtigen auf dem Weg zum Gericht

Zwei der Verdächtigen auf dem Weg zum Gericht

Vier Jahre nach dem Erstickungstod von 71 Flüchtlingen in einem Lkw müssen vier Schlepper in Ungarn lebenslang ins Gefängnis. Ein Berufungsgericht in Szeged südlich von Budapest bewertete das Verbrechen am Donnerstag als besonders schwer und erhöhte das Strafmaß auf lebenslänglich.Vor einem Jahr hatte ein ungarisches Gericht die wegen Menschenhandels beschuldigten Männer zu 25 Jahren Haft verurteilt.

Der Fall der am 27. August 2015 an einer Autobahn im österreichischen Burgenland in einem Kühllaster entdeckten 71 toten Flüchtlinge hatte weltweit für Entsetzen gesorgt. Die Opfer stammten vor allem aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Ermittler stellten damals fest, dass die 59 Männer, acht Frauen und vier Kinder bereits seit zwei Tagen tot waren.

Die ungarische Justiz übernahm den Fall von Österreich, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Opfer bereits in Ungarn gestorben waren.

Die Staatsanwaltschaft in Szeged sah es als erwiesen an, dass die vier Beschuldigten zu einer internationalen Schlepperbande gehören, die Flüchtlinge in Lastwagen über die sogenannte Balkan-Route transportierte, über die zu Beginn der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 tausende Menschen flohen. Seit Februar 2015 sollen die nun Verurteilten mehr als 1100 Menschen von Ungarn nach Österreich gebracht haben. Pro Kopf verlangten sie dafür bis zu 1500 Euro.

Der Anführer des Schlepperrings, der Afghane Samsoor Lahoo, und seine beiden bulgarischen Komplizen, darunter der Lastwagenfahrer, wurden von dem Gericht in Szeged nun zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine vorzeitige Haftentlassung schloss das Gericht für die drei Männer aus. Ein weiterer Bulgare erhielt eine lebenslange Haftstrafe und muss für mindestens 30 Jahre ins Gefängnis.

Zehn weitere Verdächtige wurden wegen ihrer Beteiligung an dem Tod der 71 Menschen zu Haftstrafen zwischen vier und acht Jahren verurteilt. Die Verdächtigen bestritten vor Gericht, vom Tod der Flüchtlinge gewusst zu haben. Auf Grundlage des Beweismaterials sah das Gericht die Schuld der Männer jedoch als erwiesen an.

AFP