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Bei Wahlkampfveranstaltung: Messerattacke auf Präsidentschaftskandidaten in Brasilien

Der ultrarechte Ex-Militär Bolsonaro verherrlicht die Diktatur, hetzt gegen Minderheiten und schockiert immer wieder mit Entgleisungen. Bei einer Kundgebung wird er von einem Angreifer leicht verletzt. Ob der Anschlag politisch motiviert war, stand zunächst nicht fest.

Jair Bolsonaro

Während einer Wahlkampfveranstaltung ist Jair Bolsonaro bei einem Messerangriff leicht verletzt worden. Foto: Eraldo Peres/AP

Der brasilianische Präsidentschaftskandidat ist bei einer Wahlkampfveranstaltung im Süden des Landes bei einem Messerangriff leicht verletzt worden.

Der rechtsextreme Ex- sei ins Krankenhaus gebracht worden; die Wunde sei aber nur oberflächlich, berichtete die Zeitung «O Globo» am Donnerstag unter Berufung auf die Polizei. Ein Verdächtiger sei nach der Attacke festgenommen worden.

Auf einem Video war zu sehen, wie Bolsonaro auf den Schultern seiner Anhänger durch die Stadt im Bundesstaat Minas Gerais getragen wird. Plötzlich zuckt der Politiker zusammen und krümmt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht. Es ist eine Klinge zu erkennen, die vom Körper weggezogen wird. Das Motiv für den Angriff war zunächst unklar.

Bolsonaro ist der Favorit bei der Präsidentenwahl am 7. Oktober, seit ein Gericht die Kandidatur des inhaftierten Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva untersagt hat. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ibope wollen 22 Prozent der Wähler für den früheren Fallschirmjäger stimmen. Dass er aber auch in der erwarteten Stichwahl gewinnen könnte, gilt als unwahrscheinlich.

Der Ex-Militär hetzt gegen Homosexuelle und Schwarze und verherrlicht die Militärdiktatur (1964-1985). Immer wieder schockiert er mit Entgleisungen. Einer Politikerin bescheinigte er einmal, sie habe es nicht verdient, vergewaltigt zu werden, «weil sie sehr hässlich ist». Die Anhänger von Lulas linker Arbeiterpartei sollten erschossen werden, sagte er ein anderes Mal.

Der «Trump Brasiliens» mischt zwar schon lange im Politikbetrieb mit, präsentiert sich neuerdings aber als Anti-System-Kandidat. Im Falle eines Wahlsiegs will er Ministerposten mit Militärs besetzen und angesichts der eskalierenden Kriminalität die Bevölkerung bewaffnen.

dpa