VG-Wort Pixel

Australien Richter spricht von "Sklaverei": Ehepaar hielt Frau acht Jahre für Zwangsarbeit fest

Eine Frau saugt in einem Hotel einen Flur.
3,39 Dollar soll die Frau pro Stunde bekommen haben (Symbolfoto)
© Daniel Reinhardt / DPA
Der Richter nennt es ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit": Ein Ehepaar aus Melbourne wurde zu Haftstrafen verurteilt, weil es eine indische Frau acht Jahre lang zur Arbeit in ihrem Haus gezwungen und missbraucht hat.

Ein australisches Ehepaar wurde zu jeweils acht und sechs Jahren Haft verurteilt, weil es eine indische Frau über acht Jahre lang zur Arbeit in ihrem Haus gezwungen hat. Der Richter bezeichnete die Tat während der Urteilsverkündung als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". 

3,39 Dollar Stundenlohn für bis zu 23 Arbeitsstunden täglich

Das Oberste Gericht des Bundesstaates Victoria sprach den Medienberichten zufolge von "Sklaverei". Es sei das erste Mal gewesen, dass ein australisches Gericht über einen Fall verhandelt habe, bei dem es ausschließlich um häusliche Sklaverei ging.

Die heute über 60-jährige Inderin sei zunächst zweimal – 2002 und 2004 – aus Indien nach Australien gereist, um für das Ehepaar aus Melbourne zu arbeiten. Auch ihr dritter Besuch im Jahr 2007 sollte eigentlich nur von kurzer Dauer sein: Aus einem 30-tägigen Touristenvisum seien jedoch acht Jahre Zwangsarbeit geworden. Laut dem britischen "Guardian" habe die Frau bis zu 23 Stunden am Tag im Haus des Paares schuften müssen – für 3,39 Dollar die Stunde. Dabei sei sie in mehreren Fällen körperlich misshandelt worden.

Australien: Richter spricht von "Sklaverei": Ehepaar hielt Frau acht Jahre für Zwangsarbeit fest

Opfer lag mit 40 Kilogramm Körpergewicht auf der Intensivstation

Die Familie der Witwe und Mutter von vier Kindern habe sich über die Jahre hinweg zunehmend Sorgen gemacht. Als ihre Verwandten die Frau 2015 nicht erreichen konnten, hätten sie die örtliche Polizei in Australien gebeten, sich nach deren Wohlbefinden zu erkundigen. Das Ehepaar habe einem Beamten jedoch versichert, die Vermisste seit acht Jahre nicht gesehen zu haben.

Tatsächlich habe die Frau zu diesem Zeitpunkt mit einem Gewicht von gerade einmal 40 Kilogramm auf der Intensivstation gelegen. Als ihre Peinigerin sie zusammengebrochen in einer Pfütze ihres eigenen Urins vorgefunden habe, habe diese zunächst ihre Kinder zu einem Schulkonzert gefahren, bevor sie den Notruf wählte. Auch die Sanitäter habe die Australierin bezüglich der Identität der Inderin angelogen. Es habe noch Tage gedauert, bis die Behörden ihre Aussage schließlich entlarvt hätten. 

Im Krankenhaus habe die Inderin angegeben, mehrmals körperlich misshandelt worden zu sein. So sei sie mit einem gefrorenen Huhn geschlagen, mit einem Messer geschnitten und mit kochendem Tee übergossen worden. Vor Gericht hätten die Anwälte der Angeklagten hierbei auf einen Mangel an Beweisen verwiesen. Einem Bericht von "ABC News" zufolge ist die Inderin aber für den Rest ihres Lebens auf einen Katheter angewiesen.   

"Bemerkenswerter Mangel an Menschlichkeit"

Das Oberste Gericht von Victoria verurteilte die Eheleute am Mittwoch zu acht und sechs Jahren Gefängnis. Dass das Urteil gegenüber der Frau härter ausgefallen war, habe Richter John Champion laut dem "Guardian" damit begründet, dass der Ehemann "anfällig für eine gewisse Dominanz seiner Frau" gewesen sei.

Während der Verhandlung sollen beide jedoch kein Anzeichen von Reue gezeigt haben. Champion habe in diesem Zusammenhang von einem "ziemlich bemerkenswerten Mangel an Menschlichkeit" gesprochen. Die Staatsanwaltschaft fordere außerdem eine Entschädigung des Opfers durch ihre Peiniger.

"ABC News" zufolge habe das Anwaltsteam bei einer Anhörung vor der dreistündigen Urteilsverkündung angegeben, die Familie habe die Frau als Familienmitglied betrachtet – sie sei nie gefesselt worden. Richter Champion habe indessen erklärt, dass der Begriff "Sklaverei" neu definiert werden müsse: "Sklaverei kann viel subtiler sein als das und muss nicht unbedingt mit körperlicher Fesselung einhergehen."

 Quellen: "The Guardian"; "ABC News"; "Skynews"

yks

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker