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Verdi fordert Eingreifen der Politik gegen Missstände bei Paketdiensten

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat in der Vorweihnachtszeit die "dramatisch schlechten" Arbeitsbedingungen bei Paketdiensten kritisiert und fordert ein Eingreifen der Politik.

Paketversand

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Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat in der Vorweihnachtszeit die "dramatisch schlechten" Arbeitsbedingungen bei Paketdiensten kritisiert und fordert ein Eingreifen der Politik. "Wir sind der Auffassung, dass die großen Paketdienstleister haften müssen", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Andrea Kocsis am Montag im ARD-"Morgenmagazin". Die Auftraggeber müssten mitverantwortlich gemacht werden für die Arbeitsbedingungen der Subunternehmer.

Die großen Anbieter setzten auf ein Unternehmensmodell, das darauf abziele, dass "man das nicht kontrollieren kann", sagte Kocsis. Es gebe keine Tarifverträge, keine Betriebsräte, der Mindestlohn werde nicht gezahlt und es würden keine Sozialversicherungsbeiträge abgeführt. Es gebe mittlerweile Arbeitsvermittlungen, die Menschen etwa in Moldawien oder Rumänien anheuerten, "die werden in Bussen hergekarrt, in Unterkünften zusammengepfercht, die sind hier nicht gemeldet". Es müssten Möglichkeiten geschaffen werden, "das wirksam zu kontrollieren", forderte Kocsis.

Kocsis verwies auf das Gesetz zur Sicherung der Arbeitnehmerrechte, wie es bereits für die Fleischwirtschaft gilt. Das Gesetz schreibt eine weitreichende Nachunternehmerhaftung für Sozialversicherungsbeiträge fest. "Wir müssen die Unternehmen absolut in die Mitverantwortung nehmen", sagte sie im "Morgenmagazin".

Die Paketdienstleister haben einen "immer dringlicheren Mangel an Fahrern", vor allem, weil der Online-Handel wächst, wie die Pakettochter der Deutschen Post, die DHL, erklärte. "In den Spitzenzeiten, wie etwa vor Weihnachten, verzeichnen wir ein besonders hohes Sendungsaufkommen." Die DHL wolle daher "personelle und räumliche Kapazitäten" ausbauen.

Das Unternehmen testet derzeit in einem Pilotprojekt an fünf Standorten einen abwechslungsreicheren Job für Zusteller - und will im Falle eines Erfolgs 500 solche Stellen in Europa schaffen. Die Beschäftigten fahren als Ergänzung Pakete aus, insbesondere zur Hochsaison, wie die DHL mitteilte. Bei Bedarf übernehmen sie demnach auch andere Tätigkeiten, etwa im Lager.

DHL will so die Kapazitäten an eigenen Fahrern erhöhen. Sie werden auf Basis der geltenden Tarifverträge bezahlt, wie das Unternehmen betonte. Neue Lkw mit einem Ladevolumen von zwölf Tonnen sollen zudem gewährleisten, dass in der Hochsaison ausreichend Transportkapazitäten vorhanden sind.

Die Linke unterstützte die Verdi-Forderung nach einer Auftraggeberhaftung für die Paketbranche. Der Boom in der Paketbranche dürfe "nicht länger auf dem Rücken der Beschäftigten erfolgen", erklärte der Gewerkschaftsexperte Pascal Meiser.

AFP