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Insolvenzverfahren eröffnet Esprit schließt die Hälfte seiner deutschen Filialen – immer mehr Modefirmen kämpfen ums Überleben

Esprit schließt zahlreiche Geschäfte
Erst wird es dunkel, dann leer: Zahlreiche Esprit-Filialen in Deutschland stehen vor der Schließung.
© Getty Images
Die Coronakrise hat den internationalen Modekonzern Esprit fest im Griff – rund die Hälfte der deutschen Geschäfte soll schließen. Auch andere Ketten ergreifen folgenschwere Maßnahmen. 

Die Einkaufsstraßen werden leerer in deutschen Innenstädten. Nach den angekündigten Filialschließungen von Galeria Karstadt Kaufhof, macht nun auch der angeschlagene Modekonzern Esprit zahlreiche Geschäfte dicht. Rund die Hälfte aller deutschen Standorte schließen ihre Türen – insgesamt rund 50 Filialen. Etwa 1100 Stellen in den Läden und der Verwaltung sollen gestrichen werden. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch in Hongkong mit. Weitere 100 Stellen sollen in Asien wegfallen.

Der Modekonzern hatte bereits Ende März für mehrere unter der Corona-Krise leidende deutsche Tochtergesellschaften ein Schutzschirmverfahren beantragt, um sich vor Forderungen der Gläubiger zu schützen. Am Mittwoch habe das Insolvenzgericht der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zugestimmt, berichtete Esprit. 

Corona traf Modekonzerne in Zeiten der Krise

Fast im Wochentakt mussten seit Ausbruch der Corona-Krise namhafte Modehersteller und Textilhändler Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen oder gleich Insolvenzanträge stellen. "Wir laufen große Gefahr, dass Traditionshäuser, die unsere Innenstädte seit vielen Jahrzehnten prägen, in die Insolvenz gehen", warnte Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE), angesichts der Krise. Das Problem: Vielen Unternehmen aus der Modebranche ging es schon vor der Corona-Krise nicht gut. Dem Siegeszug des Onlinehandels und dem Erfolg von Fast-Fashion-Anbietern wie Primark oder Zara hatten sie nur wenig entgegenzusetzen. Das Coronavirus traf, als es für flächendeckende Ladenschließungen in Deutschland sorgte, bei Herstellern und Händlern sozusagen vorgeschädigte Opfer.

Für die meisten Schlagzeilen sorgte dabei Deutschlands letzte große Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof, die Anfang April Rettung Schutzschirmverfahren suchen musste. Am Mittwoch ordnete das Amtsgericht Essen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung für die Warenhauskette und acht verbundene Unternehmen an. Es schließt unmittelbar an das bisherige Schutzschirmverfahren an. Galeria Karstadt Kaufhof und Karstadt Sports reichten beim Essener Amtsgericht am Mittwoch auch Insolvenzpläne mit den Details der geplanten Sanierungsmaßnahmen ein. Bekannt geworden ist bereits, dass der Konzern 62 der 172 Warenhäuser und 20 der 30 Karstadt-Sports-Häuser schließen will. Das Gericht muss nun prüfen, ob die eingereichten Pläne den gesetzlichen Voraussetzungen entsprechen.

Diese Konzerne stecken in Schwierigkeiten

Die Schließungspläne von Galeria Karstadt Kaufhof ließen in vielen betroffenen Städten die Sorge vor einer Verödung der Innenstädte wachsen. Schließlich sind die Warenhäuser in vielen Fußgängerzonen noch immer ein wichtiger Kundenmagnet. Doch wäre Galeria Karstadt Kaufhof ein Einzelfall – die Sorgen wären wohl geringer. Aber der Warenhauskonzern ist nicht allein. Im Gegenteil: In der Modebrachen häufen sich die Problemfälle. Nicht nur Galeria Karstadt Kaufhof, sondern auch die Handelskette Sinn und das Modeunternehmen Hallhuber suchten im April Rettung in einem Schutzschirmverfahren. Die Damenmode-Kette Appelrath Cüpper beantragte eine Insolvenz in Eigenverwaltung.

Auch der Taschenhersteller Picard suchte Rettung im Schutzschirmverfahren. Geschäftsführer Georg Picard sagte dem Branchenfachblatt "Textilwirtschaft" mit Blick auf die Corona-Krise: "Es ist das Heftigste, das ich jemals erlebt habe. ... Das kam wie ein Überfall." Die größte Schwachstelle des Unternehmens sei jedoch der hohe Umsatzanteil von Galeria Karstadt Kaufhof gewesen. In den vergangenen fünf Jahren seien 30 bis 40 Prozent des Picard-Geschäftes über den Warenhausriesen gelaufen. "Damit haben wir uns zu abhängig von einem Unternehmen gemacht."

Und auch die Tom Tailor Holding geriet in der Corona-Krise in Schieflage und musste im Juni wegen der Probleme bei der Tochter Bonita einen Insolvenzantrag stellen. Die Tom Tailor GmbH und damit die Modemarke Tom Tailor ist nach Unternehmensangaben davon aber nicht betroffen. Ihre Zukunft sei durch eine Bund-Länder-Bürgschaft über 100 Millionen Euro gesichert, betonte das Unternehmen.

Umsätze in der vergangenen Woche brachen ein

Ein Ende der Probleme für die Branche ist derzeit noch nicht absehbar. Im Gegenteil: Erst vor einigen Tagen stellten mit dem Hosenspezialisten Hiltl und der Deutschland-Tochter des schwedischen Modehändlers Gina Tricot weitere Unternehmen Insolvenzanträge. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rechnet denn auch in den nächsten Monaten mit einem weiteren Anstieg der vorläufigen Insolvenzverfahren und der Insolvenzen in der Modebranche. Dienstleister, Gastronomie und (Textil-)Einzelhändler sind diesmal nicht am Ende der Krise von den Auswirkungen betroffen, sondern stehen am Anfang. Daher wird die Masse der insolvenzreifen Unternehmen unweigerlich steigen", prognostizierte der Creditreform-Experte Patrick-Ludwig Hantzsch. Nach einer Branchenumfrage der "Textilwirtschaft" lagen die Umsätze im stationären Modehandel in der vergangenen Woche um 21 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

sve DPA AFP

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