HOME

Familienleben: Das Kind hat Fieber

Kranke Kinder! Kennen Sie das auch? Ich hatte gerade eines zu Hause.

Ich sage Ihnen, es hat vorbildlich gelitten. Mir nachts den Schlaf geraubt und mich tagsüber kuschelnd vollgeschwitzt, während sie rot glühend durch´s Leben torkelte. Meine Bewegungsfreiheit war massiv eingeschränkt. Denn zur Zeit kommt ein Gang zur Toilette meinem Kind bereits wie ein zweiwöchiger Luxusurlaub der Eltern vor. Geht gar nicht, „Mama komm zurück. Sofort! Ich brauche irgendwas.“ Meine Tochter leidet bei Krankheit mindestens so gut wie mein Mann. Beide stehen sie kurz vor ihrem Ende.

Gut, das Fieberthermometer zeigt in diesem akuten Fall mit 40,1 auch die absolute Freigabe für berechtiges Leiden an, ich bin gern das lebende Kuschelkissen.

Aber was macht so ein Kind eigentlich – ausser kuscheln – wenn es krank ist? Wir Erwachsene legen uns mit Fieber im Besten Fall einfach hin und schlafen. Im Idealfall so lange, bis es vorbei ist. Wenn wir Glück haben, ist jemand da, der uns betüdelt, Tee kocht, Suppe einflößt, die Decke zurechtzupft, damit wir schneller wieder schlafen und gesund werden können.

Kinder ab einem gewissen Alter scheinen – auch im größten Fieberdelirium – schlafen für eine Art Zeitverschwendung zu halten. Kuscheln ist da noch die entspannteste Möglichkeit, Trost zu spenden. Aber es will ja auch gespielt werden. Mit einem Fieberkind Uno zu spielen macht wahnsinnig. Wer ist dran? Ich? Ich war doch gerade erst dran? Welche Farbe liegt da? Hä? Aber du hast doch die Karte gelegt! Wenn Uno durch ist: Mama, hol mir doch mal Lego, die Briobahn, meine Bücher, was zu malen, was zu Essen, ein Getränk. Jetzt will ich einen Film schauen. Klar, alles auf das Sofa im Wohnzimmer.

Weil ich eine meist mitfühlende Mutter bin, räume ich also das Kinderzimmer ins Wohnzimmer. Mit dem Wissen, dass ich später auch wieder alles aufräumen darf. Das Kind ist ja schließlich krank und da ist es sinnvoll, wenn das Kinderzimmer ins Wohnzimmer umgeräumt wird und aufräumen oder die Benutzung des eigenen Kinderzimmers geht mit Fieber ja auch nicht. Ich bin ja schließlich gesund, ich kann das doch alles machen.

Ich hoffe jetzt inständig, dass meine Tochter bald wieder auf dem Damm ist. Denn wer will schon krank in die Winterferien fahren, die nächste Woche anstehen. „Mama, bis Samstag muss ich wieder fit sein. Vielleicht hab ich ja dich angesteckt, dann wirst halt du im Urlaub krank. Das ist ja dann nicht so schlimm.“