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"Nappygate": Windel wechseln – erst nach Babys Zustimmung?

Eine australische Sexualpädagogin hat sich im Fernsehen missverständlich ausgedrückt. Sie war aufgeregt. Es folgte ein Shitstorm sondergleichen, der in Todesdrohungen mündete. Dabei ging es erstmal nur ums Wickeln.

Eine Baby wird gewickelt

Eltern sollen auf die Zustimmung per Körpersprache warten, bevor sie ihre Kinder wickeln. Diese Forderung brachte der Erzieherin und Autorin Deanne Carson eine Menge Kritik ein.

Getty Images

Von Geburt an sollten Eltern ihr Kind um Zustimmung bitten, bevor sie ihm die Windeln wechseln, erklärte die Sexualpädagogin Deanne Carson im australischen Fernsehen bei "ABC News". Es sei wichtig, einen Moment zu warten, Augenkontakt herzustellen und das Kind zu fragen: "Ich werde jetzt deine Windeln wechseln, ist das okay?" Natürlich würden Babys dann nicht antworten, indem sie etwa sagten: "Klar, Mama, das ist großartig, ich möchte jetzt sehr gern gewickelt werden." Die Frage sei insofern wichtig, als dass Kinder dadurch lernten, dass nur sie allein Entscheidungen über ihren Körper treffen könnten. Die Einverständniserklärung erfolge dann durch Signale der Körpersprache. So lerne das Kind die "Kultur der Zustimmung".

Carson, Gründerin und CEO des sozialen Unternehmens Body Safety Australia, entwickelt Strategien zur Erziehung von Kindern zwischen 0 und 12 Jahren und lehrt sie in Workshops, on- und offline. Mit ihrem Ansatz will sie dem Missbrauch von Kindern vorsorgen.

Kritik und Häme waren die Folge

Dem Beitrag vom 8. Mai folgten unzählige Reaktionen, per Videonachricht sowie in Kommentaren unter dem Beitrag und bei Facebook. Wenige von ihnen sind freundlich oder gar zustimmend, die meisten Eltern machen sich lustig über "die Frau mit den pink gefärbten Haaren".

WATCH: Deanne Carson a “sexuality expert” claims that parents should get the consent of their baby before changing its nappy. #DumbLeftie

Gepostet von Politicalite am Donnerstag, 10. Mai 2018

"Ich warte immer noch auf die Zustimmung meines Kindes. Seit drei Tagen schon und überall ist shit. Ich wünschte, mein Anderthalbjähriger würde antworten. 😢 Hilfe", schrieb bespielsweise Facebook-User Corey C. Andere werfen ihr vor, offenbar selbst keine Kinder zu haben, da sie ansonsten nicht solche Ratschläge geben würde. Das sind aber noch die harmlosen Reaktionen.

Offener Hass – Carson musste offline gehen

Auf "New Matilda" erklärt Carson, warum ihr Interview eventuell missverständlich war, sodass es zum "Nappygate" kam. Zwar halte sie beruflich Reden, ein TV-Interview jedoch sein ungewohnt für sie, daher sei sie ein wenig aufgeregt gewesen. Obwohl das deutlich sichtbar ist, schlugen die Trolle online jedoch mit voller Härte zu. Carson wurde mit persönlichen Beleidigungen überhäuft, mit Angriffen und Hass. Es gipfelte darin, dass jemand schrieb, Carson gehöre erschossen. Das war der Moment, als sie entschied, dass es nun genug sei: Sie deaktivierte ihren Facebook-Account.

Deanne Carson will Kinder vor sexueller Gewalt schützen. Sie möchte starke Persönlichkeiten aus ihnen machen, die ihre Grenzen kennen und ebenso die Grenzen anderer respektieren. Bei der von ihr geforderten "Kultur der Zustimmung" geht es in erster Linie um Kommunikation, auch mit einem Baby. Und da reicht oft schon ein Lächeln.

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