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Jungs in Blau, Mädchen in Rosa: Neue Ministerin irritiert Brasilianer mit absurder Forderung

Die neue, rechte Regierung in Brasilien will die Zeit zurückdrehen: Die Familienministerin will, dass Jungen traditionell wieder in Blau gekleidet werden sollen und Mädchen in Rosa. Die Ironie: Diese "Farbregel" ist keine 80 Jahre alt.

Juventus Pink trikot

Zlatan Ibrahimovic (l.) und David Trezeguet 2005 im rosafarbenen Trikot von Juventus Turin. Schon die ersten Jerseys des italienischen Fußballclubs vor rund 100 Jahren waren pink.

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Brasilien, eines der größten Länder der Welt, hat eine neue Regierung. Und keine, die auf den ersten Blick besonders sympathisch wirkt. Der neue Präsident des Landes ist ein Rechtsradikaler, der angekündigt hat, keine Rücksicht mehr auf die Ureinwohner nehmen zu wollen, der den empfindlichen Regenwald ausbeuten und andersdenkende Staatsangestellte rauswerfen will. Auch seine Regierungsmitglieder scheinen darauf versessen zu sein, die Zeit zurückzudrehen. Etwa Damares Alves, Ministerin für Frauen, Familien und Menschenrechte. Sie fordert, das Jungen künftig wieder blaue und Mädchen rosafarbene Kleidung tragen sollen.

"Junge trägt Blau, Mädchen trägt Rosa"

Als hätte das Land keine echten Probleme wie grassierende Korruption und Kriminalität, beschäftigt sich die erzkonservative Pastorin lieber mit überkommenden Geschlechterrollen: Am Rande ihrer Amtseinführung hat sie Medienberichten zufolge gesagt: "Es bricht eine neue Ära in Brasilien an: Ein Junge trägt Blau und ein Mädchen trägt Rosa." Die Szene wurde auch auf einem Video festgehalten, das in dem südamerikanischen Land gerade die Runde macht. Bereits vor ihrem Amtsantritt hatte sie erklärt, dass "ein Mädchen eine Prinzessin und ein Junge ein Prinz sein wird".

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Die brasilianische Zeitung "Globo" hat einige Reaktionen aus den sozialen Netzwerken zusammengetragen – sie fallen überwiegend skeptisch aus. So schreibt einer: "Jungen und Mädchen tragen, was sie wollen, sie sind das, was sie wollen, und sie werden das, wozu sie sich hingezogen fühlen." Ein anderer lästert: "Ist sie Menschenrechtsministerin oder eine Kindermodeministerin?" Eine Befürworterin diese Dresscodes schriebt: "Endlich kehren wir zur Normalität zurück."

Früher war Rosa noch eine Männerfarbe

Diese so genannte Normalität gibt es übrigens noch nicht besonders lange. Rosa ist höchstens seit rund 80 Jahren eine "Mädchenfarbe". Zuvor wurden sie in hellblau gehüllt – und Jungs in Rosa. Denn diese Farbe galt noch bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts als das "kleine Rot" und die Signalfarbe Rot war bis dahin Sinnbild der Männlichkeit. Das amerikanische Frauenmagazin "Ladies' Home Journal" schrieb 1918 dazu: "Die allgemein akzeptierte Regel ist Rosa für Jungen und Blau für die Mädchen. Der Grund dafür ist, dass Rosa als eine entschlossenere und kräftigere Farbe besser zu Jungen passt, während Blau, weil es delikater und anmutiger ist, bei Mädchen hübscher aussieht."

Warum es zum Farbtausch kam ist unklar. Die Forschung geht davon aus, dass die auch religiös begründete Symbolik dahinter im Laufe des vergangenen Jahrhunderts in Vergessenheit geraten ist. Zudem setzte sich blau als Farbe für damals männliche Berufe wie Arbeiter (im "Blaumann") Soldaten und Matrosen durch. Sich noch im Jahr 2018 also auf eine ohnehin nur kurze Tradition zu berufen, wirkt reichlich aus der Zeit gefallen.

Quellen: "Globo", "Die Welt"

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