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Magazin: Was macht Kinder glücklich?

Eltern wünschen sich für ihr Kind immer nur das Beste. Aber wie kann man diese Formel mit Leben füllen? Was ist wirklich wichtig, was unwichtig? Wir haben zwölf Experten befragt, was sie für wesentlich halten.

Texte: Caroline Heinemann, Marija Latkovic, Mareen Linnartz
Fotos: Maaike Koning

Frau Raffauf, aus Ihrer Erfahrung als Familientherapeutin: Was glauben Eltern eigentlich, was Kinder glücklich macht?

Interessanterweise gerät diese Frage bei vielen Eltern, die zu mir kommen, über die Jahre vollkommen in den Hintergrund. Viele Eltern konzentrieren sich vor allem darauf, dass ihre Kinder in ein bestimmtes Raster passen und gute Noten schreiben, sie im Arbeitsleben bestehen können, funktionieren. Diese Eltern sitzen vor mir und klagen darüber, wie respektlos ihr Kind ist, was es alles nicht kann und macht. Alle Eltern wollen, dass ihre Kinder glücklich sind. Aber manchmal vergessen sie, was dafür wichtig ist.

Und was ist dafür wichtig?

Nehmen wir die Respektlosigkeit, über die sich viele Mütter und Väter beschweren. Die rührt auch daher, dass viele Kinder sich nicht respektiert fühlen. Sie haben das Gefühl, nur ihre Leistung zählt, aber nicht, wer sie sind. Kinder verzweifeln, wenn Erwachsene von ihnen wollen, dass sie anders sind als sie sind – sportlicher, ruhiger, konzentrierter, schlauer, fröhlicher. Kinder brauchen Eltern, die an sie glauben, die ihnen immer wieder das Gefühl geben: „Du bist ein wertvoller Mensch“. Fragt man Kinder, was sie glücklich macht, kommt neben dem Wunsch, von den Eltern angenommen zu werden, immer: Freunde. Das sagen schon Kindergartenkinder. Materielle Wünsche nennen sie so gut wie nie.

Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt und doch sind laut einer UNICEF-Studie von 2013 viele Kinder unglücklich. Wie erklären Sie sich das?

Bei uns wird der Wert eines Kindes zu sehr über Leistung definiert. Zudem werden Kinder oft in Rollen gedrängt, die sie nicht ausfüllen können. Sie sollen nach einer Trennung Partnerersatz oder Hoffnungsträger geheimer Wünsche ihrer Eltern sein. Kinder spüren sehr schnell: Es geht nicht um mich, sondern um die Bedürftigkeiten meiner Eltern.

Elisabeth Raffauf ist Familientherapeutin in Köln. Sie schrieb Ratgeber über die Pubertät etwa „Das Mädchenbuch“ (Beltz-Verlag).

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