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Unterwegs: Backpacken mit Kind – geht das?

Segeltörn, Bergtour, Backpacken mit Kind - Experten erklären, wie es geht. Und, dass es geht!

Ohne Windelvorrat, ohne Familienhotels, ohne Multivan und ohne die ständige Frage: ist das auch sicher? Vielleicht ist reisen mit Familie gar nicht so kompliziert, wie wir oft denken. Hier kommen Experten zu Wort, die mit ihren Familien Abenteuer erleben: Sie segeln, klettern und ziehen auf eigene Faust los.

Teil 3 unserer Serie: Renate Loose (61) und Stefan Loose gründeten 1978 ihre Reiseführer-Reihe für Individualreisende. Sie haben einen erwachsenen Sohn.

Wie alt war Ihr Sohn auf seiner ersten Rucksackreise?

Mischa war achtzehn Monate alt, als wir mit ihm vier Monate durch Malaysia und Bali gereist sind. Das sorgte in unserem Umfeld für großes Unverständnis, vor dreißig Jahren waren solche Reisen noch nicht so üblich wie heute. Aber wir waren dann jedes Jahr mit ihm unterwegs.

Backpacken war damals noch ganz anders als heute. Was waren die größten Herausforderungen?

Die langen Busfahrten, Schiffsreisen oder Wanderungen waren gerade in Indonesien anstrengend. Dass ein Kind einen eigenen Platz braucht, hat niemand verstanden. Also hatten wir Mischa immer auf dem Schoß. Windeln gab es auch nicht an jeder Ecke, er bekam nur nachts Einlagenwindeln, die wir mitgenommen hatten. Tagsüber war er ohne, wie die einheimischen Kinder eben auch. Bei unserer ersten Reise waren wir verunsichert, was die Hygiene anging. Kinder stecken sich ja immer den Finger in den Mund. Aber er war nie häufiger krank als daheim. Und in Gebieten mit Malariagefahr habe ich ihn in ein Moskitonetz mit Boden gelegt, das ich extra genäht hatte, damit er sich nachts nicht rausstrampelt.

Wie war das mit dem Essen?

Das war natürlich ungewohnt. Er hatte eine Phase, wie wohl alle Kinder, da hat ihm nichts geschmeckt. Dann hat er ein paar Tage nur Krabbenchips und Bananen gegessen. Ansonsten war er unkompliziert, von klein auf war Sushi sein Lieblingsessen.

Das klingt alles so entspannt, gab es auch Extremsituationen?

Er war drei Jahre alt, da ging er im Nationalmuseum in Jakarta verloren. Wir sind aufgeregt hin- und hergelaufen, dabei saß er friedlich am Eingang neben dem Ticketverkäufer und hat mit ihm zu Mittag gegessen. Und in den Mulu-Höhlen auf Borneo ist ein Guide mit ihm Huckepack eine zehn Meter tiefe Wand nach unten geklettert, heute dürfen nur erfahrene Kletterer runter.

Ihr Rat an Backpacker-Familien?

Nicht zu viel einpacken, man bekommt heute fast überall all das, was man braucht. Mischa war froh, dass er seinen eigenen kleinen Rucksack mit Spielzeug hatte. Und ich hätte mich damals gern mit anderen Familien zusammengetan.


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