VG-Wort Pixel

Nach TV-Schalte Coronavirus: Hamburger Gastronom bekommt Hass von Impfgegnern zu spüren

Hamburger Gastronom bekommt Hass von Impfgegnern zu spüren
Der Hass von Impfgegnerinnen und -gegnern gegenüber der neuen Einschränkungen für Ungeimpfte nimmt offenbar immer mehr zu (Symbolbild)
© Daniel Reinhardt / Picture Alliance
Impfgegner:innen äußern ihren Unmut bezüglich der beschlossenen Einschränkungen für Nicht-Geimpfte immer deutlicher. Mitarbeiter:innen des Infektionsschutzes, Schulen, Hausärztpraxen oder die Gastronomie bekommen das zu spüren. So auch ein Gastronom aus Hamburg, welcher unmittelbar nach einer RTL-Live-Schalte verbal attackiert wird.

Dieser Artikel erschien zuerst bei RTL.de.

Drohbriefe und -Anrufe, Beschimpfungen, Hass-Nachrichten – Der Ton von Impfgegnerinnen und -gegnern zu den neuen Einschränkungen für Ungeimpfte wird offenbar immer rauer. Das mussten in den vergangenen Tagen Mitarbeitende des Infektionsschutzes erfahren und auch mehrere Schulen in Schleswig-Holstein. Auch bei einem Hausarzt aus dem Kreis Osnabrück, der keine Corona-Impfgegner:innen mehr in seiner Praxis behandeln will, ermittelt die Polizei mittlerweile in mehr als 40 Fällen. Was für Nachrichten ein Gastronom, der nur noch Geimpfte in sein Lokal lässt, gleich nach einer Live-Schalte bekommt, hat ein RTL Nord-Team am Mittwochabend zufällig hautnah miterlebt.

Hamburger Gastronom bekommt Hass-Nachrichten direkt nach TV-Schalte

Anrufer: "Wo ist der Schwachkopf?"

Stephan Fehrenbach: "Am Telefon."

Anrufer: "Es gibt doch gar kein Covid, du Idiot – du bist doch fertig!"

Mit solchen Worten wird Bar-Betreiber Stephan Fehrenbach aus Hamburg direkt nach seinem Live-Interview mit RTL konfrontiert. Der Aufwand Getestete zu kontrollieren sei ihm einfach zu hoch, deswegen möchte er nur noch Geimpfte oder Genese in sein Lokal lassen. "Also kurz nachdem wir Off waren, kam der erste Anrufer und wollte gleich wissen, ob ich derjenige bin – der Mann mit dem Bart im Fernsehen. Der Nächste fing an mich gleich zu beschimpfen und die dritte Person hat mir gewünscht, dass ich an der Spritze ersticken soll." Und das ist kein Einzelfall.

Morddrohungen an Schulen

Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt gerade wegen eines Mordaufrufs in einer Telegram-Chatgruppe gegen die Schulleitung und Lehrende an der Grundschule in Altenholz (Kreis Rendsburg-Eckernförde). In der Telegram-Gruppe sollen laut Kieler Staatsanwaltschaft 430 Mitglieder gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft ermittle gegen "Unbekannt", weil der oder die Urheber:in die Drohung unter einem Pseudonym verfasst habe. Die Kieler Nachrichten berichten zudem, dass der oder die Absender:in den Namen und die Postleitzahl der Grundschule in Altenholz genannt und zum Tod von Schulleitung und Lehrenden aufgerufen haben soll. "Sie morden mit dem Maskenzwang und der Impfung", sei dort weiter zu lesen. Auch das Logo der Schule sei in der Nachricht erkennbar gewesen.

Ehrverletzende Äußerungen und Drohungen, die mit Kritik an Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zusammenhängen, würden seit einem Jahr immer wieder über soziale Medien und Messenger-Dienste auftreten. Dabei habe die aktuelle Diskussion um Impfungen von Schüler:innen die Debatte zusätzlich emotionalisiert, so die Staatsanwaltschaft Kiel.

Laut einer aktuellen forsa-Umfrage findet es die große Mehrheit von 76 Prozent der Bundesbürger richtig, dass Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, ab dem 11. Oktober für einen Coronatest selbst zahlen müssen. Eine Minderheit von 21 Prozent findet das nicht richtig. Nur unter den Anhängern der AfD und insbesondere unter den Ungeimpften spricht sich, laut Umfrage, eine Mehrheit gegen kostenpflichtige Tests aus.

Pöbeleien und massive persönliche Beleidigungen nehmen stetig zu und die Aussagen, die ihnen einige Bürger*innen an den Kopf werfen, sind nicht hinnehmbar.

"Während das Personal auf den Intensivstationen phasenweise nicht mehr wusste, wo oben und unten ist, hatten andere plötzlich gar nichts mehr zu tun und bangten um ihre berufliche Existenz. Einige von uns haben Menschen an Corona verloren, wieder andere kämpfen auch Monate nach überstandener Infektion noch gegen die Spätfolgen dieses heimtückischen Virus an."

In einem offenen Brief versucht auch Landrat Jan Peter Schröder aus dem Kreis Segeberg seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Infektionsschutzes zu verteidigen. Er führt weiter aus: "Daher habe ich keinerlei Verständnis für jene Egoist*innen, die meinen, sich an nichts mehr halten zu müssen und alles besser zu wissen als diejenigen, die sich seit vielen Monaten tagtäglich mit dem Thema befassen: meine Mitarbeiter*innen im Infektionsschutz zum Beispiel. Pöbeleien und massive persönliche Beleidigungen nehmen stetig zu und die Aussagen, die ihnen einige Bürger*innen an den Kopf werfen, sind nicht hinnehmbar."

Er wünsche sich, dass alle an einem Strang ziehen würden, um gemeinsam aus der Pandemie zu kommen.

Arzt teilt emotionale Schimpftirade und rechnet mit Impfgegnern ab

Polizei Osnabrück ermitteln in mehr als 40 Fällen

Auch ein Hausarzt aus dem niedersächsischen Wallenhorst (Kreis Osnabrück) hat mit massiven Anfeindungen zu kämpfen und stehe unter Polizeischutz, weil er einer nicht impfwilligen Patientin nahegelegt hat, sich einen anderen Hausarzt zu suchen. Mittlerweile ermittelt die Polizei in mehr als 40 Fällen wegen verbalen Angriffen gegen den Mann. Das sei nur der Zwischenstand. Bei dem überwiegenden Teil gehe es um Beleidigungen, in weiteren Einzelfällen auch um Bedrohung und Volksverhetzung, so die Polizei Osnabrück.

RTL.de/kum/fst

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker