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Aus dem Leben einer Mutter

Auch an der Stadtteilschule gibt's Abi: "Mama, muss ich aufs Gymnasium?": Die Qual der Wahl der weiterführenden Schule

Im April fallen wieder die Entscheidungen, auf welche weiterführende Schule unsere Kinder gehen sollen. Mehr denn je drängen aufs Gymnasium. Muss das sein?

Von Andrea Müller

Kind mit Ranzen vor der Schule

Nicht jedes Kind muss unbedingt aufs Gymnasium – vielen Kindern schlägt Leistungsdruck auf die Psyche

Getty Images

Oben oder unten, arm oder reich, Verlierer oder Gewinner im späteren Leben. Viele Eltern glauben ja, dass nach der vierten Klasse die Weichen für die Zukunft unserer Kinder gestellt werden. Im Laufe des Aprils erfahren wir, ob unsere Viertklässler auf der Schule unserer Wahl angenommen werden.

Auch 2019 haben sich mit 600.000 Familien in Deutschland wieder mehr denn je für's Gymnasium angemeldet.

Während in kleinen Unistädten rund 70 Prozent der Schüler aufs Gymnasium wollen, sind es in Großstädten immerhin die Hälfte, in ländlichen Gegenden 30 bis 40 Prozent. Im Schul-Wahl-Wahnsinn übersehen jedoch viele, dass wir in Zeiten unendlicher, alternativer Bildungsmöglichkeiten leben.

In den Elbvororten, bei Eltern von Bens Kumpels, muss man gar nicht erst fragen: "Auf welche Schule geht ihr denn so?" Die Antwort lautet in 90 Prozent der Fälle: "Gymnasium." Ob Standesdünkel oder allgemeine, unterbewusste Distinktion.

Alleine sechs Gymnasien befinden sich in einem Umkreis von drei Kilometern

Unter anderem liegt es allerdings auch daran, dass es in unserer grünen Großbürger-Hölle einfach keine "anderen Schulen" gibt: Alleine sechs Gymnasien befinden sich im Umkreis von drei Kilometern, direkt vor unserer Haustür. Der Schulweg zu einem "Nicht-Gymnasium" erfordert nicht nur das Verlassen des Stadtteils, sondern im Zweifel sogar eine Elbüberquerung. Meine Kinder müssten per Schiff, S-Bahn oder Schnellbus zur Schule, als gingen sie auf eine Reise in eine andere Welt. Für manche Schüler stellt sich die Frage der Entscheidung schon deshalb nicht, so auch bei uns zu Hause.

Während Ben wenn er groß ist, vor allem reich werden will, glaubt er seinen Lebensentwurf mit der Wahl eines Elite-Gymnasiums abgesichert. Sein großer Bruder Caspar hingegen fragte mich vor fünf Jahren am gleichen Punkt: "Mama, muss ich denn auf's Gymnasium?" Gute Frage.

Zwar hatte Caspar überwiegend gute Grundschul-Noten, doch die Bedenken seiner Lehrer waren aus heutiger Sicht nicht völlig aus der Luft gegriffen: Zu oft habe er Material nicht dabei, Hausaufgaben wurden, wenn überhaupt, nur bei Mistwetter erledigt (bei Sonne gab es andere Prios). Im Unterricht zuhören? War auch nicht so sein Ding. Man sah Caspars Gymnasiallaufbahn skeptisch entgegen.

Heute bin ich schon froh, wenn er morgens rechtzeitig losgeht, um seine Hausaufgaben noch irgendwo abzuschreiben. Die, ich sag mal "Variabilität" seiner Schulnoten trägt er selbst mit einer gewissen Nonchalance, verlangt uns Eltern jedoch ein stabiles Nervenkostüm ab.

Bei Ben ist es anders. Sein Patenonkel, Inhaber des großen Latinums, erörtert mit Ben regelmäßig den Gebrauch lateinischer und griechischer Sprachbilder. (Ben: "Onkel E's Lieblings-Metapher ist 'Auf die Kacke hauen'"!). Also, ich wusste mit neun noch nicht, was eine Metapher ist, und konnte mit meinem läppischen Portfolio lebendiger Sprachen plus Asterix-Latein nur noch "Alea iacta est" sagen, als Ben unlängst seine Entscheidung erklärte. Mit altsprachlicher Schulbildung könne er nun wirklich alles werden, außer Profi-Fußballer. Schlimm genug.  Also wird er demnächst zumindest Schüler einer "Streberschule", laut seinem Bruder. Der Rest der Familie darf sich auf eine hoffentlich weniger atemberaubende Gymnasiallaufbahn freuen, vorausgesetzt, sein Patenonkel paukt regelmäßig mit ihm Vokabeln.

In Brennpunkt-Gebieten wird ein gutes Drittel aller Schüler wieder abgeschult

Während in Hamburg lediglich "Gymnasial-Empfehlungen" ausgesprochen werden, gibt es zum Beispiel in Bayern ja immer noch knallharte Aussiebung. Dort entscheidet der Notendurchschnitt und nicht die Eltern, wohin die Reise der Kinder geht, ab der Vierten geht ein erbitterterer Endspurt-Kampf ums beste Zeugnis los, ehe der Freistaat seinen Kindern den Besuch eines Gymnasiums gestattet.

Im sozialen Hamburg hat die Elternwahl zur Folge, dass in Brennpunkt-Gebieten wie Wilhelmsburg ein gutes Drittel überforderter Schüler später wieder abgeschult wird.

Immerhin: Zwei von drei Schülern schaffen es, jedes Kind soll zumindest die Chance haben. Auch wenn es Lehrer, Eltern und auch Schüler manchmal Nerven kostet. Die schlechten Schüler, weil sie nicht mitkommen und die guten, weil sie aufgehalten werden.

Die Selektion läuft später ohnehin nach dem Prinzip der darwinschen Evolutionstheorie: "Survival of the Fittest", wobei Schüler mit fürsorglichen Elternhäusern bei gleicher (Nicht-)Begabung immer noch klar im Vorteil sind.

In Bayern hält man das Gymnasium ja offiziell noch für eine Elite-Institution, wo die besten Grundschüler gemeinsam Höchstleistungen produzieren sollen. Darauf ein Ei in die Pfanne. Den meisten Eltern sind Pisa-Studien egal: Die Anzahl deutscher Spitzenschüler ist mit bescheidenen 20 Prozent im internationalen Vergleich eh nicht der Rede wert. Uns Eltern geht es um die Kinder. Darum, was gut für sie ist, wo sie sich glücklich fühlen, ohne sich zu quälen.

In Bens Klasse durfte jetzt jeder Viertklässler eine Erst-, Zweit- und Drittwahl für die weiterführende Schule angeben. Entscheiden werden am Ende zwar auch die Schulen, aufgrund von Wohnorten, besten Freunden und Zeugnissen. Aber erstmal im Vertrauen darauf, dass die Familien nicht voll daneben liegen, mit ihrer Wahl. (Aus Dreien in der Grundschule werden nunmal selten Zweier im Gymnasium!)

Überhöhter Leistungsdruck kann sich auf die Psyche der Kinder auswirken

Viele sind dann enttäuscht, wenn ihre Erstwahl nicht klappt. Und viele von Bens Kumpels sind traurig, dass sie keine Gymnasialempfehlung haben. Aber ihre Eltern werden wohl wissen, ob ihren Kindern ein Gymnasium zuzumuten ist.

Eine Grundschullehrerin sieht das anders: Das größte Problem bei der Schulwahl seien immer noch die Eltern. Viele wollen ihr Kind um jeden Preis aufs Gymnasium drücken, sie wissen nicht, wie schlimm sich überhöhter Leistungsdruck später auf die Psyche des Kindes auswirkt.

Gerade jenseits des Bildungsbürgertums verberge sich hinter der Wahl "Gymnasium" auch immer der Wunsch zum sozialen Aufstieg. Da kämpfen Eltern mit allen Mitteln, viele klagen gegen Entscheidungen, wenn ihre Kinder nicht angenommen werden. Sie ignorieren (Gymnasial-)Empfehlungen und empfinden es als Provokation, wenn man ihnen eine Stadtteilschule ans Herz legt.

Auch 2019 liegen wieder hunderte Widersprüche von Hamburger Eltern vor, einigen ist der Aufwand tausende Euros wert. Wie unnötig, wenn man bedenkt, dass Lehrer und Bildungsbeauftragte nicht müde werden, zu betonen, dass man gerade heute auch an Stadtteilschulen Abi machen kann. Und zwar ohne den verkürzten G8-Wahnsinn.

Es muss gesagt sein: Das deutsche Schulsystem ist sozialer und stärker denn je. Haupt- und Realschulen werden nach und nach abgeschafft, aus der "Schule für Blöde" wird in Deutschland langsam aber sicher eine "Schule für alle". Was vor allem für all jene Gold wert ist, die mit zehn Jahren noch nicht wissen, wohin die Reise geht. Mal ehrlich: wer weiß das schon mit 10? Gerade in diesen Zeiten spricht absolut nicht mehr viel für das Gymnasium als einzigen Weg.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(