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Familienleben: Andreas singt a Liad für mich!

Wenn der Nachwuchs größer wird und plötzlich seinen eigenen Geschmack entwickelt wird das Leben für Eltern definitiv nicht einfacher. Schluss mit eigens ausgewählten Klamotten und noch Schlimmer: Auf einmal läuft da komische Musik im Kinderzimmer. Und Mama Amok.

Meine Tochter hat sich dazu entschlossen – wie wohl jedes Kind früher oder später – Musik zu hören, die mich wahnsinnig macht. Und ich rede hier nicht von Rolf Zuckowski, nein, ich rede von Andreas Gabalier. Wahlweise auch von Volksmusik an sich, aber im speziellen eben von Andreas Gabalier.

Bereits 2009 entschied sich der junge Mann mit dem französischen Nachnamen dafür, die Menschheit mit Volksmusik zu beglücken. Und das – in meinen Augen seltsamerweise – sehr erfolgreich. In Österreich war eines seiner Alben 74 Wochen in den Top Ten, nur noch geschlagen von Michael Jackson. Inzwischen kann er einiges an Auszeichnungen im Bereich Volksmusik sein eigen nennen.

Das macht seine Musik in meinen Augen aber nicht besser. Der gute Mann würde – nein, er tut es – in Dauerschleife mit Krachlederner durch unsere Wohnung hüpfen, wenn ich nicht regelmäßig nach der dritten Wiederholung brüllen würde: AUS! Hör doch mal was anderes! ‚Aber Mama, warum denn, ich mag das Lied halt!‘ Und von vorn. Willkommen bei den Teletubbies! Wir wiederholen alles so oft, bis du durchdrehst.

Dabei kann ich sie ja irgendwie verstehen. Ich war selbst live dabei, als Stefan Mross 1989 mit der Tröte seine Heimwehmelodie zum Besten gab und jedem Rentner in Deutschland mehr als nur eine Träne die Wangen hinunterlief. Und bestimmt habe ich es nicht weniger herzerweichend gefunden. Hach! Meine Kindheit mit Oma und dem Musikantenstadl. Keine Sendung haben wir verpasst! Und natürlich haben wir fleissig mitgeschunkelt und ich bin davon überzeugt, ich konnte jedes einzelne Volkslied mitsingen. Was blieb mir damals schon anderes übrig, kein Youtube, kein Spotify, also selber singen. Oder hoffen, dass das Lied bald wieder auf Bayern 1 oder Bayern 3 gespielt wird. Damit ich es mit dann endlich auf Kassette aufnehmen kann! Für die Dauerschleife.

Aber trotzdem! Alles dahin, die frühkindliche musikalische Bildung mit Jan Delay, Kraftwerk und all den Klassikern aus meiner Musikwelt, den schwarzen Scheiben (Schallplatten) der überambitionierten Mutti, die dachte: Mein Kind hört gefälligst nur gute Musik wenn sie groß ist. Haha!
Auch wenn die Definition von „Guter Musik“ natürlich Geschmackssache ist. Weil, mein Kind findet nämlich viel von dem, was ich so höre gar nicht mal so gut.

Muss mein Kind aber jetzt wirklich unbedingt „I sing a Liad für di“ tanzend und singend durch die Wohnung trällern? Bayerisch in allen Ehren, schließlich ist das meine Muttersprache, aber bitte: AUS! Sing doch mal was anderes!

Und was singen und hören eure Kinder?