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Wohnen: Von Einrichtungsprofis lernen

Das Berliner Innenarchitekturbüro Planen pro qm beschäftigt sich seit 2003 mit verschiedenen Problemlösungen rund um die vier Wände. Uns stehen die Einrichtungsexperten ab jetzt regelmäßig zur Seite und beantworten all Ihre Fragen zum Thema Wohnen.

Jeden Winkel nutzen: Maßangefertigte Einbauten wie diese holzverkleidete Nische mit Sitzbank und mehreren Regalen bieten Stauraum und sind gleichzeitig gemütliche Leseecke in einem

Fotos: Bieke Claessens (living4media) | Joerg Lehmann (living4media) | Oeuf | Ferm Living | Car Möbel | Mimi’lou | Oliver Furniture

„Wir haben zwei Zimmer und drei Kinder. Die beiden Jungs sind im einen Zimmer und das Mädchen im anderen. Als Gemeinschaftsraum haben wir ein Spielzimmer. Hierfür brauchen wir mehr Stauraum. Das Zimmer soll gemütlich und praktisch zugleich sein.“

Die erste Frage, die sich stellt, ist: Wie alt sind die Kinder beziehungsweise wie groß sind sie? Bei älteren Kindern könntet ihr die Ecken und die Höhe besser ausnutzen durch Schränke – anstatt einer flachen Truhe, einer Kommode oder eines kleinen Kindertisches. Alternativ ließen sich Einbaulösungen individuell eurem Geschmack anpassen – je nachdem, wie viel „Luftigkeit“ in der Raumwirkung im Verhältnis zum geschaffenen Stauraum sein soll. Noch einmal zur Frage nach dem Alter der Kinder: Bei kleinen Kindern (ca. eins bis drei Jahre) sind Podeste aus Holz (optional auch mit Auslegeware bedeckt) eine tolle Lösung. So wird gleichzeitig Ablage- und Spielfläche geschaffen – direkt darunter in den Schubladen lässt sich alles sofort und praktisch verstauen. Der Platz wird also doppelt genutzt: Spielfläche und Stauraum in einem.


„Wie können wir ein 12 qm großes Zimmer, um das unvermeidbare Hochbett herum planen und zudem mit Textilien variable Einzelbereiche schaffen, beispielsweise für einen Leseplatz, eine Umkleidekabine für Verkleidungsspiele oder auch mal für einen Bereich mit Spielzeug, das nicht weggeräumt werden muss?“

Kinderzimmer sind meist nicht die größten Räume in der Wohnung. Variable Einzelbereiche mit Textilien kannst Du ganz einfach schaffen: In Einrichtungs- und Baumärkten gibt es für wenige Euro Seilspannsysteme für Gardinen. Ebenso kann man dort Stoffe in allen erdenklichen schönen Mustern und Farben kaufen. Das Material auf einer Seite umnähen, sodass ein Tunnel entsteht und der Stoff sich so auf das Spannseil fädeln lässt: Et voilà – fertig ist der variable Raumteiler für Umkleidekabine, Theaterauftritt und Co. Für Bereiche, wo auch mal länger was stehen bleiben darf, bieten sich natürlich Ecken jenseits der elterlichen Trampelpfade an. Zum Beispiel unter dem Hochbett? In der Tat sind sie mittlerweile so beliebt, weil Kinderzimmer oft nicht die größten Räume in der Wohnung und Hochbetten platzsparend sind. Eine tolle und preisgünstige Möglichkeit, Raum im Kinderzimmer zu schaffen, ist auch, den normalen Kleiderschrank wegzulassen. Stattdessen lässt sich ein (Hoch-)Bett in Eigenbau errichten, das Platz für die Kleidung des Kindes bietet. Man nehme ganz einfache Küchenunterbauschränke und installiere hierauf die Schlaffläche für das Kind (Anm. d. Red. Am besten ein Lattenrost mit festem Rahmen darauf montieren). Zusammengelegte Wäsche passt ganz normal in die Fächer. Für Jacken etc. lässt sich eine Kleiderstange einbauen. Kinderjacken sind ja nicht so lang, sodass sie in einen Unterbauschrank mit 85 cm Höhe bequem hineinpassen.

Investment: Oben wird geträumt, unten gespielt, sich verkleidet oder tagelang an der Ritterburg gebastelt. Halbhohes Kinderbett aus massiven Birken- und Eichenholz mit Vorhang-Set von Oliver Furniture, ab 1438, über romy-kindermoebel.de


„Muss ich immer alle Kindermöbel neu kaufen?“

Natürlich nicht. Sicher sind hin und wieder größere Anschaffungen nötig, aber dennoch muss nicht immer alles komplett neu gekauft werden. Tolle Inspirationen dafür sieht man zuhauf auf Pinterest und Instagram. Mit etwas Kreativität und handwerklichem Geschick lassen sich ausrangierte Dinge in schöne neue Möbelstücke verwandeln und Kinder haben erfahrungsgemäß sehr viel Spaß dabei mitzumachen. Nehmen Sie zum Beispiel eine ausrangierte Kommode oder ein Nachtschränkchen und arbeiten Sie es gemeinsam mit Ihren Kindern auf. Mit einem neuen Anstrich oder auch einer ausgefallenen Bemalung können sehr phantasievolle Objekte entstehen, die zu echten Liebhaberstücken werden. Dadurch, dass der Nachwuchs mitgewirkt hat, sind sie natürlich besonders stolz darauf. Und was könnte besser dem eigenen Geschmack entsprechen als das, was man selbst gemacht hat?

Wem das Aufarbeiten zu aufwendig ist, der kann auch ein schönes und erschwingliches Möbel im Antik-Look besorgen und dieses dann mit dem Nachwuchs kreativ zum Lieblingsstück werden lassen. Nachtschränkchen von Car Möbel, 119 Euro.


„Wie bringe ich meine Kinder zum Aufräumen?“

Aufräumen? Das wird ihr Kind erst einmal nur mit Ihnen zusammen. Beginnen Sie also damit, das Kinderzimmer so zu gestalten, dass es vor allem für Sie selbst logisch ist, wie und wo Spielzeuge oder Malsachen einsortiert werden. Damit geben Sie Strukturen vor. Räumen Sie dann erst mit den Kindern zusammen auf. Die Kleinen lernen, wie es geht, indem Sie es Ihnen nachmachen. Äußerst hilfreich ist es, Kisten, Schubladen und Schranktüren mit Farben oder Bildchen zu kennzeichnen. Dazu eignen sich Farbpunkte, Symbole oder einfach Piktogramme mit hohem Wiedererkennungswert. Während des gemeinsamen Aufräumens, das Sie mehrmals wiederholen sollten, begreift Ihr Kind die Verknüpfung, welches Ding denn nun in welche gekennzeichnete Ablage kommt, laufend besser. Entscheiden Sie gemeinsam, wo welche Spielzeuge hineinsollen. Wenn Kinder mitentscheiden dürfen, sind sie nämlich gleich viel motivierter.

Verspielt und hilfreich: Neben schönen Sternenstickern, eignen sich auch bunte Stoffe wunderbar zur schnellen Kennzeichnung von Körben, Schranktüren und Schubladen. Sticker von Mimi’lou, 12,50 Euro.


„Unser Flur ist schmal und lang (1,30 m breit und ca. 8 m lang). Wie können wir ihn am besten nutzen?“

Bei sehr hohen Deckenhöhen ist es überlegenswert, Zwischenböden einzuziehen: Zum einen lässt sich so viel wertvoller Stauraum gewinnen (für Koffer, Reisetaschen, Schlafsäcke etc.) und zum anderen wirkt der Flur dann optisch nicht mehr ganz so schmal. Als Beleuchtung können darunter dann Einbauspots installiert werden. Alternativ zu einem durchgehenden Zwischenboden können auch einzelne Regalkästen von der Decke herabgesetzt werden. Mit Türen verkleidet, entsteht auch hier viel Stauraum. Werden die Türen farblich abgesetzt, zusätzlich schmale Wandborde installiert und die Garderobe am Ende des Flures eingebaut, wirkt der Flur optisch auch kürzer.


„Wir haben drei Kinder (Tochter 10, Sohn 7, Sohn 1), aber nur zwei Kinderzimmer. Unser Kleinster schläft noch im Elternschlafzimmer. Er soll bald umziehen in eins der Kinderzimmer. Unsere große Tochter würde gern mit ihm ein Zimmer teilen. Finden wir auch prima, die beiden sollen also das größere der beiden Kinderzimmer bekommen, es hat ca. 15 qm. Nun überlegen wir: Mit welchen Mitteln können wir das Zimmer dafür ausrüsten? Wir wollen Rückzugsmöglichkeiten schaffen, würden auch etwas Geld ausgeben – aber natürlich müsste alles noch mal rückbaubar oder umgestaltbar sein? Gibt es Beispiele, die uns inspirieren können?“

Bei einem Mädchen im Alter von zehn Jahren und einem Jungen im Alter von einem Jahr ist der Altersabstand natürlich sehr groß. Wichtigste Voraussetzung ist, dass es von beiden Kindern so gewollt ist und beide sich gut verstehen – damit in dieser Hinsicht dem gemeinsamen Wohnen in einem Zimmer nichts im Wege steht. Gleichwohl ist dieses Vorhaben von der Einrichtungsseite her sehr anspruchsvoll: Durch ihre unterschiedliche Entwicklung haben beide Kinder ganz andere Ansprüche an die Funktionen, die das Zimmer erfüllen soll. Das Mädchen zum Beispiel braucht einen Schreibtisch für die Hausaufgaben und Ablagemöglichkeiten für ihre Schulsachen. Der Junge wiederum benötigt einen Platz zum Wickeln, Platz auf dem Boden zum Krabbeln, Spielen und Laufenlernen. Um all das auf 15 qm unterzubringen, bietet es sich daher an, ein Hochbett in das Zimmer zu stellen, in dem das große Mädchen oben schläft. Darunter lässt sich dann das Kinderbettchen für den Jungen stellen. Später könnte es zu einem normalen Doppelstockbett umfunktioniert werden. Viele Hochbetten, die es so zu kaufen gibt, haben auch schon andere Nutzungsvarianten integriert: So lassen sich im unteren Bereich beispielsweise durch angebrachte Vorhänge Rückzugsmöglichkeiten schaffen. Dazugehörige Rutschen, Kletterstangen oder Sprossenwände als Leitern fördern die Bewegung. Alternativ lassen sich Rückzugsmöglichkeiten auch mit einfachen Mitteln und wenig Geld in einer Ecke des Zimmers errichten, in die man ein Stück Schaumstoff oder eine kleine Matratze legt. An der Wand darüber spannt man ein Stück Stoff, das an drei Punkten an der Wand befestigt wird und sozusagen ein schützendes Dach bildet. An der Vorderseite (an der Schnur) kann auch Stoff herunterhängen, mit dem man die „Höhle“ verschließen kann.

Kündigt sich ein neues Geschwisterchen an, stellt man einfach ein Babybett z.B. unter das Hochbett des nachhaltig produzierenden Labels Oeuf.


„Wie viel Entscheidungsmacht sollte ich meinem Kind zu bei der Gestaltung seines Kinder- oder Jugendzimmers einräumen?“

Wichtigster Punkt ist hier das Alter, beziehungsweise der Entwicklungsstand des Kindes. Grundsätzlich sollten das Kind und seine Wünsche mit einbezogen werden. Es nützt niemandem, auch den Eltern nicht, wenn das Zimmer fertig ist und es dem Sohn oder der Tochter nicht gefällt. Sprechen Sie also im Vorfeld mit Ihrem Kind und nehmen Sie seine Vorstellungen ernst. Hören Sie aber gleichzeitig auch auf Ihr Bauchgefühl: Bleibt das Kind in seinen Vorstellungen konsistent oder hat es jeden Tag komplett andere Wünsche? In letzterem Fall sollten Sie dann stärker steuernd eingreifen.

Bei Teenagern in der Pubertät können Sie Ihrem Kind ruhig sehr viel Autonomie zugestehen – diese Entwicklungsphase soll ja gerade auf ein eigenständiges Dasein vorbereiten. Gerade deswegen sollte man als Eltern dann auch mit einer Wandfarbe im Zimmer seines Teeanagers leben können, in der man vielleicht so nicht das Wohnzimmer streichen würde.

Das Design-Team von Ferm Living trifft den Geschmack von Eltern und Kind


„Wir planen gerade unser neues Kinderzimmer: Ich will Parkett, mein Mann Teppichboden. Was empfehlen Sie?“

Sowohl ein Vollholzboden als auch ein Teppichboden, sofern er aus Naturfasern ist, sind keine schlechte Wahl für ein Kinderzimmer. Beide Bodenbelagsarten sind sehr natürlich und geben keine synthetischen Schadstoffe an die Raumluft ab. Auch optisch machen beide etwas „her“. Sind die Kinder aber noch in einem Alter, wo sie viel auf dem Boden spielen, hat der Teppichboden eindeutig die Nase vorn.

Auch ist eine Kombination aus beidem denkbar, wenn z.B. im Raum Parkett verlegt ist (am besten offenporig, sodass das Holz „atmen“ und sich die Luftfeuchtigkeit im Raum regulieren kann) und in dem Bereich, wo das Kind hauptsächlich spielt, ein großer Teppich liegt. Beim Krabbeln, Knien und Hocken ist Teppichboden weicher für die Gelenke, fühlt sich wärmer an und dämmt Schall besonders gut.

Wie bereits erwähnt, wirken Teppiche aus Naturfasern wie Wolle auch sehr positiv auf das Raumklima: Sie geben keine Schadstoffe wie Synthetikböden ab, wirken antistatisch und binden Feinstaub aus der Luft. Studien des ehemaligen Deutschen Wollforschungsinstitutes (jetzt Leibniz-Institut für Interaktive Materialien), des 
Deutschen Teppichforschungsinsitituts, sowie 
des eco-Umweltinstituts Köln zeigen auch, dass sie Formaldehyd aus der Raumluft wie ein Katalysator abbauen. Entgegen der landläufigen Meinung sind sie schmutzabweisend und durch das natürliche Wollfett sehr pflegeleicht. Je nach Webtechnik des Herstellers bleiben auch Legosteine und andere Bauwerke standsicher stehen. Außerdem gibt es sie in vielen schönen Farben für das Kinderzimmer.

Aber Teppichboden ist nicht gleich Teppichboden – die Qualität lässt sich beispielsweise anhand verschiedener Siegel einschätzen. Vor allem ist hier das GUT-Siegel der „Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden“ zu nennen, welches umweltfreundliche Teppichböden kennzeichnet, die auf Schadstoffe, Gerüche und Emissionen überprüft wurden. Daneben prüfen u. a. auch das Eco-Institut, der TÜV-Nord oder der „Blaue Engel“ Teppichböden. Letztlich sollte man sich vor dem Kauf genau informieren und wissen, dass gute Qualität auch einen gewissen Preis wert ist.

Das dänische Label stellt außerdem schöne Teppiche her


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