HOME

Kindheit ohne Erziehung: Raus ohne Jacke, weil es das Kind will? Wenn Eltern bewusst darauf verzichten, zu erziehen

"Unerzogen": Was sich für viele Eltern wie ein Schimpfwort anhört, ist für Fiona Lewald eine Haltung. Sie erzieht ihre zweijährige Tochter Nana nicht. So sieht das im Alltag aus.


Kindesmisshandlung in Deutschland: Ohrfeigen und Prügel sind seit 2000 verboten: Gewalt gegen Kinder in Zahlen

Erziehen: Sicher oft nicht leicht, aber notwendig oder etwa nicht? Im Leben von Fiona Lewald und Tochter Nana spielt klassische Erziehung keine Rolle, denn es gibt sie schlichtweg nicht. Nana wird nicht erzogen. Sie darf komplett selbst entscheiden, was sie will und was sie nicht will. Bevor Ihnen jetzt ein Aufschrei entfährt: Für Fiona Lewald funktioniert diese Haltung. In ihrem Blog unverbogenkindsein.de schreibt die 26-Jährige über ihren Alltag mit Nana.

Die zentrale Idee dieser Haltung ist ein gewaltfreies, gleichwürdiges Miteinander, in dem Eltern ihre Machtposition bewusst reflektieren und NICHT missbrauchen, um das Sosein ihres Kindes zu formen.

Erziehung als Machtmissbrauch? Für viele Eltern ist das sicher Humbug, denn wie soll Erziehung funktionieren, wenn Kind und Eltern gleichberechtigt sind? Muss nicht immer ein Part mehr zu sagen haben, um Entscheidungen zu treffen oder Lösungen zu finden?

Bei Familie Lewald nicht. "Wir verzichten darauf, unsere Tochter zum Beispiel durch Strafen oder Belohnung zu erwünschten Verhaltensweisen zu drängen, beziehungsweise unerwünschte Verhaltensweisen zu sanktionieren. Stattdessen finden wir Lösungen für Konflikte, die die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigen", so die Bloggerin.

Wie kann das konkret aussehen: Fiona reagiert immer situativ. Das heißt, zunächst versucht sie zu verstehen, worin Nanas Bedürfnis besteht und dieses möglichst ernst zu nehmen. Wenn Nana zum Beispiel abends noch spielen möchte und Fiona eher Ruhe braucht, versucht sie einen Kompromiss zu finden. "Wir können uns dann auf etwas einigen, mit dem wir uns entgegenkommen können. Beim Kuscheln auf der Couch zum Beispiel, tanken wir Nähe, Nana kann in einem Buch blättern und ich die Beine hochlegen. Mich stört die Anwesenheit meines Kindes beim selber Ruhe haben nicht", erklärt die Mama.

"Unerzogen" hören Eltern eigentlich nicht so gerne

"Unerzogen" hören Eltern eigentlich nicht so gerne

Erziehung - oder drüber reden?

Dazu muss erwähnt werden, dass Fiona selbst sagt, dass Nana ein Kind ist, das gut mit sich reden lässt. Dieser Ansatz würde bei einem Kind, das zu den manchmal leider typischen Wuntanfällen neigt, vielleicht nicht unbedingt ziehen. Dennoch gilt für Fiona: "Drüber reden. Ganz normal eben, wie ich das mit anderen Leuten auch tun würde." Anstatt zu verbieten oder zu schimpfen. In ihrem Fall scheint das zu funktionieren.

Natürlich, so ganz ohne Rahmenbedingungen geht es auch bei Fiona Lewald nicht. Dennoch: "Wir sprechen auf Augenhöhe über unglückliche Situationen. Wir erklären. Wir leben vor." Das heißt auch, dass Fiona Lewald eingreift, wenn es nötig ist. Es wird aber nicht geschimpft, sondern erklärt.

Das heißt konkret, dass unsere Tochter nicht tun und lassen kann, was sie will, aber wir ihre Bedürfnisse und Wünsche gleichwürdig in unser Familienleben integrieren.

Wenn Nana etwas tun will, was ihre Mutter nicht will, wird nicht verboten, sondern Fiona fragt sich, warum Nana gerade das in diesem Moment möchte und versucht eine Lösung dafür zu finden. "Anstrengend" denken jetzt sicher viele Eltern. Stimmt auch: "Erziehungsfrei ist nicht unbedingt ein einfacher Weg. Ich selbst bin erzogen worden und werde häufig mit meinen anerzogenen Verhaltensmustern konfrontiert. Dann fällt es mir schwer, eine Situation oder einen Wunsch meiner Tochter anzunehmen, weil mein erzogenes Ich sagt 'Das macht man nicht!' Oder 'Das muss aber sein!'"

Auch für Fiona war es eine Entwicklung, sich selbst an die Wünsche ihrer Tochter anzupassen. Beispiel: Jacke anziehen. Wenn Fiona schon friert, will Nana noch lange keine Jacke anziehen. Für Fiona unverständlich, aber sie akzeptiert es, dass Nana weniger schnell friert als sie selbst. Mit allen Konsequenzen. Doch auch hier gibt es Grenzen: Wenn Nana sichtbar friert, ist das die Grenze. "Da ist dann ja das Bedürfnis nach Wärme da, das ich über den Wunsch, keine Jacke zu tragen, stelle", so Fiona. In der Regel lässt sich Nana dann auch überzeugen eine Jacke anzuziehen. Der Unterschied zum Erziehen liegt nur darin, dass nicht von Vornherein gesagt wird: "Du musst eine Jacke anziehen, weil es kalt ist", sondern Nana es selbst erfährt.

Auf meiner Stirn steht nicht, dass ich nicht erziehe. Ich begleite mein Kind bei Konflikten, wie andere Eltern auch. Ich schimpfe und drohe aber dabei nicht. Häufig wird mir sogar von Fremden positiv begegnet.

Der Umgang mit dem eigenen Kind ist ein hochsensibles Thema. Aber gerade hier beäugen sich Eltern ganz genau. Wie reagiert das eigene Kind? Wie gehen Kinder untereinander miteinander um? Fiona Lewald stößt vor allem im Internet auf negative Reaktionen auf ihre "Unerzogen"-Haltung.

Im Alltag sind die Reaktionen eher positiv, weil Fiona eher auf Ruhe und Gelassenheit bei Nana setzt. Denn gerade diese muss man mitbringen, wenn man klassische "Erziehung" ablehnt. "Ein Kellner freute sich einmal darüber, dass unsere Tochter fröhlich unter unserem Tisch hockte und wir sie 'Kind sein ließen'. Hin und wieder gibt es natürlich auch Kopfschütteln oder einen bissigen Kommentar, wenn meine Tochter eben ohne Jacke neben mir herläuft, aber da stehen wir drüber. Mein Kind ist eine Frohnatur und eher ruhig, sie eckt selten irgendwo an."

Gerade im Umgang mit dem eigenen Kind gibt es viele Wege, die Eltern beschreiten können. Hier muss jede Familie ihren ganz eigenen Pfad finden. Wer offen für andere Wege ist, ist sicherlich im Vorteil und kann sich hier und da vielleicht einen Lösungsansatz für das eigene Kind abholen.

Der dänische Erziehungsexperte Jesper Juul, der unter anderem das Buch "Nein aus Liebe" geschrieben hat, gibt darin Tipps, wie und wann Eltern am besten "Nein" sagen. Wir haben Fiona gefragt, wie sie zu seinen Ansätzen steht.

Erziehung: Klares "Nein" oder doch lieber "unerzogen"?


Themen in diesem Artikel
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(