HOME

Wehrbeauftragter beurteilt Lage der Bundeswehr weiterhin sehr kritisch

Der Wehrbeauftragte der Bundeswehr, Hans-Peter Bartels (SPD), beurteilt die Lage der Streitkräfte weiterhin als sehr kritisch.

Wehrbeauftragter Bartels stellt Jahresbericht vor

Wehrbeauftragter Bartels stellt Jahresbericht vor

Der Wehrbeauftragte der Bundeswehr, Hans-Peter Bartels (SPD), beurteilt die Lage der Streitkräfte weiterhin als sehr kritisch. "Die Personallage der Bundeswehr ist weiter angespannt, die materielle Lage mangelhaft", sagte Bartels am Dienstag bei der Vorstellung seines Jahresberichts 2018 in Berlin. Massiven Änderungsbedarf sieht Bartels vor allem beim Verwaltungsmanagement, er sprach von einem "Bürokratiemonster".

Mit Blick auf den Personalmangel bei der Bundeswehr verwies Bartels auf die Ende November 21.490 unbesetzten Dienstposten bei Offizieren und Unteroffizieren. Dies seien zwar rund 800 weniger als im Vorjahr, bedeute aber weiterhin eine Mehrbelastung für die vorhandenen Stelleninhaber. Zugleich sei die Zahl der Bewerber bei der Bundeswehr insgesamt erneut zurückgegangen und zwar auf nur noch 52.200 Menschen, warnte Bartels. Im Vorjahr waren es laut Bericht noch fast 57.000 Bewerber gewesen.

Zwar sei es der Bundeswehr trotzdem gelungen, ihren Personalbestand leicht auf nun rund 181.000 zu erhöhen, jedoch in erster Linie durch Verlängerungen bestehender Zeitverträge. "Die Bundeswehr wächst, aber sie gewinnt immer weniger neues Personal", sagte der Wehrbeauftragte. Dies führe auch zu einem steigenden Altersdurchschnitt in der Truppe.

Weiterer Hauptkritikpunkt bleibt demnach der Mangel an einsatzfähigem Material. "Das System der Mangelbewirtschaftung besteht in allen Bereichen fort", kritisierte Bartels. Einsätze etwa im Rahmen der Nato-Speerspitze seien weiterhin nur möglich durch "ein massives Hin- und Herleihen von Ausrüstung", was auch persönliche zugeordnete Geräte wie Schutzwesten oder Nachtsichtgeräte einschließe.

Zwar sei das Problem erkannt, auch gebe es neue Beschaffungen oder Ausschreibungen dafür und der Bundeswehr stehe wieder mehr Geld zur Verfügung. Die Abhilfe dauere aber viel zu lange, erst bis 2031 solle die Bundeswehr wieder eine "Vollausstattung" erhalten. Noch sei daher kein Frühling erkennbar, sondern: "Es ist immer noch Winter."

Ursachen für die Missstände sieht Bartels in zu viel Zentralisierung und zugleich unklaren Verantwortungstrukturen, weil zu viele Beteiligte jeweils an einem Projekt mitwirkten. "Zurechenbare Verantwortung scheint in einem Labyrinth verzweigter Zuständigkeiten zu verschwinden", kritisierte der Wehrbeauftragte.

AFP
Themen in diesem Artikel

Das könnte sie auch interessieren