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Germanwings-Absturz: Bergung der Opfer ist abgeschlossen

Eine Woche ist seit dem Absturz des Germanwings-Airbus in den französischen Alpen vergangen. Die Bergung der Leichen wurde abgeschlossen. Die Ereignisse des Tages im Rückblick.

Ermittler bergen Wrackteile aus dem abgestürzten Germanwings-Airbus

Ermittler bergen Wrackteile aus dem abgestürzten Germanwings-Airbus

Bei dem Absturz des Germanwings-Flugs 4U 9525 kamen am Dienstag der vergangenen Woche 150 Menschen ums Leben.

  • Nach bisherigen Ermittlungen soll der 27-jährige Copilot die Airbus-Maschine auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf mutwillig in ein Bergmassiv nordöstlich von Marseille gesteuert haben. Über die Motive des Mannes wird weiterhin gerätselt. Er soll vor Jahren wegen Suizidgefährdung in Behandlung gewesen sein.
  • Genauere Erkenntnisse über das Geschehen im Cockpit vor dem Absturz erhoffen sich die Experten vor allem vom zweiten Flugschreiber.

Die Ereignisse des Tages im Rückblick.

+++ 20.10 Uhr: Bergung der Leichen beendet +++

Am Absturzort beenden die Ermittler die Bergung der Leichen. Es gebe keine Leichen mehr am Absturzort, teilt die Gendarmerie in Seyne-les-Alpes mit. Am Mittwoch würden Einsatzkräfte zu dem Ort aufsteigen, um die persönlichen Gegenstände einzusammeln.

+++ 19.23 Uhr: Chefs von Lufthansa und Germanwings besuchen Absturzort +++

Lufthansa-Chef Carsten Spohr besucht am Mittwoch den Unglücksort. Begleitet wird Spohr dabei von Germanwings-Geschäftsführer Thomas Winkelmann. In der nahe der Absturzstelle gelegenen Ortschaft Seyne-les-Alpes werden die beiden Manager zunächst das Hauptquartier der Einsatzkräfte besuchen. Anschließend wollen sie in der Ortschaft Le Vernet an einer Gedenktafel der 150 Opfer der Flugzeugkatastrophe gedenken.

+++ 19.22 Uhr: Video soll letzte Sekunden vor Absturz zeigen +++

Am Absturzort ist offenbar ein Speichermedium gefunden worden, das ein Video von den letzten Sekunden des Unglücksflugs enthält. Eine Person aus dem Kreis der Ermittler soll das Medium gefunden haben, berichtet die "Bild"-Zeitung. Auch das französische Magazin "Paris Match" konnte nach eigenen Angaben Einsicht nehmen. Der Film, der nicht veröffentlicht wurde, soll verwackelt sein, werde aber als echt eingestuft, heißt es.

Die Sequenz soll aus dem hinteren Teil der Maschine gemacht worden sein. Wer gefilmt hat, sei unklar. Es sollen Schreie zu hören sein, die darauf hindeuten, dass die Fluggäste wussten, wie brenzlig die Lage war. Einige Passagiere sollen "Mein Gott" gerufen haben. Auch metallische Schläge sollen zu hören sein. Zuvor war berichtet worden, der Pilot habe versucht, die Tür des Cockpits aufzubrechen.

Am Ende des Videos ist offenbar zu sehen, wie die Kabine zur Seite geschleudert wird und Passagiere schreien. Dann endet der Film. Er werde als wichtiges Beweismittel für die Ermittlungen bewertet.

Allerdings sagte der Marseiller Staatsanwalt Brice Robin der Deutschen-Presse-Agentur, er wisse nichts von einem solchen Fund. Es seien eine Reihe von Handys gefunden worden, die noch ausgewertet würden. Sie seien aufgrund des Aufpralls aber in einem sehr schlechten Zustand. "Ich weiß nicht, ob sie ausgewertet werden können." Er sei noch zwei Stunden zuvor vor Ort gewesen - da sei von einem solchen Video nichts bekannt gewesen, sagte Robin.

+++ 18.55 Uhr: Lufthansa: Copilot informierte Lufthansa über Depression +++

Die Verkehrsfliegerschule der Lufthansa wusste während der Ausbildung von Copilot Andreas Lubitz von einer vorausgegangenen Depression. Er hat die Lufthansa bereits im Jahr 2009 als Flugschüler über eine "abgeklungene schwere depressive Episode" informiert. Das teilt das Unternehmen in einer Erklärung mit.

Darin heißt es, dass der Konzern der Staatsanwaltschaft Düsseldorf nach weiteren Recherchen zusätzliche Unterlagen übergeben habe, darunter auch den E-Mail-Verkehr des Copiloten mit der Verkehrsfliegerschule, in dem von der Erkrankung die Rede gewesen sei.

+++ 17.39 Uhr: Deutsches Ermittlerteam fliegt zur Absturzstelle +++

Ein Ermittlerteam aus Düsseldorf bricht zur Absturzstelle auf. Unter ihnen ist auch der Chef der Sonderkommission "Alpen", Roland Wolff, wie die Düsseldorfer Polizei mitteilt. Mit den vier deutschen Polizisten fliegen die vier französischen Ermittler, die die Arbeit in Düsseldorf bisher unterstützt hatten. Zum deutschen Team gehört ein Spezialist des Landeskriminalamts für lasergestützte Tatortvermessung und digitale Spurenkarten. An diesem Mittwoch will das Team die Absturzstelle aufsuchen.

+++ 16.48 Uhr: Germanwings-Chef: "Hilfsbereitschaft kennt keine Grenzen" +++

Germanwings-Chef Thomas Winkelmann dankt den Helfern. "Die Retter, Helfer und Betreuer vor Ort leisten Unermessliches", sagt er in einer Videobotschaft. "Sie werden in beispielloser Weise unterstützt durch die Bevölkerung von Seyne-les-Alpes und der umliegenden Orte. Auch innerhalb unserer Germanwings-Familie und der gesamten Lufthansa-Gruppe kennt die Hilfsbereitschaft keine Grenzen." Germanwings werde weiterhin alles in seiner Macht Stehende tun, um den Hinterbliebenen zu helfen: "Der Zuspruch und die tröstenden Worte vieler Menschen aus Deutschland, Europa und der ganzen Welt sind überwältigend. Sie machen uns Mut und geben uns Kraft für die kommende Zeit."

+++ 16.30 Uhr: 200 Angehörige in die Absturzregion gereist +++

200 Angehörige haben bisher die Absturzregion in Südfrankreich besucht. Das teilt Patricia Willaert, Präfektin von Alpes-de-Haute-Provence auf einer Pressekonferenz mit. Die Familie des Copiloten sei entgegen anderslautender Gerüchte nicht angereist. Bis zur Karwoche wird mit weiteren Trauernden gerechnet. Vor Ort stehen Übersetzer mit acht verschiedenen Sprachkenntnissen bereit.

+++ 15.30 Uhr: Merkel dankt Frankreich für Hilfe nach dem Absturz +++

Kanzlerin Angela Merkel dankt Frankreich für die Unterstützung nach dem Absturz. Deutschland und Frankreich seien in den ersten drei Monaten des Jahres "in Bewährungsproben enger zusammengerückt", sagt Merkel im Rahmen der deutsch-französischen Regierungsgesprächen in Berlin mit Blick auf den Absturz und den Anschlag islamistischer Extremisten auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo". Merkel dankt besonders den Helfern und der Bevölkerung in der Absturzregion in den französischen Alpen für deren Engagement. Der französische Präsident François Hollande spricht im Gegenzug von einem Regierungstreffen "im Kontext der Tragödien" und einer ganz besonderen "deutsch-französischen Brüderlichkeit", die sich angesichts der Katastrophen entwickelt habe.

+++ 15.16 Uhr: Frankreichs Präsident Hollande: Alle Opfer bis Ende der Woche identifiziert +++

Alle 150 Opfer des Germanwings-Absturzes in den französischen Alpen sollen bis Ende der Woche identifiziert sein. Dies teilte der französische Präsident Francois Hollande mit Berufung auf Angaben des französischen Innenministeriums zum Fortgang der Bergungsarbeiten mit. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Marseille hatte am Sonntag angegeben, bis Ende der Woche sollten die Opfer im Absturzgebiet geborgen sein. Noch am Montag hatten die mit der DNA-Analyse befassten französischen Experten davon gesprochen, die Leichen könnten frühestens innerhalb von zwei bis vier Monaten identifiziert werden. Bis Montag lagen den französischen Spezialisten Vergleichsdaten zu nur rund 60 Opfern vor.

+++ 15.05 Uhr: Ermittler gehen auch möglichen "Systemfehlern" nach +++

Die französischen Ermittler gehen auch möglichen "Systemfehlern" nach. Die Luftfahrtermittlungsbehörde BEA teilte am Dienstag in Paris mit, dass insbesondere das Schließsystem der Cockpit-Türen näher untersucht werden solle. Dabei gehe es auch um die "Abläufe beim Eintritt und beim Verlassen des Cockpits". Die BEA verwies zudem ausdrücklich darauf, dass die Kriterien und Abläufe zum "Erkennen bestimmter psychologischer Profile" unter die Lupe genommen werden sollten.

+++ 14.32 Uhr: Bundeswehr-Hubschrauber unterstützen Bergungsarbeiten +++

Zwei Hubschrauber der Bundeswehr werden die Bergungsarbeiten in den französischen Alpen unterstützen. Die Helikopter seien mit Winden ausgerüstet, um Helfer im steilen Gelände um die Absturzstelle bei Seyne-les-Alpes abseilen zu können, teilt das Verteidigungsministerium mit. Deutschland entspreche damit einer Bitte der französischen Behörden. Der Hubschraubereinsatz solle in den kommenden Tagen anlaufen. Die Bergungsmannschaften suchen dort nach den sterblichen Überresten der 150 Absturzopfer, nach Wrackteilen sowie dem zweiten Flugschreiber. Lufthansa-Chef Carsten Spohr will am Mittwoch den Unglücksort aufsuchen.

+++ 13.59 Uhr: Lufthansa sagt Jubiläumsfeier ab +++

Die Lufthansa hat ihre Feierlichkeiten zum 60-jährigen Bestehen gestrichen. "Aus Respekt vor das Unternehmena mit. Anstelle der Jubiläumsveranstaltung werde der Staatsakt zum Gedenken an die Absturzopfer live für die Lufthansa-Mitarbeiter übertragen. Die zentrale Trauerfeier im Kölner Dom ist für den 17. April geplant.

+++ 13.09 Uhr: Ermittler nehmen Cockpittür unter die Lupe +++

Bei der Analyse des Germanwings-Absturzes konzentriert sich die französische Untersuchungsbehörde BEA auch auf die Funktionsweise der Cockpit-Tür. Sie sei "von besonderem Interesse", teilte die Einrichtung für die Sicherheit der zivilen Luftfahrt mit. Die "Logik der Verriegelungssysteme" solle analysiert werden. Auch die Verfahren beim Betreten und Verlassen des Cockpits würden untersucht, um Schwachstellen zu erkennen, die zu der Katastrophe geführt haben könnten. Außerdem gehe es um "Kriterien und Verfahren für das Erkennen von psychologischen Besonderheiten". Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass der Pilot des Airbus mit 150 Menschen an Bord zum Zeitpunkt der Katastrophe aus dem Cockpit ausgesperrt war.

+++ 12.26 Uhr: Arbeiten am Absturzort durch neue Straße beschleunigt +++

Die neu gebaute Zugangsstraße zur Unglücksstelle erleichtert die Arbeiten bereits: "Wir arbeiten schneller, länger und wir bringen mehr Proben zurück", berichtet die Polizei in Seyne-Les-Alpes. Bisher mussten Ermittler und Hochgebirgspolizisten entweder per Hubschrauber an den Absturzort gebracht werden oder nach einer Fahrt über eine holprige Piste zu Fuß noch rund eine halbe Stunde laufen.

+++ 12.07 Uhr: Stornierung von Germanwings-Flügen nicht generell kostenlos +++

Einen Tag nach dem Absturz hatte ein Germanwings-Sprecher gegenüber der DPA gesagt, dass Kunden zukünftige Flüge kostenlos unter der Nummer (0180) 6320320 stornieren könnten. Einem "Spiegel"-Bericht zufolge greift dieser Service aber nicht ohne weiteres: Mehrere Leser hätten berichtet, dass ihr Wunsch nach einem Reiserücktritt ohne Kosten von Germanwings zurückgewiesen worden war und ihnen bestenfalls eine kostenlose Umbuchung angeboten wurde. Ein Sprecher des Unternehmens habe auf Nachfrage dennoch eine großzügige Kulanzregelung versichert: "Wir werden versuchen, in jedem Einzelfall eine flexible und kulante Lösung zu finden." Am Freitag hatte ein Germanwings-Sprecher erklärt, dass die Zahl der Stornierungen seit dem Abstieg nicht signifikant gestiegen sei.

+++ 11.59 Uhr: Lufthansa-Chef besucht Betreuungszentrum in Marseille +++

Lufthansa-Chef Carsten Spohr wird am Mittwoch das Betreuungszentrum für Angehörige der Opfer des Germanwings-Absturzes in Marseille besuchen. Wann genau Spohr in der südfranzösischen Stadt eintreffen wird, konnte eine Sprecherin der Fluggesellschaft zunächst nicht sagen. Auch über die Planungen für den Aufenthalt des Konzernchefs in Marseille gab es zunächst keine detaillierten Angaben.

+++ 11.41 Uhr: Neue Straße zum Absturzort fertiggestellt +++

CNN meldet mit Berufung auf einen Sprecher der Gendarmerie, dass der neue Landweg zum Absturzort fertiggestellt ist. Mit Bulldozern und anderen Spezielfahrzeugen wurde die Straße an eine Feldwand gebaut, um den Zugang zu erleichtern und große Trümmerteile darüber abzutransportieren.

+++ 10.06 Uhr: War Angst vor Jobverlust Motiv des Copiloten? +++

Möglicherweise hatte Andreas L., der Copilot des abgestürzten Germanwings-Flug, Angst vor dem Verlust seines Jobs. Lesen Sie mehr über die möglichen Motive des mutmaßlichen Suizids.

+++ 9.15 Uhr: Suche nach Opfern geht weiter +++

Die Suche nach Opfern des Germanwings-Absturzes in den französischen Alpen wird fortgesetzt. Die Arbeiten waren über Nacht unterbrochen worden. Die Retter konzentrieren sich nach Angaben der Gendarmerie neben der Bergung der Leichen auf die Suche nach dem Flugdatenschreiber des vor einer Woche abgestürzten Flugzeugs. Die Daten sollen weitere Erkenntnisse zum Geschehen im Airbus vor dem Absturz liefern. Zu der schwer zugänglichen Unfallstelle wird weiter ein Weg für Geländewagen geschaffen, um schweres Bergungsgerät in das Gebiet bringen zu können. Auf diese Weise sollen die Teams auch dann zur Absturzstelle gebracht werden können, wenn Hubschrauber wegen schlechter Witterungsbedingungen nicht eingesetzt werden könne.

+++ 7.24 Uhr: Mexiko führt doppelte Cockpit-Besatzung ein +++

Als Reaktion auf den Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ist auch in Mexiko die Zwei-Personen-Regel in Cockpits eingeführt worden. Falls der Flugkapitän die Kabine verlasse, müsse künftig ein Mitglied der Besatzung seinen Platz einnehmen, sagte Gilberto López von der mexikanischen Flugaufsichtsbehörde. Dadurch solle sichergestellt werden, dass der Pilot nach seiner Abwesenheit wieder ins Cockpit gelassen werde. Die Neuregelung tritt binnen 48 Stunden in Kraft. Auch in Kanada und Australien wurden die Vorschriften dahingehend verschärft.

+++ 7.00 Uhr: Merkel profitiert von Auftritt nach Germanwings-Absturz +++

Laut des sternRTL-Wahltrends kommen CDU/CSU in der Wählergunst auf 42 Prozent – das ist ein Prozent mehr als in der Vorwoche. Als Grund nennt Umfrageleiter und Forsa-Chef Manfred Güllner Angela Merkels Rolle nach dem Germanwings-Unglück: Nach dem Absturz der sei sie gleich an den Unglücksort geeilt, habe und ihr Bild "als Kanzlerin, die sich kümmert" gefestigt.

+++ 6.40 Uhr: Schwierige Identifikation der Opfer +++

Lesen Sie, wie Mediziner versuchen, die sterblichen Überreste der Absturzopfer zu identifizieren.

+++ 0.34 Uhr: Versicherung: Absturzkosten betragen 300 Millionen Dollar +++

Die Allianz rechnet für das abgestürzte Germanwings-Flugzeug Branchenkreisen zufolge mit Kosten für die Versicherer von bis zu 300 Millionen Dollar. Bei der Summe handele es sich um eine vorläufige Schätzung, sagte eine mit den Berechnungen vertraute Person. Der endgültige Betrag könne sowohl darüber als auch darunter liegen. Die Allianz als Hauptversicherer der Maschine habe diese Summe aber zunächst festgelegt. Darüber hatte zuvor auch bereits die Versicherungszeitung "The Insurance Insider" berichtet. Den Hauptteil der Zahlungen machen die Schadenersatzzahlungen für die Passagiere aus. Der Germanwings-Mutterkonzern Lufthansa zahlt den Hinterbliebenen bis zu 50.000 Euro je Opfer als Entschädigung. Hinzu kommen weitere Kosten wie Bergung und der Verlust des Flugzeugs, das aufgrund des Alters von 24 Jahren allerdings nur noch etwa 6,5 Millionen Dollar wert war.

nik/tim/mka/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters