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Rechtsmediziner Michael Tsokos im stern: "Wir geben den Toten ihre Namen zurück"

Der Rechtsmediziner Michael Tsokos über die Identifizierung der Absturzopfer von Flug 4U9525: Welche Rolle Zahnbürsten, Bücher und regionale Mordkommissionen bei seiner Arbeit spielen.

Der Rechtsmediziner Michael Tsokos leitet das Institut für Rechtsmedizin der Berliner Charité

Der Rechtsmediziner Michael Tsokos leitet das Institut für Rechtsmedizin der Berliner Charité

Herr Professor Tsokos, Sie haben die Fotos von der Absturzstelle in den französischen Alpen gesehen und können sich vorstellen, wie schwierig die Bergung der Opfer dort ist. Wie geht man in einem solchen Fall vor?
Die gesamte Absturzstelle wird erst einmal so belassen, wie sie vorgefunden wird. Denn neben der Bergung der Opfer muss auch die Absturzursache akribisch dokumentiert und rekonstruiert werden - dazu werden vor allem 3-D-Kameras eingesetzt, um den "Tatort" abzuscannen. Erst dann können die Leichen oder die Reste von ihnen und die Gepäckstücke eingesammelt werden. Wie heftig die Körper der Passagiere zerschmettert sind, hängt vor allem vom Aufprallwinkel oder von einer möglichen Explosion an Bord ab.

Rechtsmediziner haben nun die Aufgabe, die Absturzopfer zu identifizieren. Werden dazu auch deutsche Spezialisten herangezogen?


Davon gehe ich aus. Das Bundeskriminalamt hat für solche Katastrophen ein Team von erfahrenen Rechtsmedizinern zusammengestellt, das in der Regel dann tätig wird, wenn auch viele Deutsche unter den Opfern sind.

Sie waren im Auftrag des BKA vor mehr als zehn Jahren in Thailand, um bei der Identifizierung der Opfer des verheerenden Tsunamis mitzuhelfen. Wie werden die Leichen - oder auch nur Teile von ihnen - nach einer solchen Katastrophe identifiziert?


Die geborgenen Leichen und Leichenteile werden entweder in einem größeren Institut für Rechtsmedizin oder in einem Krematorium aufgebahrt. Das kann aber auch eine entsprechend hergerichtete Fabrikhalle oder sogar die Turnhalle einer Schule sein, wo mobile Sektionseinheiten mit Computertomografen installiert werden können. Die Tomografen braucht man, um Metallteile wie Herzschrittmacher oder Prothesen zu orten und den Zahnstatus zu dokumentieren.

Zur Identifikation wird auch Material benötigt, um die DNA vermisster Personen zu erhalten und sie mit der DNA der aufgefundenen Leichen abzugleichen. Wer beschafft das?
Da es sich bei den Opfern erst einmal um vermisste Personen handelt, sind in Deutschland dafür die regionalen Mordkommissionen zuständig. Die werden dann bei den Angehörigen vorstellig und lassen sich Kämme, Zahnbürsten, Rasierapparate und andere persönliche Gegenstände aushändigen, auf denen DNA-fähiges Körpermaterial - also biologische Spuren wie Speichel, Hautschuppen oder Haare - zu vermuten ist. Dann bestimmt man daran das individuelle DNA-Profil. Auch Zahnärzte werden aufgesucht, um den Zahnstatus einer vermissten Person zu ermitteln. Selbst Bücher oder Gläser werden mitgenommen, um darauf noch Fingerabdrücke zu sichern. Diese gesamten Ante-mortem-Daten müssen dann mit den vorhandenen Post-mortem-Daten, die vor Ort erarbeitet wurden, abgeglichen werden.

Wie lange dauert eine solche Prozedur?


Wenn von der Unfallstelle alles weggesammelt worden ist, was Körpern zuzuordnen ist, gehe ich davon aus, dass eine Identifikation innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen ist. 150 Tote sind noch eine überschaubare Zahl - wir hatten damals in Khao Lak an der Westküste Thailands in einer Tempelanlage 12.000 Tote zu identifizieren.

Wird die Arbeit der Rechtsmediziner beaufsichtigt und kontrolliert?


Natürlich. Das ist ein transparentes und jederzeit nachvollziehbares Prozedere. Eine Identifizierungskommission besteht nicht nur aus Rechtsmedizinern, sondern auch aus forensisch geschulten Zahnärzten und Kriminalbeamten. Weil die Arbeit vor Ort Schritt für Schritt dokumentiert wird, kann man auch nach Jahren noch die Einzeldaten überprüfen.

Müssen im Notfall auch Angehörige an der Identifikation vor Ort beteiligt werden?


Das ist immer abhängig von den Behörden vor Ort. Aber ich sage: auf keinen Fall. Den Hinterbliebenen einen schwerst traumatisierten Körper zu zeigen wäre unzumutbar.

Sie aber können eine solche Arbeit ohne Probleme verkraften?


Der Umgang mit unbekannten Toten, auch solchen mit übelsten Verletzungen, gehört seit über 20 Jahren zu meinem beruflichen Alltag. Für mich ist das keine Belastung, sondern verschafft mir das Gefühl, noch etwas für die Angehörigen in ihren schwersten Stunden tun zu können - nämlich den Toten ihre Namen zurückzugeben.

Dieses Interview mit Michael Tsokos erschien im stern Nr. 14/2015

Weitere Details und Rekonstruktionen zum Todesflug ...

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Interview: Werner Mathes
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.