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Nintendo Labo: Basteln statt Daddeln: Nintendo will Kinder kreativ machen - mein Sohn hat es ausprobiert

Unser Sohn liebt Basteln - und Videospiele. Nintendos neues Experiment Labo soll beides können. Doch regt das wohl mutigste Produkt des Spielepioniers Kinder wirklich zu mehr Kreativität an? Wir haben es gemeinsam ausprobiert.

Wenn aus dem Zimmer unseres Sohnes eine ohrenbetäubende Stille dröhnt, dann ist eigentlich klar: Der baut oder bastelt gerade irgendwas. Ob Lego, Pappe oder Comic-Zeichnen - wenige Dinge geben unserem Neunjährigen eine größere Befriedigung, als mit den Händen etwas zu erschaffen. Außer vielleicht Fußball. Denn natürlich will er irgendwann Profi werden. Die Alternativpläne sind dann aber wieder schaffend: Ingenieur, Produktdesigner oder  -Entwickler stehen für ihn ganz oben bei den Berufswünschen.

Kein Wunder, dass der Vorschlag, Nintendos neues Produkt Labo auf einem Testevent auszuprobieren, bei ihm wie eine Bombe einschlug. Nintendo hat sich damit auf ganz neues Terrain gewagt und mischt klassische Bastelbögen mit der aktuellen Spielekonsole Switch (Hier von uns getestet). Die hat bei uns Zuhause selbst Netflix als Lieblingsmedium vom Thron gestoßen. Und das dann kombiniert mit Basteln? Schon als ich ihm erkläre, was hinter Labo steckt, sprudeln Ideen aus ihm heraus, was er alles mit der Pappe kreieren will. Doch kann Labo wirklich die Fantasie anregen?

Basteln statt Daddeln

Auf dem Event angekommen, ist erstmal quirlige Aufregung angesagt. Die angebotenen Zuckergetränke helfen da nicht. Einmal am Basteltisch herrscht aber volle Konzentration. Es gilt, eine Art Rennauto aus dem Pappbogen zu falten. Die durchaus komplexe Anleitung dazu gibt es direkt auf dem Display der , die Schritte werden im Detail und 3D-animiert, gut verständlich erklärt. Kreativ ist das aber noch nicht. Eher eine smart präsentierte Lego- oder Ikea-Anleitung. Reine Fleißarbeit.

Doch dann steht das Grundgerüst - und mein Sohn dreht auf. regt ausdrücklich dazu an, jetzt kreativ zu werden, legt dem Autoset auch optionales Zubehör wie Spoiler, Katzen- und Elefantengesichter bei. Mit Klebeband, Stiften, Stickern und allerlei Deko-Gedöns soll das Fahrzeug zum Unikat werden. Eine geduldig verklebte Rolle blaues Tape, zwei Kulleraugen, zwei zur Brille umfunktionierte Pfeifenreiniger und eine Blume später, sitzt ein kleiner, blauer Elefant auf dem Tisch. Neben den Katzen, Monstertrucks, glitzernden Rennwagen und so weiter. Tatsächlich: Kein einziges Fahrzeug ähnelt dem anderen. Mein Kleiner und die anderen Kinder im Raum sind stolz. Und konnten sich wirklich kreativ austoben.

Was sie mit den Fahrzeugen dann anstellen können, ist wieder Videospiel. Dank der Vibration der in die Seiten gesteckten Controller wackeln die Fahrzeuge durch einen vorbereiteten Papp-Parkour, andere treten in einer Arena zum Ringkampf an. Die Steuerung erfolgt jeweils über den Touchscreen einer Switch. Eine tolle Kombination aus Technik und Gebasteltem, die nicht nur bei den Kindern für Begeisterung sorgt.

 

Am Ende ist Labo ein Videospiel

Nachdem mein Sohn, die Naschkatze, sich beim Buffet mit Miniburgern und Fanta versorgt hat - man muss die seltene Gelegenheit ja nutzen - geht es in den nächsten Bereich. Hier warten die komplexeren Sets. Das Basteln muss sich erst einmal hinten anstellen: Nintendo hat alle Sets fertig spielbereit aufgebaut - und die Kids stürzen sich darauf. Cruisen mit dem Pappmotorad, klimpern auf dem Klavier und steuern per Bastelrucksack mit den eigenen Bewegungen einen gigantischen Roboter auf dem Bildschirm. Das ist technisch beeindruckend und wirklich kreativ - aber nur von den Köpfen bei Nintendo. Die konsumieren ausschließlich.

An Tischen können glücklicherweise auch die Sets zusammengesetzt werden. Nintendo bietet ein Fünferpack mit dem schon gebauten Auto, einer Angel, einem Motorrad, einem funktionierenden Piano und einem Experimentierhaus sowie ein eigenes, besonders komplexes Set für den Roboter. Mit Ausnahme des Autos verlangen die Sets mindestens eine Stunde Bastelzeit, der Roboter dürfte gar drei bis vier Stunden brauchen.


Mit Pappe geangelt

Nach langem Schwanken entscheiden wir uns für die Angel. Für meinen Kleinen ist das Abarbeiten der langen Bauanleitung echte Arbeit, nur mit Hilfe kommt er am Ende doch noch ans Ziel. Zuhause würde man wohl einfach eine oder mehrere Pause einlegen. Zum Verzieren kommen wir gar nicht mehr. Die letzte Zeit geht dafür drauf, sämtliche Videospiele zu den Pappgeräten auszuprobieren. Vor allem das Angeln und natürlich der Superroboter begeistern.

Am Ende ist mein Bastler erschöpft, aber glücklich. Wirklich kreativ austoben konnte er sich zwar nur bei der Verzierung des Fahrzeugs. Das Zusammenbauen und vor allem das Spielen mit den anderen Gerätschaften hat ihm aber jede Menge Spaß gebracht. Realistisch muss man wohl sagen, dass auch nach Verkaufsstart die wenigste Zeit für Kreatives genutzt werden wird - und viel mehr mit dem Gebastelten gezockt werden dürfte. Das gibt aber immer noch mehr Raum für Kreativität, als die meisten Videospiele zu bieten haben.

Uns hat es jedenfalls gefallen. Als wir gehen, schauen mich strahlende Augen an. "Papa, kannst du mich öfter mit auf so Events nehmen?"