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Zentralrat der Juden beklagt "Explosion des Antisemitismus" in Deutschland

Angesichts des erstarkenden Antisemitismus hat der Zentralrat der Juden die Gesellschaft zum Einsatz für jüdisches Leben in Deutschland aufgerufen.

Chanukka-Leuchter in Erfurt

Chanukka-Leuchter in Erfurt

Angesichts des erstarkenden Antisemitismus hat der Zentralrat der Juden die Gesellschaft zum Einsatz für jüdisches Leben in Deutschland aufgerufen. Der Vizevorsitzende des Zentralrats, Abraham Lehrer, beklagte am Dienstag eine "Explosion des Antisemitismus in Europa und Deutschland". Zwar gebe es noch "keine Auswanderungswelle" von Juden in Deutschland - "aber dass jüdische Menschen ab und zu darüber nachdenken, ist klar", sagte Lehrer.

Lehrer beklagte, dass aktuelles jüdisches Leben in Deutschland zu wenig sichtbar sei. "Nur ganz wenige wissen, was Juden sind und was jüdisches Leben ist." Dies solle sich mit einem bundesweiten Aktionsjahr 2021 ändern, wenn des 1700. Jahrestags der ersten urkundlichen Erwähnung von Juden in Deutschland gedacht wird.

Dann solle den weit verbreiteten "Zerrbildern" eine "klare Botschaft" entgegengestellt werden, sagte der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein. "Die Geschichte der Juden ist auch in Europa verortet und mit unserem Land fest verbunden", sagte Klein. "Die Juden sind auch Deutschland."

Der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) rief auf der gemeinsamen Pressekonferenz zu zivilgesellschaftlichem Widerstand gegen Antisemiten auf. "Wir wollen zusammen einen Aufstand gegen Antisemitismus organisieren", sagte er. "Aber wir wollen auch zusammen feiern, und wir wollen, dass unsere jüdischen Mitbürger hier bei uns in Freiheit und ohne Angst leben können."

Lehrer, Klein und Rüttgers äußerten sich zum Auftakt der Gedenkwoche, in der die Welt an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren erinnert. Anlass für das Aktionsjahr 2021 ist die erste urkundliche Erwähnung einer jüdischen Gemeinde in Deutschland vor 1700 Jahren: Im Jahr 321 wies Kaiser Konstantin die Kölner in einem Edikt an, Juden im Stadtrat zuzulassen.

AFP