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Familienleben: Geschlecht: geheim

Charlie wächst im schwedischen Malmö auf. Als Kind. Denn seine Mutter verrät niemandem, ob Charlie ein Junge oder ein Mädchen ist.

Charlie sitzt im Fahrradanhänger und knabbert vorsichtig an einem Apfel. Anstatt einfach hineinzubeißen, schält sich das Kind mit seinen Zähnchen zum Fruchtfleisch vor und spuckt die Schale wieder aus. Malin Björns, die Mutter, schaut sich lachend zu ihm um: „Charlie steht eben nur auf das Innere.“ Ob sie damit meint, dass ihr zweijähriges Kind verstanden hat, worauf es ihr selbst in der Erziehung ankommt?

Charlie soll weder Mädchen noch Junge sein, sondern beides. Oder auch nichts davon. Das Kind wird „genderneutral“ erzogen und soll damit laut seiner Mutter Malin Björns nicht nur zwei Möglichkeiten im Leben bekommen, sondern alle. Vor allem soll Charlie ganz frei aufwachsen können, frei von einschränkenden Vorurteilen darüber, wie „Jungs“ nun mal sind oder „Mädchen“. „Wenn man wissen möchte, wie jemand ist, muss man dafür nicht zwischen die Beine gucken“, sagt Björns.

Ihr Erziehungskonzept ist der Außenwelt gegenüber nicht einfach durchzusetzen. Selbst dem engen Umfeld der Familie sagt Malin Björns nicht, welches Geschlecht das Kind hat. Und sie nimmt ihren Plan ernst: Nicht mal die Oma erfuhr es, als sie am Tag der Geburt ins Krankenhaus zu Besuch kam. Sie fand es erst später beim Wickeln heraus. Sie lag falsch.

Der Name Charlie könnte zu einem Jungen wie zu einem Mädchen passen, und an Charlies Gesicht lässt sich wie bei vielen Kindern in diesem Alter wirklich nicht ausmachen, was „es“ ist. Kein Schleifchen im Haar und kein Piratenaufnäher auf der Hose geben einen Hinweis auf das Geschlecht. Stattdessen sitzt das rothaarige Kind mit einer rosa-lila gestreiften Hose, einem grünen Fleecepulli und schwarzen Gummistiefeln in seinem Anhänger und schält genüsslich seinen Apfel.