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Von der Leyen wird erste Präsidentin der EU-Kommission

Als erste Frau in der Geschichte der EU wird Ursula von der Leyen Präsidentin der mächtigen EU-Kommission in Brüssel.

Ursula von der Leyen nach ihrer Wahl

Ursula von der Leyen nach ihrer Wahl

Als erste Frau in der Geschichte der EU wird Ursula von der Leyen Präsidentin der mächtigen EU-Kommission in Brüssel. Die bisherige Bundesverteidigungsministerin erhielt am Dienstagabend äußerst knapp die notwendige Zustimmung des Europaparlaments, wie Präsident David Sassoli mitteilte. Für die CDU-Politikerin stimmten in Straßburg 383 Abgeordnete, neun Stimmen mehr als nötig. 327 Parlamentarier stimmten gegen sie.

Damit kann von der Leyen wie geplant am 1. November die Nachfolge von Jean-Claude Juncker an der Spitze der Brüsseler Kommission mit ihren rund 32.000 Beamten antreten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, sie freue sich "auf eine gute Zusammenarbeit" mit ihrer bisherigen Verteidigungsministerin, die am Mittwoch offiziell aus dem Amt scheidet.

Die CDU-Politikerin rief zu einer konstruktiven Zusammenarbeit auf. "Wir müssen um die Zukunft kämpfen - und nicht gegeneinander", sagte sie. Sie sei "sehr geehrt und gerührt" über das Vertrauen, das die Abgeordneten ihr entgegengebracht hätten. Nun stehe sie vor einer "großen Verantwortung", fügte von der Leyen hinzu. "Meine Arbeit beginnt heute."

Die 60 Jahre alte Mutter von sieben Kindern war Anfang Juli nach schwierigen Verhandlungen von den Staats- und Regierungschefs für den Spitzenposten vorgeschlagen worden. Seither warb sie im Europaparlament unermüdlich um Unterstützung der Abgeordneten, von denen viele ihre Ernennung zunächst strikt ablehnten. Sie nahm in Brüssel und Straßburg stundenlang an Sitzungen von Fraktionen und Delegationen teil.

Noch am Dienstagvormittag machte sie vor dem Plenum eine Reihe von Zugeständnissen - vor allem um Stimmen bei den Sozialdemokraten zu gewinnen, die in der Frage bis zuletzt gespalten waren. Unter anderem kündigte sie an, in ihren ersten 100 Tagen im Amt ein Klimagesetz vorzulegen, um Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent der Welt machen. Auch eine gerechtere Besteuerung von Unternehmen stellte sie in Aussicht.

Trotz dieser Zusagen kündigten die Grünen, die Linksfraktion und etwa ein Drittel der 153 Sozialdemokraten - unter ihnen die 16 deutschen SPD-Abgeordneten - an, sie würden gegen die CDU-Politikerin stimmen. Sie kritisieren insbesondere, dass mit ihr eine Kommissionschefin nominiert wurde, die keine Spitzenkandidatin der Parteien bei der Europawahl war.

Der Leiter der SPD-Delegation, Jens Geier, verteidigte deren ablehnende Haltung. Von der Leyen habe sich nicht im Wahlkampf den Bürgern vorgestellt. Zudem habe sie Versprechen gemacht, die ohne Änderung der EU-Verträge oder eine Mehrheit im Rat der EU-Staaten nicht zu erfüllen seien.

Zwar habe von der Leyen eine pro-europäische Rede gehalten, betonte die Ko-Vorsitzende der Grünen, Ska Keller. Doch "trotz schöner Worte" habe sich "die Substanz" ihrer Schwerpunkte nicht verändert.

Die Fraktionschefs der konservative Europäischen Volkspartei (EVP) und der liberalen Fraktion Renew Europe hatten ihren Mitgliedern hingegen empfohlen, die Kandidatur zu unterstützen. Die europaskeptische Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer war gespalten. Die 26 Mitglieder der polnischen Regierungspartei Pis entschieden erst kurz vor der Abstimmung, von der Leyen zu unterstützen.

Die Zustimmung fiel schließlich deutlich knapper aus als bei der Wahl des derzeitigen EU-Kommissionspräsidenten Juncker vor fünf Jahren - er hatte damals 422 Stimmen erhalten.

Mehrere Abgeordnete, unter ihnen der EVP-Fraktionschef Manfred Weber (CSU), forderten von der Leyen auf, sich für eine Verankerung des so genannten Spitzenkandidatenprinzips einzusetzen. Sie wollen sicherstellen, dass künftig nur Spitzenkandidaten der Parteien bei der Europawahl für den Posten des EU-Kommissionspräsidenten in Frage kommen.

Weber hatte den Posten des Kommissionspräsidenten zunächst für sich beansprucht, weil er der Spitzendkandidat der EVP war und diese bei der Europawahl Ende Mai das beste Ergebnis erzielt hatte. Er stieß aber insbesondere bei Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf Ablehnung.

AFP