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US-Justiz stellt Strafanzeige: Ex-Twitter-Mitarbeiter sollen für saudische Regierung tausende User ausspioniert haben

Für eine Luxusuhr und mehrere hunderttausend Dollar sollen zwei Ex-Mitarbeiter von Twitter in Saudi-Arabien Regierungskritiker ausspioniert und dabei auf sensible Daten tausender User zugegriffen haben. Auftraggeber war laut US-Medien das Königshaus des Wüstenstaats.

Fußgänger gehen am Twitter-Bürogebäude in San Francisco vorbei

2015 sollen zwei Twitter-Mitarbeiter ihre Zugänge zu sensiblen Daten genutzt und für Saudi-Arabien Nutzerdaten ausspioniert haben. Später verließen sie die Firma. 

DPA

Die Richter am US-Bezirksgericht in San Francisco sind einem spektakulären Fall von Internetspionage auf der Spur. In ihrer 27-seitigen Strafanzeige beschuldigen sie drei Männer, die internen Systeme ihres Arbeitgebers Twitter genutzt zu haben, um sensible Daten von Usern auszuspähen. Die mutmaßlichen Auftraggeber sollen laut mehreren US-Medien zumindest gute Kontakte ins saudische Königshaus pflegen. Belohnt wurden die Spione demnach mit einer Luxusuhr und mehreren hunderttausend Dollar. Einen Verdächtigen nahmen US-Ermittler am Dienstag in Seattle fest. Die beiden anderen vermuten die Behörden in Saudi-Arabien. Dort, wo auch die Hintermänner der Spionage sitzen sollen.

Zugriff auf mehr als 6000 Twitter-Konten

Laut Strafanzeige waren zwei der Beschuldigten bis 2015 bei Twitter angestellt – einer von ihnen als Webingenieur. Im selben Jahr sollen sie die internen Systeme und Datenbanken nach persönlichen Informationen – insbesondere über bekannte Kritikern der saudischen Regierung – durchsucht haben. Demnach spionierten sie die Accounts von mindestens 6000 Twitter-Usern aus. Laut Justizministerium hatten die Männer dabei Zugriff auf die IP- und Mailadressen, Telefonnummern sowie sämtliche Chatprotokolle. Wie die "Washington Post" berichtet, stießen die Ermittler unter anderem auf eine Mail eines mutmaßlichen Spions, die möglicherweise an seinen Auftraggeber adressiert war. Darin heißt es laut Strafanzeige: "Dieser ist ein Profi. Er ist ein Saudi, der Verschlüsselung verwendet... Wir haben ihn verfolgt und festgestellt, dass er sich vor 12 Tagen einmal ohne Verschlüsselung von IP um 18:40 Uhr am 25.05.2015 angemeldet hat. Dieser benutzt überhaupt kein Handy, nur einen Browser. Er ist online und benutzt Firefox von einer Windows-Maschine aus." 

Spuren der Ermittler führen nach Riad

Besonders pikant an dem ohnehin brisanten Fall: Laut Strafanzeige soll ein Mittelsmann der beiden Ex-Twitter-Mitarbeiter das Privatbüro eines Mitglieds der königlichen Familie in Riad sowie eine regierungsnahe Wohltätigkeitsorganisation geleitet haben. In den Gerichtsdokumenten ist von einem "Royal Family Member 1" die Rede. Nach Informationen der "Washington Post" soll es sich dabei um Kronprinz Mohammed bin Salman handeln. 

In einer Stellungnahme gegenüber dem Blatt versprach ein Twitter-Sprecher, die Privatsphäre seiner User auch zukünftig schützen zu wollen. "Wir verstehen die unglaublichen Risiken, mit denen viele Menschen konfrontiert sind, die Twitter nutzen, um ihre Meinung mit der Welt zu teilen. Wir verfügen über Tools zum Schutz ihrer Privatsphäre und schützen alle, die unseren Service nutzen. Besonders, die die sich für Gleichstellung, individuelle Freiheiten und Menschenrechte einsetzen."

Quellen: "Washington Post"; CNN

js / DPA