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USA wollen ihre Soldaten komplett aus Syrien abziehen

Die USA wollen ihre Streitkräfte vollständig aus Syrien abziehen.

Kämpfer der mit den USA verbündeten SDF in Syrien

Kämpfer der mit den USA verbündeten SDF in Syrien

Die USA wollen ihre Streitkräfte vollständig aus Syrien abziehen. Die derzeit rund 2000 US-Soldaten sollten das Land "so schnell wie möglich" verlassen, sagte ein Regierungsvertreter am Dienstag in Washington. Er betonte, dass es sich um einen "vollständigen Rückzug" handle. US-Präsident Donald Trump erklärte, er sehe die Mission der US-Armee in Syrien mit dem Sieg über die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) als erfüllt an.

Der Rückzug der USA könnte erhebliche Auswirkungen auf die Kräfteverhältnisse in Syrien haben, wo Rivalen der USA wie Russland und Iran in den vergangenen Jahren erheblich an Einfluss gewonnen haben. Er stellt auch den Fortbestand der kurdischen Milizen in Frage, die dort bislang mit Unterstützung der USA gegen den IS kämpfen.

Präsident Trump teilte in einer Twitter-Botschaft mit, dass die US-Mission in Syrien ihren Zweck erfüllt habe: "Wir haben ISIS in Syrien geschlagen, mein einziger Grund, während der Trump-Präsidentschaft dort zu sein."

Trump hatte bereits im März unerwartet einen baldigen Abzug der US-Truppen aus Syrien in Aussicht gestellt, doch blieb es damals bei der Ankündigung, die offenbar ohne Abstimmung mit der Regierung getroffen worden war.

Aus Regierungskreisen in Washington verlautete nun, dass die Abzugsentscheidung am Dienstag endgültig getroffen worden sei. Ein Datum für den Abzug wurde nicht genannt, er solle aber schnellstmöglich erfolgen und alle US-Soldaten in Syrien betreffen.

Erst vergangene Woche hatte Trumps Anti-IS-Beauftragter Brett McGurk versichert, die US-Truppen würden noch eine Weile in Syrien bleiben, da es "noch viele versteckte Zellen gibt" und "kein Mensch so naiv sein wird zu glauben, dass sie einfach verschwinden".

Die USA unterstützen in Syrien die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) im Kampf gegen die IS-Miliz. Vergangenen Freitag war es dem kurdisch-arabischen Bündnis gelungen, mit Hadschin eine der letzten IS-Bastionen in Ostsyrien einzunehmen.

Die SDF-Kämpfer hatten den Ort am Euphrat seit September belagert, doch gelang es ihnen erst nach erbitterten Kämpfen, mit US-Unterstützung die IS-Verteidigung zu durchbrechen. Damit bleiben der Extremistengruppe in Syrien nur noch zwei Dörfer im Euphrat-Tal an der irakischen Grenze sowie einige Gebiete in der Badija-Wüste. Allerdings werden in der Region noch mehrere tausend kampferprobte IS-Mitglieder vermutet.

Im März hatte Trump eine verheerende Bilanz der US-Interventionen im Nahen Osten gezogen: "Wir haben sieben Billionen Dollar im Nahen Osten ausgegeben - und was haben wir dafür bekommen? Nichts", sagte er damals in der Rede, in der er den US-Truppenabzug ankündigte. Um Syrien sollten sich nun "andere Leute" kümmern.

Das Engagement der USA in Syrien belastete das Verhältnis zum Nato-Partner Türkei schwer. Dort stieß die US-Militärhilfe für die SDF schon immer auf scharfe Kritik, da deren Rückgrat die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) bilden. Diese sind eng mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden, die im Südosten der Türkei seit 1984 gegen den türkischen Staat kämpft. Erst vergangene Woche kündigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine neue Offensive gegen die YPG in Nordsyrien an.

Im Fall einer Offensive drohte eine Konfrontation mit den in der Region stationierten US-Truppen. Eine einseitige Militäraktion wäre "inakzeptabel", warnte das US-Verteidigungsministerium daher nach Erdogans Ankündigung. Nach einem Telefonat Trumps mit Erdogans hieß es, es sei eine "effizientere" Kooperation in Nordsyrien vereinbart worden.

AFP

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