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Weinstein-Verteidigung fordert in Schlussplädoyer Freispruch

Weinstein beim Eintreffen vor dem Gerichtsgebäude
Weinstein beim Eintreffen vor dem Gerichtsgebäude
© © 2020 AFP
Im Prozess gegen den früheren Filmproduzenten Harvey Weinstein hat die Verteidigung einen Freispruch gefordert.

Im Prozess gegen den früheren Filmproduzenten Harvey Weinstein hat die Verteidigung einen Freispruch gefordert. Der 67-Jährige sei "unschuldig", sagte seine Anwältin Donna Rotunna am Donnerstag bei ihrem Schlussplädoyer vor dem Gericht in New York. Die Anklage habe ein "Parallel-Universum" aufgebaut, in dem der einstige Hollywood-Mogul aufstrebende Schauspielerinnen sexuell attackiert habe - aber keinerlei Beweise für eine Verurteilung geliefert.

Die zwölf Geschworenen müssten ungeachtet des öffentlichen Drucks eine "unpopuläre Entscheidung" treffen und Weinstein freisprechen, sagte Rotunna an die Jury gerichtet. "Lassen Sie nie zu, dass Emotionen ihren Verstand vernebeln."

Für eine Verurteilung müsse die Schuld des Angeklagten über jeden begründeten Zweifel hinaus feststehen, betonte die Strafverteidigerin. "Er war unschuldig, als er durch diese Tür gekommen ist. Er war unschuldig, als die Zeugenaussagen begonnen haben. Er ist jetzt, wo er hier sitzt, unschuldig."

Weinstein wird in dem Prozess vorgeworfen, 2013 die Schauspielerin Jessica Mann vergewaltigt und 2006 der früheren Produktionsassistentin Mimi Haleyi Oralsex aufgezwungen zu haben. Bei einer Verurteilung droht dem Gründer des Miramax-Filmstudios lebenslange Haft. Weinstein hat alle Vorwürfe zurückgewiesen und spricht von einvernehmlichen sexuellen Begegnungen.

In dem von einem gewaltigen Medieninteresse verfolgten Verfahren sagten insgesamt sechs Frauen aus, sie seien von Weinstein sexuell attackiert worden. Die Staatsanwaltschaft wollte damit ein Muster sexueller Übergriffe durch den einst mächtigen Produzenten nachweisen.

Allerdings räumten sowohl Mann als auch Haleyi vor Gericht ein, dass sie nach den mutmaßlichen Angriffen mindestens ein Mal einvernehmlichen sexuellen Kontakt mit Weinstein hatten. Die 34-jährige Mann führte mit dem "Pulp Fiction"-Produzenten eine jahrelange Beziehung, die sie selbst als "erniedrigend" und "kompliziert" bezeichnete.

Das Verfahren - ein Prüfstein für die weltweite #MeToo-Bewegung - hat gezeigt, wie schwierig die Aufarbeitung mutmaßlicher Sexualverbrechen in der Welt der Hollywood-Prominenz ist. Für eine Verurteilung müssen die zwölf Geschworenen einstimmig zu dem Schluss kommen, dass Weinstein schuldig ist.

Nach dem Schlussplädoyer der Verteidigung steht das Schlussplädoyer der Anklage an. Anschließend werden sich die Geschworenen zu ihren Beratungen zurückziehen.

Insgesamt werfen mehr als 80 Frauen, darunter eine Reihe bekannter Schauspielerinnen, Weinstein sexuelle Übergriffe vor. Die meisten Fälle sind aber verjährt. Das Bekanntwerden der Vorwürfe im Herbst 2017 hatte die weltweite #MeToo-Bewegung ausgelöst.

AFP

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