HOME

Kochen: So eine Blechheit

Kochen aus Konserven? Aber nur im Notfall, wenn nichts anderes im Haus ist! Dabei sind viele Zutaten in Gläsern und Dosen gut aufgehoben. Eine Ehrenrettung der Dose in fünf schnellen, leichten Rezepten.

Rezepte & Styling: Sven Christ | Fotos: Silvio Knezevic

Seit ihrer Erfindung vor über 200 Jahren lebt die Konservendose mit dem Image der blechernen Notlösung – ewig haltbar, aber dafür von Vitaminen und Geschmacksaromen weitgehend frei. Folge: Während Kinder noch in den 70ern auf einer Diät von Dosenravioli groß wurden, ist Büchsenzeug heute tabu.

Doch so klar ist der Fall gar nicht, ergaben Labortests des Instituts für Lebensmittelqualität in Willich vor ein paar Jahren. Forscher kochten Eintopf aus frischen Supermarktzutaten und verglichen den Nährstoffgehalt mit dem von Dosenprodukten. Die Unterschiede waren winzig, zum Teil lag die Konserve sogar vorn. Auch die Ökobilanz der modernen Weißblechdosen ist besser als ihr Ruf. Denn nicht nur, dass sie eine hohe Recyclingquote vorweisen können – weil man Konserven ungekühlt lagern kann, verbessert das zusätzlich ihre Energiebilanz.

Bleibt die vielleicht entscheidende Frage: Kann Konservenkost auch gut schmecken? Der Hamburger Koch Heiko Langhans fand nirgends gute Dosensuppen, deshalb macht er seit 2010 selbst welche. Mit großem Erfolg – es geht also doch. Das zeigen auch unsere fünf Rezepte für die schnelle Küche. Frischefanatiker aber sollten vor dem Kochen eines checken: Haben Sie einen Büchsenöffner?

Die Rezepte (ergeben alle je zwei Erwachsenen- und zwei Kinderportionen):

Kichererbsen – Hummus

1 Dose Kichererbsen, 1 EL Tahini, Olivenöl 1 Zitrone, Salz, Cayennepfeffer

Als schnelles und dankbares Gericht bietet sich immer Hummus an: Die Kichererbsen abgießen und in einer Schüssel mit dem Pürierstab bearbeiten. Tahini und den Saft der Zitrone zugeben, salzen. Zum Schluss Olivenöl angießen und pürieren, bis eine sämige lockere Creme entstanden ist. Nach Geschmack mit Cayennepfeffer bestreuen und mit Brot, Oliven und einer Dose Sardinen genießen.

Sardinen – Pasta con le Sarde

250 g Spaghetti, 1 Dose Sardinen, 2 Zwiebeln, Balsamicoessig, Zucker, Salz, Öl, Kräuter (Salbei, Thymian, Rosmarin, Oregano – was gerade zur Hand ist), Parmesan

Man kann alle Zutaten jederzeit im Hause haben und denkt beim Essen auch noch an Sizilien. Dort ist das Gericht ein Klassiker. Die Spaghetti in Salzwasser bissfest kochen. Die Zwiebeln schälen und in feine Ringe oder Streifen schneiden. Etwas Öl in einer Pfanne erhitzen, einen Teelöffel Zucker und die Zwiebeln dazugeben und glasig anschwitzen. Etwas salzen und den Balsamico angießen, das Ganze so lange schmoren, bis keine Flüssigkeit mehr zu sehen ist. Die Kräuter und die Sardinenfilets zugeben und alles gut vermengen, dann mit den Spaghetti vermischen. Mit etwas Parmesan bestreuen.

Weiße Bohnen – Bohnensalat

1 Dose große weiße Bohnen, 1 große Kartoffel, 1 Stange Sellerie, Petersilie, 2 Tomaten, 1 Karotte, 1 kleine Zwiebel, weißer Essig, Olivenöl, Salz, Pfeffer

Die Kartoffel ungeschält in sehr kleine Würfel schneiden (etwa 3 Millimeter groß). Die Zwiebel in feine Ringe schneiden und mit etwas Salz und einem Schuss Essig marinieren, so verliert sie ihre Schärfe und hinterlässt keinen unangenehmen Zwiebelgeschmack. Die Kartoffelwürfel in Öl kross braten, die Bohnen abgießen und die Karotte und den Stangensellerie in feine Scheiben schneiden. Die Tomaten würfeln. Alles in einer Schüssel vermischen und mit Essig, Salz und Öl abschmecken. Zum Schluss die gehackte Petersilie dazugeben. Wenn man eine Dose Thunfisch hinzufügt, wird das Ganze sogar ein offizielles Hauptgericht ohne viel Aufwand.

Tomaten – Scheiterhaufen (italienische Art)

1 Baguette oder italienisches Weißbrot 4 Eier, 50 ml Mich, 1 Dose Tomaten (wenn möglich Marke „Mutti“), Olivenöl, 3 EL geriebenen Parmesan (oder vergleichbare Menge Mozzarella, Bergkäse o. ä.), 1 Zwiebel, Salz, Pfeffer

In Italien kennt man den Scheiterhaufen in vielen regionalen Nuancen, etwa mit Pilzen oder Speck. Das Grundrezept: Zwiebel fein würfeln und in Öl anschwitzen, die Tomaten dazugeben, salzen und pfeffern. Ca. 10 Minuten köcheln lassen. Das Brot in 1-2 Zentimeter dicke Scheiben schneiden, Eier und Milch gut verquirlen. Das Brot in der Ei-Milch-Mischung wenden und mit der Tomatensoße in einer feuerfesten Form aufschichten. Etwas Parmesan dazwischenstreuen, zum Schluss alles mit Parmesan bedecken und im Ofen bei 175 Grad für ca. 30 Minuten backen. Tolle Ergänzung: eine Dose gebackene Bohnen.

Pfirsiche – Peach Cobbler

1 Dose Pfirsiche, 300 g Mehl 250 g Butter, 100 g brauner Zucker

Peach Cobbler ist ganz einfach zu machen und sehr lecker. Butter, Mehl und Zucker zu einem Teig verarbeiten, die Pfirsiche ohne den Sirup in eine feuerfeste Form geben und den Teig wie Streusel da­rüberbröseln. Im Ofen etwa 25 Minuten lang bei 180 Grad goldbraun backen. Noch warm mit Sahne oder Vanilleeis servieren.

Gehört noch in den Vorrat:

Thunfisch
Alternativ: Sardine.Für schnelle Pastasoßen, Salate, Sandwiches. Beim Einkauf darauf achten, ob der Fang nachhaltig erfolgte. Etwa über die App „Fischratgeber“ vom WWF.

Bohnen
Lassen sich auch getrocknet gut lagern – dann müssen sie aber lange weichen. Neben weißen, die roten Kidneybohnen (Chili, Eintopf) und die gescheckten Borlottibohnen (Salat, Pasta, Minestrone).

Artischockenherzen
Frisch eine Delikatesse, die aber viel Arbeit macht. Aus der Konserve immer noch eine feine, herbe Note für Pasta. Oft sauer eingelegt, so können sie Salaten Frische verleihen.

Oliven
Grün, schwarz oder braun? Geschmackssache. Für alle Arten gilt: Erst in Salzlake eingelegt, werden Oliven genießbar. Insofern: Mal eine Delikatesse, die nur als Konserve denkbar ist.

Mais
Mag eigentlich jeder. Immer gut als knackig-süßliche Zutat für Eintöpfe, Suppen, Pasta, Omeletts und Salate. Bonus: Beim Mais lässt sich auch das aromatische Konservenwasser mitverwenden.

Maronenpüree
Ja, mindestens einmal im Herbst sollte man frische Maronen im Ofen rösten. Die Konservenvariante verfeinert Suppen und Gebäck. Das Püree lässt sich für Desserts auch luftig quirlen und mit Schlagsahne vermengen.

Kokosmilch
Verleiht herzhaften Suppen und Currys diese milde Cremigkeit. In Asia-Shops ist Kokosmilch meistens günstiger zu haben als in Supermärkten. Bonus: Auch als Basis für Smoothies und Cocktails geeignet.


Dieser Text ist in der Ausgabe 10/15 von Nido erschienen. Hier können Einzelhefte nachbestellt werden. Auf Blendle könnt ihr die Artikel außerdem einzeln kaufen.