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Hilfsprojekt in Brasilien: "Ich möchte mal ohne Schüsse aufwachen": Davon träumen Kinder in Rios Armenviertel Vidigal

Auf dass Träume wahr werden: stern-Leser helfen Kindern in einem Armenviertel von Rio de Janeiro, wo wieder der Drogenkrieg tobt. Was bringen die Spenden? Ein Ortsbesuch.

Antônio de Aleluia, der mit seiner Frau Dona Elma "Ser Alzira de Aleluia" leitet, mit Duda und Biel

Antônio de Aleluia leitet mit seiner Frau Dona Elma die Hilfsorganisation "Ser Alzira de Aleluia". Kinder wie die zehnjährige Duda und der neunjährige Biel sind hier sicher. Auch vor dem Drogenkrieg, der wieder in der Favela tobt.

stern

Die neunjährige Milena hat einen Traum, schon seit sie drei ist. Sie will Ballerina werden, so wie sie es in einem Film sah. Aber Ballett in einer Favela? Mit armen Eltern ohne festen Job? Und in diesen Jahren der schweren Krise?

Auch Biel, 9, hat einen Traum. Er würde gern Capoeira lernen, den afrobrasilianischen Kampfsport. Und einmal richtig Fußball spielen mit echten Toren und Netzen und einem Trainer.

Und auch Duda, 10, aufgewachsen ohne Eltern bei der Oma, hat einen großen Traum. Sie will Englisch lernen. Und Informatik an einem richtigen Computer, den es in ihrer kleinen Hütte nicht gibt. Aber der größte Wunsch der drei Freunde ist derzeit ein anderer: keine Schüsse mehr. Keinen Drogenkrieg in ihrer Favela Vidigal.

Bei "Ser Alzira de Aleluia" sind die Kinder in Sicherheit

Es ist ein stürmischer Montag im brasilianischen Spätsommer. Die drei Freunde spielen Karten hinter den schützenden Mauern der Hilfsorganisation "Ser Alzira de Aleluia". Der Tag in Vidigal hat mal wieder mit Schießereien begonnen, und die Kinder kennen die Unterschiede nur zu gut: Da sind die Salven der Drogengangs, oft aus AR-15-Gewehren. Und die Schüsse der Polizei, oft aus Schnellfeuerwaffen. Und zwischendurch Kanonenschläge, mit denen Späher – meist so alt wie sie selbst – vor den Razzien der Polizei warnen.

Ein ganz normaler Morgen in Vidigal, einem von 1200 Armenvierteln in der Zwölf-Millionen-Metropole Rio de Janeiro.

"Wir sind Schießereien gewohnt", sagt Duda. "Seit zwei Jahren nun schon."

"Wir legen uns auf den Boden und hinter Mauern", erklärt fachmännisch der kleine Biel.

"Aufpassen muss man besonders vor Querschlägern", rät Milena.

In den Räumen der Organisation Ser sind die Freunde in Sicherheit. Sie kommen her, um zu lernen und ihre großen Träume zu verwirklichen. Es gibt kostenlose Kurse für Englisch, Informatik, Tanzen. Es gibt sogar ein Ballettstudio, eine Bibliothek und einen eigenen Sportplatz, dessen hohe Mauern ein Künstler aus den Niederlanden bunt bemalt hat.

Für 122 Kinder ist das dreistöckige Gebäude am Berg wie ein zweites Zuhause – vor allem dann, wenn das Spielen auf der Straße wieder mal zu gefährlich ist oder der Schulunterricht ausfällt. Und sie zahlen keinen Centavo dafür. Die Eltern könnten es sich auch nicht leisten.

Ser ist so etwas wie ein Ausbildungszentrum der Favela. Und Schutzbunker. Und Gemeindehaus. Ein Ort, wo Kinderträume Wirklichkeit werden.

"Bildung ist der einzige Weg aus der Armut"

Wenn alles gut geht, soll es bei den dreien später im Leben so verlaufen wie bei Antônio de Aleluia, 68, dem Gründer von Ser. Angetrieben einst von seiner Großmutter Alzira de Aleluia, einer Analphabetin, schaffte er als erster Schwarzer aus Vidigal den Sprung an die Uni und wurde Professor für Ingenieurwissenschaften.

Milena, 9, will Ballerina werden, in den Räumen der Ser gibt es auch ein Ballettstudio

Milena, 9, will Ballerina werden, in den Räumen der Ser gibt es auch ein Ballettstudio. Aber natürlich lernt sie auch für die Schule.

"Jetzt wollen wir das Gleiche für alle Kinder Vidigals", sagt er. "Bildung ist der einzige Weg aus der Armut. Und das beste Mittel gegen Gewalt. Wer viel lernt und auf die Uni geht, wird nie bei den Gangs einsteigen."

Aleluia steht zwischen schweren Zementsäcken am felsigen Hang. Er baut hier gerade ein Heimatmuseum, das die Geschichte Vidigals, jener wuchernden Favela hoch über dem Meer, erzählen soll. Außerdem richtet er ein Schulungszentrum ein, in dem junge Leute zu Technikern ausgebildet werden sollen, zu Altenpflegern, Köchen, Handwerkern. "Viele müssen als Tagelöhner zum Mindestlohn arbeiten, 998 Reais im Monat", sagt er, 220 Euro. "Mit einer guten Ausbildung würden sie genug verdienen, um die Familie zu ernähren und gleichzeitig Vorbilder für die nächste Generation werden."

Aleluia und seine Frau Dona Elma, 61, leiten Ser seit 15 Jahren. Sie sind die gute Seele Vidigals. Sie machen alles in Eigeninitiative und leben von kleinen Spenden und der Hilfe einiger Freiwilliger. Neben den Eingang von Ser haben sie ihr Motto geschrieben: "Ein Kind, ein Lehrer, ein Schreibtisch und ein Bleistift können die Welt verändern."

Biel begeistert sich für den Kampfsport Capoeira und für Fußball

Biel begeistert sich für den Kampfsport Capoeira und für Fußball

Dona Elma zieht Säcke voller Obst und Gemüse aus ihrem Kleinlaster. Sie und ihr Mann sind ständig im Dienst der Kinder unterwegs, besorgen Lebensmittelspenden, organisieren Vorträge, vermitteln psychologische Hilfe für Familien. Für Milena haben sie ein Stipendium im besten Ballettstudio der Stadt besorgt. Für Duda suchen sie einen Platz an einer Privatschule. Die Aleluias ergattern für ihre Kinder auch Gratisplätze in Unikursen und Sprachinstituten, die sonst nur den betuchten weißen Schülern zugänglich sind.

Sie wollen nicht ruhen, bis nicht jedes Kind Vidigals an die Zukunft glaubt.

Brasiliens Präsident erleichtert Zugang zu Waffen

Vom Staat können sie nicht viel erwarten. Der neue Präsident Jair Bolsonaro hat sich oft genug abfällig über schwarze Menschen in Armenvierteln geäußert. Er hat auch den Zugang zu Waffen erleichtert, was an umkämpften Orten wie Vidigal mit großer Sorge gesehen wird.

Aber Ser ist ohnehin ein Beispiel dafür, was engagierte Bürger mit gezielten Spenden erreichen können – ohne Unterstützung vom Staat. Mithilfe der Stiftung stern wollen die Aleluias demnächst Berufsausbildungen anbieten, die Räume sind schon fertig. Sie wollen zudem neue Kurse in Samba und Capoeira durchführen, den afrobrasilianischen Traditionen, um gefährdete Jugendliche von den Gangs fernzuhalten. Den ärmsten Familien helfen sie mit Mahlzeiten. "Aber für all das reicht mein Einkommen nicht, wir brauchen dringend Spenden", sagt Professor Aleluia.

Sein großer Traum ist es, ein Innovationszentrum zu werden, "das kreative Herz des Viertels". Mit Freiwilligen aus Übersee, die nicht nur Sprachen und Informatik lehren, sondern auch Umwelttechnik. "Sie könnten uns helfen, die gewaltigen Probleme der Favela zu lösen – Müll, Abwasser, Erosion. Im Gegenzug lernen sie etwas über unsere so reiche Kultur des Sambas, Capoeiras, Karnevals.

"Ich möchte mal ohne Schüsse aufwachen"

Am nächsten Tag geht ein schweres Unwetter über Rio herunter, schon zum dritten Mal in diesem Jahr. Die drei Freunde Duda, Milena und Biel sind im soliden Gebäude von Ser in Sicherheit. Aber die Wasserfluten am Berg reißen wieder Felsbrocken und Bäume mit, lösen Erdrutsche aus und zerstören auch das neue Sportfeld von Ser. Beim Sturm im Februar wurden in Vidigal ganze Hütten und auch Menschen mitgerissen. Zwei Bewohner starben, als ein Baum auf einen Bus stürzte.

Lernende Kinder im Klassenraum, ein Tanzsaal und ein Fußballplatz

Klassenraum, Tanzsaal, Bolzplatz: Die Kinder können bei Ser Alzira de Aleluia Englisch lernen, Ballettkurse belegen oder Fußball spielen.

Das ist ein weiterer Traum von Ser: eine Wetterstation und Sirenen einrichten, die vor Unwettern und Erdrutschen warnen sollen.

Und welche Träume habt ihr noch?, fragen wir die drei Freunde.

Milena will tatsächlich eine Ballerina werden, am liebsten in Europa.

Biel will mal Lehrer werden bei Ser – für Capoeira und Fußball. Und einmal an einem richtigen Fußballcamp teilnehmen.

Und Duda sagt frei raus: "Ich möchte wie Dona Elma werden und vielen Kindern helfen. Und mal ohne Schüsse aufwachen."

Bitte spenden Sie, um den Kindern in Brasilien eine Zukunft zu geben. Die Stiftung stern leitet Ihr Geld weiter. IBAN DE90 2007 0000 0469 9500 01 – BIC DEUTDEHH –, Stichwort "Brasilien"; www.stiftungstern.de

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(