Schließen
Menü
starmax

Suizid: Mutig oder Feige?

Aus gegebenem Anlaß diskutieren wir hier den überraschenden Freitod eines Bekannten (66 Jahre, gesund). Er hat die "Ferrero-Nummer" gemacht. Ich hätte es ihm nicht zugetraut. Kann jemand etwas dazu sagen?
Frage Nummer 7630

Weitere Gutscheine: DJI, reichelt Gutschein

Antworten (18)
Klabautermann
Starmax, ich glaube, dass es keine gute Idee ist, das hier zu diskutieren.
starmax
Als Tabu kann ich es eigentlich nicht sehen, Lebensrealität beinhaltet auch die - imho zulässige - Möglichkeit des "Hinschmeißens". Mich - und andere - treibt hier nur um, ob es Mut erfordert, Mut der Verzweiflung war oder Kurzschlußhandlung. Motiv ist nicht erkennbar, Finanzprobleme jeden Falls nicht.
Die Selbstmordrate ist übrigens in D/Europa nur hab so hoch wie in Rußland und China...
Klabautermann
Ihre Frage, ob es Mut oder eine Kurzschlusshandlung war, wird hier nicht geklärt werden, da die Diskussion auf Spekulationen aufbauen wird.
starmax
Wollte es auch nur allgemein, nicht am Einzelfall, erörtert wissen. Und: Auch Atomkraft und anderes wird als Spekulation diskutiert -cdas haben hypothtische Fragen so an sich

Und jetzt , ganz aktuell und real: "Der frühere Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch (83) und seine Frau sind tot. Näheres wurde nicht bekannt."
Klabautermann
Ich verstehe die Argumentation nicht. Sie wollen allgemein erörtern, ob es bei dem Freitod Ihres Bekannten Mut der Verzweiflung war oder eine Kurzschlusshandlung. Und das mit Diskussionsteilnehmern, die Ihren Bekannten vermutlich nicht gekannt haben.
So, wie bei von Brauchitsch ist es richtig. Näheres wird nicht bekanntgegeben. Spekulationen wird es ohnehin in diesem Fall geben.
Mal sehen, was hier daraus wird.
Musca
ich weiß nicht was die "Ferrero-Nummer" ist, aber Freitod ist für mich reine Agression, gegenüber den Nächsten, um ihnen endgültig eines auszuwischen, und jeder weiteren Kritik auszuweichen, insofern also auch feige.
Musca
jedoch, ich möchte mich revidieren, im Falle einer unheilbaren Krankheit, welche ja wohl nicht vorlag, könnte ich mir das auch überlegen. Vor wenigen Tagen verstarb ein guter Schulkamerad von mir nach jahrelangem Leiden an Darmkrebs. So eine Leidensgeschichte möchte ich nicht mitmachen
sininen
Wenn jemand einen Selbstmord versucht, in der Absicht, ihn durchzuziehen, dann macht er das meist nicht per Kalkül. Ein Selbsmord(versuch) ist eine hoch emotionale Angelegenheit. Bin selber mal in der Situation gewesen und kann nur sagen, in meinem Kopf war nur der dringende Wille, mein Leben zu beenden. Es kam mir wie eine endlich gefundene, richtige Lösung vor. Mut war da nicht im Spiel. Feigheit schon gewissermaszen. Vor allem aber die unendliche Müdigkeit und Hilflosigkeit, zusammen mit einem erdrückenden Gefühl von Hoffnungslosigkeit. Keine Fanfaren. Eher ein Drang. Habe glücklicherweise noch die Notbremse ziehen können und bin heute sehr glücklich, am Leben zu sein. Mut braucht man m.E. logischerweise dann, wenn man vor etwas Angst hat (und diese dann mutig überwindet). Das gefährliche an einer Selbstmordabsicht ist aber jegliches Fehlen von Angst vor dem Tod. Sicherlich kann es bei Ihrem Bekannten anders gewesen sein. Aber bei mir war es so.
Musca
meinen Respekt vor dieser Antwort, Sininen
sininen
Danke Musca! :-)
Letztlich hat es mich dahin geführt, dass ich das Leben mehr liebe als je zuvor. Erst später ist mir quasi "wieder eingefallen", was ich damit meinen Angehörigen antue. Jetzt habe ich Kinder und bin manchmal ganz bedrückt wenn ich daran denke, dass es diese Menschen um ein Haar nie gegeben hätte.
Ich finde einfach, man sollte Selbstmord nicht so mystifizieren als mutige Tat. Es ist (auch wenn ich es an anderer Stelle als feige bezeichnet habe) nicht sonderlich feige. Es ist einfach (oft) Zeichen unerträglicher Verzweiflung.
sininen
Haha, das ist oben SEHR missverständlich :-D, mir ist natürlich erst später eingefallen, was ich meinen Angehörigen mit meinem Selbstmord angetan hätte... Deutsch ist schon eine schwere Sprache ;-D
starmax
Ebenfalls meinen hohen Respekt - und Dank! - vor der Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit hier

Finde meine vage Vermutung zum Hintergrund der Frage bestätigt ( btw:Ferrero-Nummer=Er gab sich die Kugel...) Also kein Mut, sondern eher eine vermutete Ausweglosigkeit - die man bei Überleben als momentane "Dummheit" erkennen kann.

Danke nochmals allen.
Heraklit1970
Jemand der Selbstmord begeht (und nicht einfach erfolglos probiert) stellt sich die Frage nach "Mut" oder "Feigheit" nicht. Derjenige sieht keine anderen Alternativen, als einen totalen Schlussstrich zu ziehen.
Heraklit1970
...Üüüüübrigens:
Aus gegebenem Anlass: meinen Sie, Ihr (Ex)Bekannter hätte gewollt, dass sein Schicksal so Öffentlich diskutiert wird?
starmax
Wie Sie einen Beitrag vorher selbst behaupten, wird es ihm auch egal gewesen sein, ob er hier Anlaß zu einer allgemeinen Erörterung seines Verhaltens dient. Von Ihnen kommt hier übrigens nur Dünnes, verglichen mit den gehaltvollen Aussagen anderer hier - so mein persönlicher Eindruck.
Klabautermann
So, wir wissen also jetzt:

Der Freitod eines Bekannten von starmax war reine Aggression und feige (Version von Musca), mutig (Version von Logan5) oder weder mutig noch feige (Version von sininen).

Sininen und Heraklitt1970 haben das meines Erachtens richtig dargestellt, denn Mut oder Feigheit sind hier die falschen Kategorien. Schwere Depressionen verlaufen in vielen Fällen tödlich und sind auch nur schwer zu behandeln. In vielen Fällen werden sie auch nicht oder zu spät erkannt, denn die Betroffenen versuchen, ihre Probleme zu verbergen. Da gibt es krankheitsbedingt eben nur eine stark eingeschränkte Entscheidungsfreiheit. Und wie Sininen ganz richtig schreibt, ist eine Tatsache, dass der Suizid von nahen Angehörigen oft zerstörte Familien zurückläßt. Das kann die oder der Kranke allerdings nicht reflektieren.

Seid toleranter gegenüber anderen Meinungen.
starmax
Danke, Klabautermann, für Ihre gute Zusammenfassung. Das Thema hat Ihnen als auch etwas "gegeben". Darf ich hinzufügen, daß es meiner Meinungnoch so etwas wie einen kalkulierten, also rationalen (und depressionsfreien) Selbstmord geben muß; und den würde ich als mutig bezeichnen.
Es zeigte sich übrigens jetzt, daß auch zwei ältere Bekannte von mir medikamentös verursacht , ebenfalls unter Depressionsschüben leiden, bis hin zu solchen Freitodüberlegungen. Dem einen hilft sofortiger, zeitweiliger Ortswechsel, wie er herausgefunden hat.
Klabautermann
Es ist sicher schwer, hier ein Ende zu finden. Schon die häufig benutzten Begriffe sind ein Problem. Meines Erachtens gibt es keinen "Selbstmord". Der Begriff ist von christlichen Religionsgemeinschaften geprägt, die ihren "Schäfchen" das Recht auf Suizid absprechen wollen. Wie auch der Begriff "Im Krieg gefallen" das Leid und Elend im Krieg herabspielen will. Man sollte mit diesen Begriffen vorsichtig umgehen.
Aber, da stimme ich zu, es gibt sicher auch Suizide, die nicht durch Depressionen ausgelöst werden. Ob das aber mutig ist, weiß ich nicht, wenn die Alternative wäre, auf lange Zeiten unerträgliche Schmerzen ertragen zu müssen.
Diese Motivation für einen Freitod geht dann gleich fließend in das Thema "Sterbehilfe" über.