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Neue Regelung: Australisches Krankenhaus verbietet Fotografen während der Geburt – und Eltern rasten aus

Das Royal Brisbane Women’s Hospital will während Geburten keine professionellen Fotografen mehr dabei haben – damit Hebammen und Ärzte im Notfall nicht behindert werden. Sowohl Fotografen als auch Eltern stößt das sauer auf.

Ein gerade geborenes Baby im Krankenhaus

Vor und nach der Geburtd arf im Krankenhaus fotografiert werden – währenddessen nicht

DPA

In Deutschland ist es bisher noch nicht sehr verbreitet, Mütter während der Geburt zu filmen oder zu fotografieren. Wenn das doch passiert, übernimmt meist der Vater oder ein Familienmitglied diese Aufgabe. Ganz anders in Australien – dort ist es in den letzten Jahren zunehmend populär geworden, professionelle Fotografen mit in den Kreißsaal zu nehmen. Einer Geburtsklinik in Queensland wurde das jetzt zu viel.

Das Royal Brisbane Women’s Hospital (RBWH) ist das größte Krankenhaus der Region. Hier setzt man inzwischen durch, dass zwar vor und nach der Geburt professionelle Fotos gemacht werden können – aber nicht, während die Mütter in den Wehen liegen und ihr Baby zur Welt bringen. Was vernünftig klingt, sorgte allerdings sowohl bei Fotografen als auch bei vielen Müttern für große Aufregung.

Gute Tat für die Eltern – oder Geschäft?

Die Fotografin Michelle Palasia äußerte ihren Unmut über die neue Regelung der Klinik in einem ausführlichen Facebook-Posting:

"Als Geburtsfotografin weiß ich, dass die in Bildern festgehaltene Geburtsgeschichte der Familie post partum als wichtiges und therapeutisches Hilfsmittel dienen kann. Dabei werden vergessene Momente wieder zusammengesetzt, verschwommene Erinnerungen, Situationen, die zuerst keinen Sinn zu machen schienen. Familien dieses starke Hilfsmittel wegzunehmen und sie mit einer unvollständigen Geschichte zurückzulassen ist verachtungswürdig", schreibt Palaisa. "Das ist mal wieder ein Beispiel dafür, wie uns selbstständige Entscheidungen bei der Geburt genommen werden."

Unter ihrem Post und auch auf der Facebook-Seite der Klinik beschwerten sich viele werdende Mütter über die Regelung. "Der Moment, in dem das Baby auf die Welt kommt, ist doch der wichtigste!", schreibt eine Nutzerin. Andere äußerten hingegen Verständnis für das Krankenhaus. Aber geht es der Fotografin – auch mit einer Petition, die sie startete – wirklich um die Erfahrungen der Mütter oder doch vor allem um einen lukrativen Geschäftszweig? Das Verbot dürfte sie und ihre Kollegen viele Aufträge kosten.

Das Krankenhaus verschärfte seine Regelungen vor allem aus einem Grund: Sicherheit. "Komplikationen kommen zwar selten vor, können während der Geburt aber sehr schnell entstehen. Deshalb ist es wichtig, dass unser Team seine Aufgaben mit absoluter Sorgfalt und Konzentration erfüllen kann, mit keiner unnötigen Ablenkung", erklärt Klinikleiterin Dr. Amanda Dines.

Väter dürfen weiterhin fotografieren

Auch, wenn die Geburtsräume so heimelig wie möglich eingerichtet seien, handele es sich immer noch um medizinische Bereiche, in denen so wenig Unbeteiligte wie möglich anwesend sein sollten. Väter, die Mutter oder die Schwester könnten natürlich weiterhin fotografieren, so Dr. Dines. "Wir haben Eltern schon immer ermutigt, diese einzigartige Erfahrung zu dokumentieren. Allerdings bitten wir sie, das auf eine Weise zu tun, die den wichtigen Job unserer Hebammen und Ärzte unterstützt und nicht behindert."

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wt