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USA führen Vergeltungsangriffe für Tod von zwei ihrer Bürger im Irak

Foto der Zerstörungen am Flughafen von Kerbela
Foto der Zerstörungen am Flughafen von Kerbela
© © 2020 AFP
Nach dem Tod von zwei US-Bürgern und einer Britin durch Raketenbeschuss im Irak hat die US-Armee in der Nacht zum Freitag Vergeltungsangriffe geflogen.

Nach dem Tod von zwei US-Bürgern und einer Britin durch Raketenbeschuss im Irak hat die US-Armee in der Nacht zum Freitag Vergeltungsangriffe geflogen. Dabei wurden Waffenlager einer pro-iranischen Schiitenmiliz in verschiedenen Landesteilen angegriffen, wie das Pentagon in Washington mitteilte. Nach Angaben der irakischen Armee wurden fünf Angehörige der irakischen Sicherheitskräfte sowie ein Zivilist getötet. Bagdad bestellte den britischen und den US-Botschafter ein.

Das Pentagon erklärte, die Angriffe seien eine "direkte Antwort" auf die Bedrohung, die von mit Teheran verbündeten Schiitenmilizen für die US-Streitkräfte und ihre Verbündeten ausgehe. Ein US-Militärvertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP, bei den Angriffen seien auch Drohnen-Lager unter Beschuss genommen worden. Aus irakischen Sicherheitskreisen verlautete, fünf schwere Raketen hätten die von der pro-iranischen Kataib-Hisbollah-Miliz kontrollierte Gegend Dschurf al-Sachr südlich der Hauptstadt Bagdad getroffen.

Kataib Hisbollah gehört den Hasched-al-Schaabi-Milizen an, die offizieller Teil des irakischen Sicherheitsapparats sind. Den irakischen Armeeangaben zufolge wurden bei dem US-Angriff drei Militärs, zwei Polizisten sowie ein Koch getötet, der auf der Baustelle des neuen Flughafens von Kerbela arbeitete. Elf Armeevertreter, darunter einige Mitglieder von Kataib Hisbollah, und ein weiterer Zivilist wurden demnach verletzt.

Die Armee sprach von einer gefährlichen "Eskalation" der Gewalt. Das irakische Außenministerium bestellte die Botschafter der USA und Großbritannien ein. In einer Erklärung verurteilte es zudem die "amerikanische Aggression".

Mit den Angriffen reagierten die USA auf den Raketenbeschuss der internationalen Militärbasis in Tadschi nahe von Bagdad. Dabei waren am Mittwoch ein US-Soldat, eine britische Soldatin sowie ein US-Bürger getötet worden, der für eine private Partnerfirma der US-Armee gearbeitet hatte. 14 weitere Menschen wurden verletzt, darunter US-Bürger, Briten und Polen.

Der Stützpunkt war nach Angaben der US-geführten internationalen Militärkoalition von 18 Raketen getroffen worden. Es handelte sich um den blutigsten Angriff auf einen von der US-Armee genutzten Stützpunkt im Irak seit Jahren. Zu dem Beschuss bekannte sich zunächst niemand. Die USA haben in der Vergangenheit aber immer wieder pro-iranische Milizen für solche Raketenangriffe verantwortlich gemacht.

Der britische Außenminister Dominic Raab verteidigte den US-Vergeltungsangriff als "entschiedene und angemessene Antwort" auf den "feigen Angriff auf die Koalitionstruppen im Irak". Er wies darauf hin, dass die US-geführte Militärkoalition den Irak im Anti-Terror-Kampf unterstütze. Nach seinen Angaben handelt es sich bei dem britischen Opfer um eine 26-jährige Reservistin, die als Medizintechnikerin im Einsatz war.

Teheran wies die Pentagon-Angaben zurück, wonach der Angriff auf die Militärbasis in Tadschi von pro-iranischen Milizen verübt wurde. Außenamtssprecher Abbas Musawi warf seinerseits den USA vor, sich illegal im Irak aufzuhalten und warnte vor den Konsequenzen ihres "gefährlichen Vorgehens" in dem Land.

Die jüngsten gegenseitigen Angriffe schüren Ängste, dass die Konflikte in der Region erneut dramatisch eskalieren könnten. Zum Jahreswechsel hatte sich die Lage schon einmal extrem zugespitzt: Als Vergeltung für einen Raketenbeschuss, bei dem ein US-Bürger getötet wurde, flogen die USA damals massive Luftangriffe auf pro-iranische Milizen und töteten mindestens 25 Kämpfer.

Anfang Januar tötete das US-Militär dann bei einem gezielten Drohnenangriff nahe Bagdad den einflussreichen iranischen General Kassem Soleimani sowie den irakischen Milizen-Anführer Abu Mehdi al-Muhandis. Durch die Attacke gerieten die USA und der Iran damals an den Rand eines Krieges.

AFP

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