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US-Bundesstaat Georgia 60-Jähriger nimmt sich im Verhörzimmer das Leben – und Polizisten verspotten ihn

Polizeifahrzeuge stehen abfahrbereit vor einer Polizeistation in der Altstadt von Savannah
Eine der entlassenen Polizistinnen wehrt sich: "Mir wurde gesagt: 'Das ist politisch, also muss jemand gehen'" (Symbolbild)
© Reinhard Kaufhold / Picture Alliance
Er starb im Verhörraum – die Kameras liefen nicht, die zuständigen Polizisten kamen zu spät. Später sollen sich drei Beamte über den Tod des 60-Jährigen lustig gemacht haben. Nun gab es Konsequenzen.

Ein 60-jähriger Afroamerikaner hatte sich im April in Savannah, im US-Bundesstaat Georgia das Leben genommen – während er sich in Polizeigewahrsam befand. Über den Tod des Mannes sollen sich mehrere Beamte anschließend in einem Gruppenchat lustig gemacht haben. Die Konsequenz: Weil sie ihre Aufsichtspflicht verletzten und den Verstorbenen verspotteten, wurden fünf Beamte entlassen.

Laut einer Mitteilung des Savannah Police Department war der 60-Jährige am 3. April im Rahmen einer Untersuchung in einem Fall von schwerer Körperverletzung auf das Polizeipräsidium gebracht worden. Der Mann starb noch im Verhörraum. Wiederbelebungsversuche hatten ihm nicht mehr helfen können. Das Georgia Bureau of Investigation stufte seinen Tod als Selbstmord ein.

"Anstatt ihn in ein Krankenhaus zu bringen, ketteten sie ihn an eine Wand"

Die Angehörigen des Verstorbenen warfen der Polizei vor, Warnzeichen vernachlässigt zu haben: In dem Verhörzimmer seien nicht alle Kameras eingeschaltet gewesen. Medienberichten zufolge bestätigte Polizeichef Roy Minter Jr. am Dienstag, dass der Tod des Mannes hätte verhindert werde können, hätten sich die zuständigen Beamten nicht derartige Fehltritte geleistet. Er glaube zwar, dass seine Polizisten ihre Pflichten nicht vorsätzlich verletzt hätten. Doch trügen sie Mitschuld am Tod des Mannes, weil sie sich nicht an die geltenden Richtlinien gehalten hätten.

"Wenn Sie in der Obhut der Polizei sind, sollten Sie in der Lage sein, einen Verhörraum zu betreten und lebendig herauskommen," habe Francys Johnson, eine Anwältin der Familie, auf einer Pressekonferenz am Montag gesagt. Einem Bericht der "New York Times" zufolge berief sich Johnson auf Aufnahmen einer Body-Cam, die dem Georgia Bureau of Investigation vorlägen. Darauf sei ersichtlich, dass sich der 60-Jährige in der Nacht seines Todes in einem instabilen Zustand befunden habe. "Anstatt ihn in ein Krankenhaus zu bringen, ketteten sie ihn an eine Wand, während zwei Polizisten draußen standen", habe Johnson gesagt. "Wir werden nicht aufhören, bis wir alle unsere Fragen beantwortet bekommen", soll der Sohn des Verstorbenen bekräftigt haben. Zwei Beamte seien entlassen, ein dritter suspendiert worden.

Entlassene Polizistin wehrt sich – sie sei nicht einmal vor Ort gewesen

Eine entlassene Polizistin habe sich Berichten zufolge in einer E-Mail gegen die Vorwürfe gewehrt. Sie selbst sei zum Zeitpunkt des Todes in einem Krankenhaus gewesen, um nach einem Opfer zu sehen. Auch ihr Kollege sei nicht im Präsidium gewesen. Der 60-Jährige habe sich in der Obhut zweier Streifenpolizisten befunden, die direkt vor dem Verhörzimmer gesessen hätten – und ihre Jobs behalten durften. Außerdem würden die Kameras in dem Zimmer nicht einwandfrei funktionieren. "Mir wurde gesagt: 'Das ist politisch, also muss jemand gehen'", sagte die jetzt ehemalige Polizistin der "New York Times" zufolge.

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Drei Beamte sollen Toten in Gruppenchat verspottet haben

Doch geht es in diesem Fall nicht allein um die Verletzung der Aufsichtspflicht. Drei Beamte des Savannah Police Department sollen den Toten in einem Gruppenchat verspottet haben – einer von ihnen habe ein abfälliges GIF oder Meme geteilt. Der Chatverlauf liege dem Fernsehsender "WSAV" vor. Als Ergebnis einer zweiten Untersuchung wurden die drei Beschuldigten ebenfalls entlassen. Laut "Washington Post" zählen die Kündigungen zu den schnellsten Disziplinarmaßnahmen der vergangenen Monate. Alle Fünf hätten Berufung gegen ihre Kündigungen eingelegt, die jedoch abgelehnt worden seien. Die raschen Konsequenzen seien zwar bemerkenswert, so Anwältin Johnson. Doch die Familie verdiene weit mehr Gerechtigkeit.

Quellen: Mitteilung Savannah Police Department; "New York Times"; "Washington Post"

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Für Kinder und Jugendliche steht auch die Nummer gegen Kummer von Montag bis Samstag jeweils von 14 bis 20 Uhr zur Verfügung - die Nummer lautet 116 111.

yks

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