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Warnstreik legt Flugbetrieb der Lufthansa lahm

Lufthansa-Flugzeuge
Lufthansa-Flugzeuge
© AFP
Rund tausend abgesagte Flüge, über 130.000 betroffene Passagiere: Ein Streik des Lufthansa-Bodenpersonals hat den Betrieb der Fluggesellschaft mitten in der Sommer-Reisezeit zum Erliegen gebracht. Der Arbeitsausstand begann am Mittwochmorgen um 3.45 Uhr und soll bis zum Donnerstagmorgen um 06.00 Uhr fortgesetzt werden, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Fraport-Chef Stefan Schulte übte scharfe Kritik.

"Die ersten Schichten nehmen mit einer hohen Beteiligung am Streik teil", erklärte Verdi-Vertreter Marvin Reschinsky auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP. Die Lufthansa strich daraufhin fast alle Flüge an den Drehkreuzen Frankfurt und München. Auch die Zubringerflüge der Lufthansa vom Hauptstadtflughafen BER nach Frankfurt und München wurden am Mittwoch gestrichen.

Insgesamt fielen nach Angaben der Lufthansa in Frankfurt am Main 678 Flüge aus - 32 davon bereits am Dienstag. In München wurden 345 Flüge gestrichen, davon 15 am Dienstag. Betroffen sind nach Konzernangaben insgesamt 134.000 Passagiere.

Das befürchtete Chaos an den Flughäfen blieb nach Angaben der Lufthansa aus. "Es ist weitestgehend ruhig und überschaubar", sagte eine Sprecherin der Lufthansa auf Anfrage. Zwar befänden sich "etliche" Passagiere an den Umbuchungsschaltern. Viele Reisende seien aber dem Aufruf der Lufthansa gefolgt und nicht an den Flughäfen erschienen.

Die Konzernsprecherin betonte, dass die Lufthansa damit rechne, dass "morgen nach Streikende sich der Flugbetrieb dann wirklich schnell normalisieren wird". Bereits am Donnerstag könne das geplante Flugprogramm voraussichtlich wieder umgesetzt werden.

Scharfe Kritik an dem Streik übte Fraport-Chef Stefan Schulte im Gespräch mit der "Zeit". "Ausgerechnet in der wichtigsten Reisezeit des Jahres zum Streik aufzurufen und damit Hunderttausenden den Urlaub zu gefährden, ist völlig unverhältnismäßig", sagte er. Auch mit Blick auf das Ausmaß des Arbeitskampfs habe dies nichts mehr mit einem "Warnstreik" zu tun.

Der Verdi-Vertreter für den Bereich Luftverkehr, Dennis Dacke, wies die Verantwortung für den Streik der Lufthansa zu. Diese habe den Arbeitskampf "provoziert", sagte er im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Der Konzern habe bei den Verhandlungen "keine grundsätzliche Bereitschaft gezeigt, uns entgegenzukommen" und müsse nun mit den Konsequenzen leben. 

Er setze seine Hoffnungen in die Fortsetzungen der Verhandlungen am 3. und 4. August in Frankfurt am Main. "Wenn das Angebot stimmt, steht einem Abschluss an dieser Stelle nichts im Weg", sagte Dacke.

Die Tarifverhandlungen zwischen der Lufthansa und Verdi für die rund 20.000 Beschäftigten am Boden waren in der zweiten Runde Mitte Juli ohne Ergebnis geblieben. Die Gewerkschaft fordert 9,5 Prozent mehr Lohn und einen Mindeststundenlohn von 13 Euro bei zwölf Monaten Laufzeit. Die Lufthansa legte ein Angebot aus Festbeträgen und einer von der Geschäftsentwicklung abhängigen Komponente bei einer Laufzeit von 18 Monaten vor.

Laut Unternehmen bedeutet dies für Beschäftigte mit einer monatlichen Grundvergütung von 3000 Euro brutto ein Anstieg zwischen neun und elf Prozent binnen der kommenden zwölf Monate, bei einer Grundvergütung von 4000 Euro brutto im Monat eine Steigerung um 8,4 Prozent und bei 6500 Euro um 5,9 Prozent. Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle hatte dies als "schöngerechnet" bezeichnet.

AFP

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