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Wirtschaftsweise fürchten Einbruch der Wirtschaft um bis zu 5,4 Prozent

Die deutsche Volkswirtschaft wird wegen der Corona-Pandemie deutlich schrumpfen.

Containerschiff im Hamburger Hafen im März 2020

Containerschiff im Hamburger Hafen im März 2020

Die deutsche Volkswirtschaft wird wegen der Corona-Pandemie deutlich schrumpfen. Eine Rezession im ersten Halbjahr werde "nicht zu vermeiden" sein, erklärten die sogenannten Wirtschaftsweisen in einem am Montag veröffentlichten Sondergutachten. Je nach Dauer und Ausmaß der Einschränkungen wegen der Pandemie rechnen sie mit einem Einbruch von 2,8 Prozent bis 5,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Der Sachverständigenrat geht in seinem Sondergutachten für die Jahre 2020 und 2021 von drei Szenarien aus - sie unterscheiden sich darin, wie lange und wie stark die einschränkenden gesundheitspolitischen Maßnahmen anhalten und wie schnell es zu einer Erholung kommt. Im "nach aktuellen Informationen wahrscheinlichsten Szenario" normalisiere sich die wirtschaftliche Lage "über den Sommer" wieder, heißt es im Gutachten. 2020 schrumpfe das BIP dann jahresdurchschnittlich um 2,8 Prozent; im Jahr 2021 könnte die Wirtschaft dann um 3,7 Prozent zulegen.

Im "Risikoszenario" ginge es steiler nach unten mit dem BIP. Das wäre der Fall bei "großflächigen Produktionsstilllegungen oder länger andauernden gesundheitspolitischen Maßnahmen", wie die Wirtschaftsweisen erläuterten. Dann würde das BIP um 5,4 Prozent schrumpfen - im Jahr 2021 dann aber auch steil um 4,9 Prozent wieder ansteigen.

Ein drittes Szenario entwirft der Sachverständigenrat für den Fall, dass die gesundheitspolitischen Maßnahmen über den Sommer hinaus andauern und "die wirtschaftliche Erholung sich erst im Jahr 2021 einstellt". Tiefgreifende Beeinträchtigungen der Wirtschaftsstruktur seien dann womöglich nicht zu verhindern. Verschlechterte Finanzierungsbedingungen und eine "verfestigte Unsicherheit" könnten dann Investitionen bremsen und zu Kaufzurückhaltung bei den privaten Haushalten führen. In diesem Szenario würde das BIP um 4,5 Prozent schrumpfen und 2021 mit 1,0 Prozent nur sehr langsam wieder wachsen.

Von der Politik forderten die Wirtschaftsweisen als Reaktion auf die Pandemie zunächst vor allem, Erkrankte gut zu versorgen und die Ausbreitung des Virus effektiv zu begrenzen. Zur Stabilisierung auf den Finanzmärkten trage eine "klare Kommunikation" bei. Dazu gehöre ein klares Signal der Euro-Staaten, bei Bedarf zusätzliche fiskalische Ressourcen über bereits bestehende Instrumente wie den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) "ab sofort" zur Verfügung zu stellen, rieten die Wirtschaftswissenschaftler.

Die Erholung nach dem konjunkturellen Einbruch schließlich könne die Politik unterstützen, indem sie die unternehmerischen Kapazitäten "möglichst" erhalte, die Einkommen stabilisiere und die langfristige wirtschaftliche Entwicklung in der Krise unterstütze - etwa die Weiterbildung und die Digitalisierung fördere, empfahl der Sachverständigenrat. Die Wirtschaftsweisen würdigten hier das vergangene Woche in Kraft getretene Hilfspaket der Bundesregierung für Unternehmen und Beschäftigte: Es komme zur richtigen Zeit.

Konjunkturpolitische Maßnahmen dagegen seien aktuell "wenig Erfolg versprechend", betonte der Sachverständigenrat. Eine Ankündigung solcher Maßnahmen "für die Zeit nach den Einschränkungen" allerdings könne die Erwartungen von Unternehmen und Haushalten "positiv beeinflussen", rieten die Forscher.

Der Vorsitzende des Sachverständigenrates, Lars Feld, hatte die verschiedenen Szenarien des Gremiums bereits vergangene Woche in einer Pressekonferenz mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vorgestellt - allerdings noch keine konkreten Zahlen genannt. Der Sachverständigenrat besteht üblicherweise aus fünf Wirtschaftswissenschaftlern, aktuell müssen allerdings zwei neue Mitglieder von der Bundesregierung noch berufen werden. Neben Feld gehören derzeit also nur zwei weitere Forscher dem Rat an: Achim Truger von der Universität Duisburg-Essen und Volker Wieland von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

AFP