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Weltwirtschaftsforum: Wer schließt die Trump-Lücke? WEF-Treffen ohne US-Präsident

Donald Trump hat abgesagt. Emmanuel Macron auch. Das Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos muss auf zwei potenzielle Stars verzichten. Wer springt in die Bresche? Und: Braucht Davos so einen Über-Gast überhaupt?

Vor Weltwirtschaftsforum

Teilnehmer verfolgen die Übertragung der Rede von US-Präsident Donald Trump auf einem großen Bildschirm in Davos 2018. Foto: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE

Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Brasiliens neuer Präsident Jair Bolsonaro? Oder doch ein Außenseiter wie Chinas Vizepräsident Wang Qishan?

Nach der Absage von US-Präsident Donald Trump wird mit Spannung erwartet, wer beim Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums (WEF, 22. bis 25. Januar) in diesem Jahr im Rampenlicht stehen wird. Denn schließlich war es in erster Linie Trumps Besuch, der im Vorjahr die Tagung im Schweizer Alpenort Davos wieder ins Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit katapultiert hatte. Vielleicht wird ja dieses Jahr auch die erst 16 Jahre alte schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg in Erinnerung bleiben.

«Das WEF ohne den US-Präsidenten ist wie eine Party ohne das Geburtstagskind - nur halb so lustig und halb so spannend», urteilt das Schweizer Boulevardblatt «Blick». Das WEF gibt sich demonstrativ gelassen: Noch immer würden die USA mehr als 800 Teilnehmer stellen, darunter Vorstandschefs der wichtigsten US-Unternehmen. Und auch nach den Absagen von Trump, Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und der britischen Premierministerin Theresa May sei die Politik mit mehr als 60 Staats- und Regierungschefs weiterhin sehr stark vertreten.

Dennoch dürfte es WEF-Gründer Klaus Schwab wurmen, dass der US-Präsident nicht dabei sein wird - und auch keiner seiner Minister, die wegen des «Shutdowns» ebenfalls in Washington bleiben. Vor allem in der Öffentlichkeitswirkung seien die Absagen Trumps und Macrons ein Verlust, sagt Hans-Paul Bürkner, Verwaltungsratschef der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG).

Angesichts der Fülle internationaler Konferenzen sind solche Gäste der Kategorie A, die aus der ohnehin illustren Liste mit mehr als 3000 Teilnehmern noch herausragen, umso wichtiger für die globale Beachtung. Um sie kümmert sich Schwab, mittlerweile 80 Jahre alt, persönlich. Vor ihren Reden spricht der in Deutschland geborene Wirtschaftsprofessor auf der Bühne des größten Saals einige einführende Worte und sitzt dann als erster Zuhörer im Sessel neben dem Rednerpult.

Auch in diesem Jahr wird Schwab mehrere Spitzenpolitiker begrüßen können. Da ist etwa Bundeskanzlerin Merkel (CDU), die der WEF-Gründer sich als künftige Chefin der EU-Kommission wünscht. Und da ist Brasiliens rechtspopulistischer Präsident Bolsonaro, der seine erste größere Rede halten wird.

Aber sind das Gesichter, die das WEF prägen werden? Oder gar sollen? Schließlich hat Merkel ihren Abschied aus der Politik angekündigt. Bolsonaro, vom Boulevard auch «Tropen-Trump» genannt, ist zwar ein enger Freund der Wirtschaft. Aufgrund seiner rassistischen, sexistischen und homophoben Sprüche der Vergangenheit wird aber nicht damit gerechnet, dass die globale Elite, die immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit und Geschlechtergerechtigkeit legt, ihn in die Arme schließen wird.

«Globalisierung 4.0: Auf der Suche nach einer globalen Architektur im Zeitalter der Vierten Industriellen Revolution» lautet in diesem Jahr das Motto des Treffens. Doch ohne Trump und Macron und angesichts einer Merkel auf der politischen Zielgeraden fehlen in Davos die potenziellen Architekten.

Automatisch fällt damit der Blick auf andere Weltregionen. Aber Chinas starker Mann Xi Jinping kommt nicht noch einmal. Der chinesische Staats- und Parteichef hielt vor zwei Jahren in Davos eine viel beachtete Rede für freien Welthandel. Es wäre interessant zu hören, was er davon bereits für umgesetzt hält. Aus China angekündigt ist Vizepräsident Wang Qishan. Er ist jedoch kaum prominent genug, um in Davos ein Ausrufezeichen zu setzen.

Bliebe Wladimir Putin. Russlands Präsident gehört zweifellos zur Kategorie A. WEF-Gründer Schwab betont stets, es sei wichtig, alle «Schlüsselakteure» einzubeziehen, wenn - so sein Anspruch - «wir eine Plattform sein und die Zukunft der Welt gestalten wollen». Doch derzeit sieht es nicht so aus, als könne er Putin in die Alpen locken. WEF-Präsident Børge Brende sprach eine Woche vor Beginn lediglich von einer «starken russischen Delegation» um Wirtschaftsminister Maxim Oreschkin.

Und wenn tatsächlich kein A-Promi herausragt? Kein Problem, meint BCG-Verwaltungsratschef Bürkner - im Gegenteil. «Die Bedeutung des Weltwirtschaftsgipfels wird nicht an den Auftritten bekannter Politiker, sondern an den Inhalten und Beschlüssen der vielen Gespräche vor Ort gemessen», sagt er mit der Erfahrung aus 15 Forumsteilnahmen. «Es gibt kaum eine Bühne auf der Welt, an der die Dichte relevanter Gesprächspartner so hoch ist wie in Davos.»

Im Fokus steht diesmal besonders die Herausforderung durch extreme Wetterbedingungen. «Umweltkrisen - besonders das Scheitern bei der Bekämpfung des Klimawandels - gehören zu den wahrscheinlichsten und größten Risiken, die die Welt in der kommenden Dekade gegenübersteht», schreibt Schwab den Teilnehmern ins Stammbuch.

So ähnlich haben das viele Diskutanten bereits im Vorjahr vorgetragen. Doch die Inhalte der zahlreichen Podiumsdiskussionen und Pressekonferenzen waren 2018 angesichts der Wucht des Trumpschen Besuchs, der inhaltlich doch so nichtssagend verlief, ziemlich in den Schatten geraten. Das, so die Hoffnung, kann sich nun ändern. «Wir werden sehen, wie die beste aller Zeiten zu schaffen ist», kündigt Schwab an.

dpa

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