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Aus dem Leben einer Mutter

"Bad Moms": Böse Mädchen kommen überall hin – auch in unseren Mutti-WhatsApp-Chat

Im Zeitalter von WhatsApp muss man nicht mehr gegen Mütter-Trauben vor Schultoren, Trainingsplätzen oder Segelclubs anbrüllen. Genauso gut kann man in Chatgruppen schnattern und tratschen – wo es mitnichten zivilisierter zugeht.

Von Andrea Müller

Frau mit Handy

In den meisten WhatsApp-Gruppen ist ziemlich die Hölle los – auch in unserer Mutti-Gruppe

Getty Images

Der harte Kern des Mütter-Chats der 2A entstand nach einem Elternabend vor dem Schultor. Unsere Achtjährigen gingen seit knapp zwei Jahren in dieselbe Klasse, trotzdem begegneten wir – diese zufällige, internationale, existentialistisch ignorante Gegenbewegung zu den hiesigen Heli-Müttern, die normalerweise nie zu Elternabenden ging – uns zum ersten Mal. So fügten unsere Kinder "zusammen, was zusammen gehört".

Alle in der Gruppe rauchten, Adriana reichte das Feuerzeug herum. Elsas Mama Ewa stellte sich als Designerin aus Danzig vor, sie war während des Vortrages über ein Computer-Lernprogramm für Kinder kurz eingenickt. Die Elternvertreterin hatte ihre Nebensitzserin mit dem Ellenbogen in die Seite geknufft und kopfschüttelnd in Ewas Richtung geschaut. Schon deshalb war Ewa mir sofort sympathisch.

Adriana mit, leichtem kolumbianischen Akzent und heißblütiger Gestik, nannte sich einfach "Mutter von Theo" und Begüm, vierte im Bunde, Mutter von Max-Mohammed und drei weiteren Kindern mit bayrisch-türkischen Vornamen, lachte laut über Ewas Schläfchen und Adrianas Witze.

Das Problem war nur: keine der Anwesenden hatte auch nur einen einzigen Termin notiert. Adriana habe sich zwar Notizen auf dem Handy gemacht und von der Tafel abfotografiert, doch alles versehentlich gelöscht. Schnuppe, gähnte Ewa, wozu gäbe es schließlich morgen das Protokoll desjenigen, der beim Elternabend immer die Arschkarte zieht und mitschreiben muss.

Die Geburtsstunde der "Bad Moms"

Adriana schimpfte lauthals über die militanten, deutschen Lehrerinnen, die in derselben Sekunde die Schule verliessen und unserem Grüppchen noch einen entgeisterten Blick zuwarfen: Rauchen vor dem Schultor – what the fuck…

Begüm hatte die Sache mit den Passwörtern für das Lernprogramm aufgrund der Sprachbarriere nicht gepeilt, ich, wohl einzige Muttersprachlerin, aus anderen Gründen nicht. Ewa schlug vor, noch einen Wodka zu kippen, um dann später endlich wirklich tief schlafen zu können.Wir schlenderten zur nächsten Tränke, bestellten Rotwein und Wodka. Ewa erstellte die Whats-App-Gruppe namens "Bad Moms". Es gab keine Einwände. (Auch wenn Adriana Wochen später den Betreff in "Good Moms" änderte. Sie fand, nur weil man bei Vorträgen über Computer-Lernspiele einschläft oder nicht zuhört, sei man noch lange keine schlechte Mutter. ) Wir blieben bis kurz vor Mitternacht und sprachen über alles, ausser über unsere Kinder.

So bekam der Elternabend doch noch Sinn: es gab vier neue Chatpartner und 20 neue Fremde, über die man im Chat lästern konnte. "War die Murakami-Tasche von Emilias Mutter echt?" fragte Adriana am nächsten Tag im Chat. Murakami? Kenne nur den Schriftsteller, doch Google sei Dank, ploppen Bilder von teuren, bunten Taschen auf. "Ist das die Mutter des Hello-Kitty-Mädchens, die immer petzt und heult?" frage ich. Adriana: "Genau die." Ewa: "Dann ist die Tasche unecht!".

Dazu muss man sagen: Ihrer Meinung nach haben zum Beispiel Mütter mit Label-Accessoires wie einem goldenen Hermes-H-auf der Gürtelschnalle kein Mitspracherecht, schon gar nicht wenn es um kulturell-künstlerische Weiterbildung unserer Kinder geht. Ewa: "Das H heisst Hallo, ich habe zwar Geld aber keinen Stil, weiß aber, dass Ihr wisst, dass der Gürtel 400 Tacken kostet..." Ich: "LOL. Apropos: Wer war denn der mit dem seidenen Einstecktuch?" Adriana: "Mein Ex".

Wieso sehen Elternsprecherinnen in den Elbvororten seit Jahren gleich aus?

Schnell schicke ich zwei Tränenlachsmileys, ein Herzchen und ein "Sorry" hinterher. Irgendwie identifizieren sich Leute ja doch immer wieder mit ihren Exen, sobald jemand von aussen sie anspuckt. Begüm:"Ihr seid so böse! Solche Rückschlüsse sind oberflächlich und unzulässig!"

Ewa erklärt, warum modische Strömungen jedweder Art immer schon Frage der Gesinnung waren: "Warum denkt Ihr hat die Murakami-Tasche jedes Wort der  Lehrerinnen mitgeschrieben? Wieso sehen Elternsprecherinnen in den Elbvororten seit Jahren gleich aus? Das ist ihre Schuluniform: Blonder Bob, teure Brille, Syltbräune. Die Uniform signalisiert: Wir sind angepasst. Es ist ABSICHT! Sie wollen das so."

Beim nächsten Treffen beschließen wir, uns unseren Kindern zuliebe nicht wie die letzten Anarcho-Mütter aufzuführen und fügen auf Klassenfesten immer mal neue Mütter in unseren Chat, auch deutsche, uniformierte.

Doch mit den Label-Moms kam die Orga-Info- und Terminabsprachen-Flut und genau derselbe Scheiß wie in allen anderen Elternchats. Es brachte keinen Spaß mehr. Man konnte nicht mehr lästern, die Gruppe verwässerte, man wusste auch nicht mehr, wer mit wem befreundet war und mit wem man selbst es bleiben wollte.

Wir sehnten uns nach der Existenzialisten-Runde des Anfangs

Kurz vor Weihnachten gaben die "Bad Moms" sich selbst den Todesstoß. Ewa postete halbnackte Weihnachtsmänner mit Waschbrettbäuchen – wir stellten in Endlosschleife albernere Nackedeis in den Chat.

Begüm verteilte großzügig Lachsmileys, als Muslimin musste sie aufpassen, dass ihre türkische Familie den Chat nicht zu Gesicht bekam. Wie männliche Pubertierende, die zum ersten mal Playboy-Bunnys mit Plüschöhrchen sahen, posteten wir "polierte Christbaumkugeln", albern und geschmacklos, wie Männer es umgekehrt seit jeher tun. Nur bei Ewa war ich nicht sicher, ob sie nicht wirklich auf nackte Nikoläuse stand.

Zwei Uniformierte verliessen den Chat. Eine weitere konnte ihrem Ehemann die vielen nackten Weihnachtsmänner nicht mehr erklären, die ständig piepend auf dem Display aufploppten. Dann lösten sich die "Bad Moms" auf.

Nach dem ganzen Hin- und Her sehnten wir uns nach der Existenzialisten-Runde des Anfangs. Denen, die einschliefen, Wodka tranken, sich jedweder "Mütter-Leistung" verweigerten. So entstanden die "Super-Moms": Ewa, Adriana, Begüm und ich. Bis heute sind wir nur noch der harte Kern.

Mädchenmutter vs. Jungsmütter

Eines Tages war ein helikoptermäßiger Anruf der Murakami-Mutter auf meiner Mailbox. Ben, Theo und Max-Mohammed zogen ihrer Tochter immer im Vorbeigehen die rosa Zopfschleifen ab. Mit "hartes Mobbing" hatte sie etwas übertrieben. 

Ich versuchte, den Vorfall im "Super-Moms-Chat" zu klären: "Unsere Söhne bauen Mist, habt ihr gehört? Was tun?" "Keine Sorge ihr Lieben" schrieb Ewa, "Um Eure Söhne haben sich die Mädels gekümmert. Ich sag nur: Banane!" Adriana: "*Rotes Teufelsgesichts-Smiley*. Ewa!!! War das deine Idee? Theo und Ben hatten verfaulte Bananen in den Hausschuhen. Findest Du das echt witzig? Dein Ernst?"

Ben hatte mir, vermutlich wissend, dass er selbst schuld war, nichts erzählt. Hatte nur seine Hausschuhe mit der Begründung nach Hause gebracht, sie müssen gewaschen werden, er sei aus Versehen in Emilias Obstdose getreten! Wahnsinn, denk ich, so sind Jungs. Können nichtmal zugeben, wenn ein Mädchen ihnen eine Lektion erteilt.

Als Mädchenmutter hat Ewa jedenfalls das einzig Richtige getan. Sich ja nichts gefallen lassen, von den Jungs, die sich witzigerweise jetzt schon für die Krönung der Schöpfung halten. Und böse Mädchen kommen überall hin – sogar in unseren Chat.

Ein Vater im US-Bundesstaat New Jersey wird erfinderisch, um die Haare seiner beiden Töchter zu trocknen.
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(