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Star Wars im Alltag: Wie die Flughafen-Sicherheit das Lichtschwert meines Sohnes zur gefährlichen Waffe erklärte

Um unsere Sicherheit zu garantieren, müssen die Behörden manchmal hart durchgreifen. Ab und zu übertreiben sie dabei. Etwa als sie meinem vierjährigen Sohn seine Lichtschwerter wegnehmen wollten - weil es sich dabei um Waffen handelt.

Anakin Star Wars Jedi Lightsaber Lichtschwert

Bevor Anakin Skywalker zu Darth Vader wurde, war er ein Jedi-Krieger. Bald sollte er die als Terroristen gegen das Imperium verfolgen

Picture Alliance

Aktuell läuft mit "Die letzten Jedi" der bereits achte Teil der "Star Wars"-Saga im Kino. Und ich werde wieder an die Episode erinnert, als mein Sohn praktisch zum Jedi-Kämpfer erklärt wurde - von den Sicherheitskräften des Frankfurter Flughafens. Schließlich wollte der vermeintliche Mini-Terrorist gefährliche Lichtschwerter an Bord schmuggeln.

Das Ganze passierte bereits 2013. Eigentlich wollten wir nur nach Hause. Mein Kleiner hatte die Woche bei Oma und Opa verbracht, nun wollte ich mit ihm aus der hessischen Heimat zurück nach Hamburg. Wie es sich für moderne Vierjährige gehörte, war er schon ein gewaltiger "Star Wars"-Anhänger - natürlich ohne je einen der Filme gesehen zu haben. Der größte Wunsch zu Weihnachten 2012 waren Lichtschwerter, die von da an überall hingeschleppt wurden. Ich konnte ja nicht ahnen, dass er mit ihnen ein Flugzeug entführen wollte. So sahen es zumindest die Sicherheitskräfte. 

Jedi-Waffen im Handgepäck

"Das kann er nicht mit an Bord nehmen", erklärte uns der streng schauende Sicherheitsmann bei der Kontrolle. Und zeigte auf die beiden Plastik-Lichtschwerter. Ich lachte noch, glaubte an einen Scherz. Den Witz, dass es ja wirklich kinderleicht wäre, mit der Laserwaffe die Kabine aufzuscheiden, sparte ich mir zum Glück. Denn der Blick blieb hart. Der meinte das ernst.

"Und warum genau?", versuchte ich es im diplomatischen Ton. "Das ist eine Waffe. Die sind an Bord verboten", folgte sofort die humorlose Antwort. Ich schaute meinen noch ruhigen, aber doch sehr irritiert dreinschauenden Sohn an - und dürfte dabei ziemlich den gleichen Gesichtsausdruck gehabt haben.

Star Wars Light Saber Dart Vader Lichtschwert

Die beiden "Waffen": Unten das Lichtschwert Darth Vaders, oben ein China-Nachbau

 

 Die Jedi als Terror-Gruppe

Es gibt unter "Star Wars"-Fans eine Gruppe, die behauptet, dass die Rebellen um Luke Skywalker eigentlich Terroristen seien. Schließlich zerstören sie im Kampf gegen das herrschende Imperium mit Gewalt eine gigantische Raumstation und töten dabei die Besatzung aus Tausenden Menschen. Ob der Sicherheitsmann etwas ähnliches befürchtete, weiß ich nicht. Doch er beharrte auf das Verbot unserer "Waffen".

"Aber wir haben unser Gepäck schon aufgegeben", versuchte ich es noch mal mit Verhandlungen. "Dann müssen wir das entsorgen", nickte der Beamte in Richtung Mülleimer. Der will wirklich das Lieblingsspielzeug eines kleinen Kindes wegwerfen, schoss es mir durch den Kopf. "Das ist eine klare Richtlinie. Auch Spielzeugwaffen dürfen nicht in die Kabine mitgenommen werden."

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Flugzeugentführung mit Lichtschwert

Mein Stiefvater, ein ehemaliger Pilot, gab sich als solcher zu erkennen und versuchte ebenfalls, den Sicherheitsmann von unserer Harmlosigkeit zu überzeugen. Doch der blieb stur. "Waffen sind an Bord verboten." Da gehe es ums Prinzip, schließlich gäbe es täuschend echt aussehende Pistolen, mit denen man auch glaubhaft Menschen bedrohen könnte. Dass es sich um Replika nicht existierender Science-Fiction-Waffen handelte, fiel da nicht ins Gewicht.

In meinem Kopf hielt mein Kleiner mit den halblangen Haaren und seinen großen braunen Augen eine panische Flugzeugbesatzung mit seinem Lichtschwert in Schach. Hätte er nicht nahe den Tränen neben mir gestanden, hätte ich darüber herzhaft lachen können. Die Lage wurde immer angespannter, wir und der Sicherheitsmann immer genervter.

Vorgesetzter statt Gedankentricks

Nach langem Hin und Her wurde endlich ein Vorgesetzter auf die sich aufheizende Diskussion an der Kontrolle aufmerksam und kam dazu. Wir schilderten kurz unsere Situation. Nach einem genervten Augenrollen in Richtung des Prinzipien-reitenden Untergeben war die Sache vom Tisch. Die Lichtschwerter landeten im Rucksack. Als hätte Obi-Wan Kenobi seinen berühmten Jedi-Gedankentrick à la "Das sind nicht die Terroristen, nach denen Sie suchen" angewandt, war plötzlich alles erledigt und wir durften unsere Reise in voller Bewaffnung fortsetzen.

In den strengen USA wäre uns das nicht passiert. In den Richtlinien der Flugsicherheitsbehörde TSA findet sich ein expliziter Verweis auf Lichtschwerter. "Leider gibt es noch nicht die passende Technologie um echte Lichtschwerter zu bauen", heißt es dort. Sie dürfen deshalb ins Handgepäck. "Möge die Macht mit euch sein", endet der Eintrag auf der offiziellen Webseite der als extrem hart geltenden Behörde. Da sage mal einer, die Kontrollen in Deutschland seien zu lasch.

Mein Sohn erinnert sich an diese "Star Wars"-Episode heute nicht mehr. Dafür ist er umso heißer darauf, den neuen Film als ersten Teil der Serie im Kino sehen zu dürfen. Nur das Lichtschwert lassen wir dann lieber Zuhause. Sicher ist sicher.