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+++ Liveticker zum Papstbesuch +++: Loblied beschließt die Mega-Messe

Die Ankunft in Berlin, die Rede im Bundestag, die Riesenmesse im Olympiastadion, die gerade vorüber ist. Der erste Tag des Papstbesuchs im stern.de-Liveticker zum Nachlesen.

+++ 21.17 Uhr: Der Papst kommt zur Ruhe +++

Knapp elf Stunden nach seiner Landung in Berlin und einem prall gefüllten Tagesprogramm ist Papst Benedikt der XVI. am Abend in der Apostolischen Nuntiatur angekommen. In der Vertretung des Vatikans in Berlin-Neukölln übernachtet der Pontifex, bevor er am Freitagvormittag nach Erfurt weiterfliegt. Vor der Nuntiatur hatten sich mehrere dutzend Demonstranten und Schaulustige versammelt. Es blieb aber ruhig.

+++20:10 Uhr: Der Papst beendet die Messe+++

Das Schlussgebet Benedikts und Gesänge beschließen die gut anderthalbstündige Eucharistiefeier im Olympiastadion. "Großer Gott, wir loben Dich" erschallt aus gut 60.000 Kehlen.

+++19:45 Uhr: Die Riesen-Kommunion+++

Die Heilige Kommunion wird gefeiert. Und was für eine: 18.000 Oblaten werden an Gläubige verteilt - von 800 Priestern. Die heilige Mega-Messe läuft vom Programm ab wie in der kleinsten Kapelle - nur die Dimensionen sind gigantisch.

+++19:25 Uhr: Das Gleichnis vom Weinstock+++

Der Papst predigt. Der Blick ins weite Runde des Stadions erfülle ihn mit "großer Freude und Zuversicht" sagt der Heilige Vater - und referiert über das Gleichnis aus Johannes 15,5. vom Weinstock und den Reben. Weinstock: Christus, Reben: die Gläubigen, die im Weinstock, also in Christus bleiben sollen. Der Papst räumt mit dem Gleichnis ein, dass es Missstände in der Kirche in Deutschland gegeben habe. Diese sollten aber kein Grund sein, Jesus den Rücken zu kehren. Es gelte vielmehr, die schlechten Zweige abzuschneiden, den Weinstock aber zu erhalten.

Es gibt ohnehin allerhand Metaphoriken: Wer die "leidvolle Erfahrung" mache, so Benedikt, "dass es in der Kirche gute und schlechte Fische, Weizen und Unkraut gibt", und seinen "Blick auf das Negative fixiert", verstehe das "große und tiefe Mysterium der Kirche nicht mehr".

Die Predigt dauert etwas mehr als zehn Minuten. Danach gibt es Fürbitten und Gesänge.

+++18:57 Uhr: Der Himmel auf Erden+++

Die Massen sind begeistert. Zwischenzeitlich gibt es sogar "Benedetto". Nach einem "Herr, erbarme Dich", des Heiligen Vaters wird das Gloria gesungen. Dabei wird an die Engel von Bethlehem gedacht. Es geht den Gläubigen darum, den Himmel auf Erden zu bringen. Der Papst bekommt etwas ungewöhnliche Geschenke: einen Helm und ein Gefängnisfenster.

+++18:45 Uhr: Der Geist der Geschichte+++

Woelki spürt den Geist der Geschichte. Der Besuch "eines deutschen Papstes in der deutschen Hauptstadt" sein ein "Jahrhundert-, nein ein Jahrtausendereignis". Zwar besuche der Papst eine Stadt, die auch geprägt sei von Atheismus, aber Berlin sei keine gottvergessene Stadt. Der Erzbischof macht klar: Der Besuch Benedikts wurde von den Katholiken in der "Diaspora" Brandenburgs, Berlins und Mecklenburgs sehnsüchtig erwartet.

+++18:41 Uhr: Frenetischer Beifall+++

Ein erster Höhepunkt der Messe. Berlins Erzbischof Rainer Maria Woelki heißt den Papst bekommen. Zigtausende applaudieren anhaltend - der Applaus wächst sich fast zum Orkan aus.

+++18:32 Uhr: Der Gottesdienst beginnt+++

Vor den 61.000 Gästen im Olympiastadion beginnt der Gottesdienst mit dem Papst. Zahlreiche Spitzenpolitiker, darunter Kanzlerin Merkel, FDP-Chef Rösler und Berlins Bürgermeister Wowereit sind dabei. Viele tragen dünne Regencaps, das Wetter wird schlechter. Zum Auftakt gibt es minutenlang Musik.

+++ 18:10 Uhr: Weniger Gäste als geplant+++

Im Berliner Olympiastadion begrüßt der Papst rund 60.000 Gäste - 9000 blieben mit ihren Tickest zuhause. Im schusssicheren Papamobil fährt der 84-Jährige auf der Innenbahn einen sogenannten Giro, eine Runde, um den Gläubigen zuzuwinken. Er küsst auch Babies dabei. Benedikt XVI. will im Olympiastadion um 18.30 Uhr predigen. Die Polizei meldet "einen regen Zustrom" von Gläubigen zu der Messe.

+++18:05 Uhr: Demos in Berlin+++

Fast zeitgleich mit der Ankunft des Papstes im Olympiastadion ziehen mehrere tausend Demonstranten durch das Zentrum Berlins. Die Polizei spricht von 4000 Teilnehmern, die Veranstalter von 10.000. Zuvor gab es eine Kundgebung am Potsdamer Platz. Ein Bündnis von knapp 70 Organisationen hatte unter dem Motto "Keine Macht den Dogmen" zu der Kundgebung gegen den Papst aufgerufen. Die Demonstranten wollten zur Hedwigskathedrale, der Hauptkirche der Berliner Katholiken, ziehen. Der Protest am Brandenburger Tor war untersagt worden. Laut Polizei ist es friedlich.

+++18:00 Uhr: Juden sind angetan+++

Der Zentralrat der Juden in Deutschland sieht nach einem Treffen mit Benedikt XVI. Fortschritte im Verhältnis zu der katholischen Kirche. Ohne jeden Zweifel habe die Begegnung im Berliner Reichstagsgebäude Impulse für eine neue und vertiefte Beziehung gegeben, sagt der Vorsitzende des Zentralrats, Dieter Graumann, in der ARD.

+++17:50 Uhr: Enttäuschte Künast, frohlockender Brüderle+++

Renate Künast ist enttäuscht. Der Papst habe wichtige Fragen offen gelassen. Dazu gehörten Aussagen zu unterschiedlichsten Lebensentwürfen etwa von Wiederverheirateten, Schwulen und Lesben, sagt die Grünen-Politikerin dem Fernsehsender n-tv. Positiv an der "sehr theoretischen" Rede sei gewesen, dass über die Vernunft und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen als leitende Werte gesprochen worden sei.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle freut sich dagegen unbändig. Benedikt XVI. habe die Abgeordneten in jener Wertebasis für verantwortliches Handeln bestärkt, worauf die inneren Fundamente von Demokratie und Rechtsstaat beruhten. "Das hat er glänzend, in klaren, einfachen Strichen, für jeden verständlich, deutlich gemacht", sagt Brüderle in der ARD.

+++ 17:42 Uhr: "Eine Rede für die Universität"

Bei den Politikern im Bundestag stößt die Rede des Papstes auf ein geteiltes Echo. "Die Rede hätte sehr gut in die Humboldt-Universität gepasst", meint Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe würdigte die Rede hingegen als "sehr wertvolle Orientierung für unser tägliches Tun in der Politik". "Die Mahnung des Papstes, die Gerechtigkeit in allem politischem Bemühen nicht aus den Augen zu verlieren, tut uns allen gut."

+++ 17:35 Uhr: Benedikt zum Nachlesen

Auch die Nachrichtenagenturen tun sich schwer, die Rede des Papstes nachzuzeichnen. Die Deutsche Presseagentur behilft sich damit, den Papst zunächst im Wortlaut wiederzugeben. Einige Kernzitate wollen wir Ihnen nicht vorenthalten:

"Die sich exklusiv gebende positivistische Vernunft, die über das Funktionieren hinaus nichts wahrnehmen kann, gleicht den Betonbauten ohne Fenster, in denen wir uns Klima und Licht selber geben, beides nicht mehr aus der weiten Welt Gottes beziehen wollen. Und dabei können wir uns doch nicht verbergen, dass wir in dieser selbst gemachten Welt im stillen doch aus den Vorräten Gottes schöpfen, die wir zu unseren Produkten umgestalten. Die Fenster müssen wieder aufgerissen werden, wir müssen wieder die Weite der Welt, den Himmel und die Erde sehen und all dies recht zu gebrauchen lernen."

"Ich würde sagen, dass das Auftreten der ökologischen Bewegung in der deutschen Politik seit den 70er Jahren zwar wohl nicht Fenster aufgerissen hat, aber ein Schrei nach frischer Luft gewesen ist und bleibt, den man nicht überhören darf und nicht beiseiteschieben kann, weil man zu viel Irrationales darin findet."

+++ 17:12 Uhr: Die Rede ist vorbei, was bleibt hängen? +++

Nach 20 Minuten ist die Rede des Papstes vorbei. Fast alle Zuschauer dürften die Meinung des ratlosen Fernsehkommentators teilen: "Das war schwere Kost, für den Laien nicht immer verständlich." Auch der eingeladene Experte spricht von einem "theologisch hohen Niveau". Sicher nicht verkehrt, wenn man an Sätze Benedikts denkt wie: "Ein positivistischer Naturbegriff, der die Natur rein funktional versteht, so wie die Naturwissenschaft sie erkennt, kann keine Brücke zu Ethos und Recht herstellen."

Viele Themen, die insbesondere den Laien in der Kirche auf den Nägeln brennen, hat Benedikt XVI. nicht angesprochen: Kein Wort zur Ökumene, nichts zum Zölibat, kein Wort zur Diskussion um weibliche Priester oder die Haltung der Kirche zu sexuellen Themen.

+++ 17:09 Uhr: Benedikt warnt vor Wissenschaft ohne Moral +++

Der Papst warnt auch vor einer Wissenschaft ohne Moral und würdigt die Ökobewegung. Zunehmend setze sich ein Glaube an die technische Machbarkeit durch, der die europäische Kultur bedrohe, sagt der Papst.

+++ 17:05 Uhr: Zeit für ein Späßchen +++

Da sage noch einer, der Papst habe keinen Humor: "Es ist tröstlich, dass man anscheinend auch mit 84 Jahren noch vernünftig denken kann", sagt er. Er bezieht das auf einen großen Denker aus früheren Zeiten - doch auch er selbst ist 84 Jahre alt.

+++ 17.00 Uhr: "Der Mensch kann die Welt zerstören" +++

Direkt geht der Papst nicht auf die Debatten über Stammzellforschung und Präimplantationsdiagnostik ein. Allerdings ist recht offenkundig, was er meint, wenn er betont: "Der Mensch kann die Welt zerstören. Er kann sich selbst manipulieren. Er kann sozusagen Menschen machen und Menschen vom Menschsein ausschließen." Politiker und Wissenschaftler sollen ihre Entscheidungen daher auch moralisch bedenken. Auch mahnt er an, dass die Würde des Menschen keine Frage der Mehrheit sei.

+++ 16:50 Uhr: Benedikt fordert Verantwortung ein +++

In seinen ersten Worten wendet sich Benedikt an die vor ihm sitzenden Politiker. Er fordert sie auf, sich in ihrer Arbeit nicht auf persönlichen Erfolg, sondern auf Gerechtigkeit zu konzentrieren.

+++ 16:41 Uhr: Lammert weist auf unvollendete Ökumene hin +++ Benedikt

Wie schon Bundespräsident Wulff macht auch Bundestagspräsident Norbert Lammert den Papst auf unerledigte Aufgaben in seiner Kirche aufmerksam. Viele Menschen wünschten sich, "dass im Pontifikat eines deutschen Papstes, des ersten nach der Reformation, nicht nur ein weiteres Bekenntnis zur Ökumene, sondern ein unübersehbarer Schritt zur Überwindung der Kirchenspaltung stattfände".

Der Katholik Lammert hatte sich Anfang des Jahres in Rom unbeliebt gemacht, indem er sich für eine Lockerung des Zölibats aussprach. Zusammen mit weiteren namhaften CDU-Politikern hatte er in einem Brief an die deutschen Bischöfe angeregt, sich beim Vatikan für die Weihe von verheirateten Männern zu Priestern einzusetzen

+++ 16:37 Uhr: Applaus für den Papst +++

Was wird der Papst gleich sagen? Nicht nur die Abgeordneten des Bundestages sind gespannt. Trotz mancher Misstöne im Vorfeld spenden die Politiker vor seiner Rede drei Minuten fleißig Applaus.

+++ 16:30 Uhr: Benedikt trifft im Reichstag ein +++

Mit ein paar Minuten Verspätung ist Benedikt XVI. im Reichstagsgebäude eingetroffen. Er wird von Bundestagspräsident Norbert Lammert und verschiedenen anderen Politikern begrüßt. Die Linkspolitikerin Petra Pau scheint vom Papst besonders ergriffen. Sie verbeugt sich im Gespräch gleich mehrmals vor dem Kirchenoberhaupt. Für ihre Partei, die zuletzt vor allem durch Geburtstagsgrüße an Fidel Castro von sich reden machte, ist das sicher gewöhnungsbedürftig.

+++ 16:20 Uhr: Auch CSU-Politiker Geis verurteilt Kondome +++

Dass der Papst Kondome nur "in begründeten Einzelfällen" gutheißt, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Kritiker reiben sich regelmäßig daran. Zumindest der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis sieht die Lage anscheinend wie der Papst. Während der Aufzeichnung der Sendung "Studio Friedman" sagte Geis: "Kondome vermehren das, was Aids auslöst, nämlich Promiskuität. Die Ursache für Aids ist nämlich, dass einer von Bett zu Bett springt." Kondome hätten eine Fehlerquote von mindestens fünf Prozent. "Das heißt, wenn ich einem empfehle, Kondome zu nehmen, dann muss er immer damit rechnen, dass er zu fünf Prozent sein Todesurteil bekommt", sagte Geis laut Vorabmitteilung des Senders.

+++ 16:00 Uhr: Benedikt redet als 13. Staatsoberhaupt +++

Mehr als 30 ausländische Prominente haben bislang vor dem Bundestag gesprochen. Papst Benedikt XVI. ist als Chef des Vatikanstaats das 13. ausländische Staatsoberhaupt, das im deutschen Parlament redet. Eigentlich eine Unglückszahl, doch der Papst hat es ja in der Hand, seine Kritiker eines besseren zu belehren. Zuletzt hatte der israelische Präsident Schimon Peres im Januar 2010 seinen Auftritt.

Wer vor dem Bundestag sprechen darf, entscheidet der Ältestenrat des Parlaments. Das 29-köpfige Gremium, in dem alle Fraktionen vertreten sind, stimmte einem Vorschlag von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) zu, den Papst für eine Rede einzuladen.

+++ 15:40 Uhr: Bio-Bier für Benedikt +++

Der Besuch von Benedikt XVI. hat ein Berliner Brauhaus zu einem "Papstbier" inspiriert. Das Bio-Pils wurde während der Reifung mit gregorianischen Chorälen "bespielt und beseelt", schwört der Chef des Brauhauses Südstern, Helmut Kurschat . Unerklärlicherweise blieb das Bier dennoch "schön herb".

Das Brauhaus liegt nur einen Steinwurf von der Apostolischen Nuntiatur in Neukölln entfernt, in der der Papst bei seinem Berlin-Besuch übernachten wird. Das Bier sei daher eine Idee im "Zeichen der guten Nachbarschaft".

+++ 15:22 Uhr: "Ein guter Anfang für den Papst"

Rund fünf Stunden nach seiner Landung beginnt bereits die PR-Arbeit. Vatikansprecher Federico Lombardi bezeichnet die bisherige Atmosphäre als sehr positiv. "Das war wirklich ein guter Anfang für uns und den Papst", sagt er. Auch der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, lobt die "gute Atmosphäre", in der die Papstreise begonnen habe.

+++ 15:13 Uhr: Vatikan lobt kritische Anmerkungen +++

Vatikansprecher Lombardi lobt die Rede von Bundespräsident Wulff zum Empfang des Papstes als "klar und ehrlich". Das könnte man zwar auch über jeden gewöhnlichen Ehestreit sagen, doch Lombardi betont, der Papst habe Wulffs Worte "sehr geschätzt". Dies habe Benedikt dadurch gezeigt, dass er die Ansprache abweichend von seinem Redemanuskript als "tief" bezeichnet habe. Wulff hatte in seiner Rede heikle Themen wie den Ausschluss wiederverheirateter Geschiedener von der Kommunion (betrifft ihn selbst) und Probleme in der Ökumene angesprochen.

+++ 14:51 Uhr: Der Papst macht ein Nickerchen +++

Nach dem Mittagessen mit dem Päpstlichen Gefolge ist es ruhig geworden. Was das geistliche Oberhaupt gerade macht, ist nicht sicher. Der Kommentator tippt darauf, dass der Papst sein Mittagsschläfchen nachholt, das er gewöhnlich schon etwas früher abhält. Wahrscheinlich hat er damit recht: Es liegt auf der Hand, dass sich der 84-Jährige vor seiner Rede im Bundestag noch einmal ausruht.

+++ 14:20 Uhr: Mahlzeit, Heiliger Vater! +++

Verschnaufpause für den Papst: Nach seinem Treffen mit Kanzlerin Merkel darf sich der Heilige Vater nun erstmal stärken. Auf dem Programm ist ein Mittagessen mit dem Päpstlichen Gefolge in der Katholischen Akademie vorgesehen. Zu essen gibt es Saibling und Amalfizitrone mit Mandelstaub sowie Rinderbrust mit Rosmarin und Gartenbohnen. Als Dessert: Halbflüssiger Frankfurter Pudding mit Haselnuss und Sauerampfereis.

+++ 14:12 Uhr: Stille Stadt +++

Wie ist eigentlich die Stimmung in der Hauptstadt? Nehmen die Berliner den Papst-Besuch wichtig, oder ist er ihnen gleichgültig? Am Alexanderplatz, dem quirligen Zentrum im Osten, ist jedenfalls kein Hinweis auf die Anwesenheit Benedikts zu finden. Der Polizei-Hubschrauber am Himmel fällt kaum auf. Die meisten Menschen hetzen zu den Bahnhöfen, sie schauen eher zur Uhr als nach oben. Der Souvenirladen am Fuß des Turms führt auch heute keine Papst-Artikel, nicht mal Postkarten. Lohnt sich nicht, wie die Verkäuferin sagt. "Das interessiert doch höchstens heute, sonst nicht."

Am Brandenburger Tor, wo weiß-gelbe Vatikan-Fahnen wehen, wartet eine drei Meter große Nonnenfigur auf den Pontifex. In der einen Hand hält sie ein Kreuz, in der anderen einen Schlagstock, auf ihrer Brust steht "Nie wieder". Mit dieser Figur wollen frühere Heimkinder auf das Leid aufmerksam machen, das sie in kirchlichen Einrichtungen erdulden mussten. Aber auch die Skulptur geht in der allgemeinen Betriebsamkeit ziemlich unter. Fazit: Aufmerksame Zeitgenossen könnten entdecken, dass Benedikt in der Hauptstadt weilt. Von großen Protesten oder Jubelstürmern ist aber nichts zu sehen.

+++ 13:50 Uhr: Zeit für Geschenke +++

Von der Kanzlerin erhält der Papst ein jahrhundertealtes Notenblatt mit gregorianischen Gesängen aus einem deutschem Messbuch. Papst Benedikt XVI. schenkt eine Majolika, ein speziell angefertigtes keramisches Kunsthandwerk, mit einem Brunnenmotiv.

+++ 13:48 Uhr: Merkel spricht mit Benedikt über Finanzkrise +++

Nach und nach sickern immer mehr Einzelheiten des Gesprächs zwischen Angela Merkel und dem Ponitifex durch. Merkel hat dabei, wie sie sagt, den Anspruch der Politik zur Bewältigung der Finanzkrise betont. Sie habe mit dem Papst über die Finanzmärkte gesprochen und "über die Tatsache, dass die Politik schon die Kraft haben sollte, für die Menschen zu gestalten und nicht getrieben zu sein". Dies sei eine "sehr große Aufgabe in der Zeit der Globalisierung".

+++ 13.20 Uhr: Papst interessiert am Thema Europa +++

Der Papst habe sich insbesondere am Thema Europa und europäische Einigung interessiert gezeigt, sagt Merkel nach dem Gedankenaustaustausch, an dem auch ihr Mann Joachim Sauer teilnahm. "Europa interessiert den Papst sehr", betont die Kanzlerin. Sie habe deutlich gemacht, dass die europäische Vereinigung für Deutschland unverzichtbar sei. Sie bedeute Wohlstand, Demokratie und Freiheit.

+++13:00 Uhr: Die Kanzlerin empfängt den Oberhirten +++

Pünktlich auf die Minute begrüßt Kanzlerin Angela Merkel den Papst. Allerdings empfängt sie Benedikt nicht im Bundeskanzleramt, sondern in der Repräsentanz der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin.

+++ 12:50 Uhr: Linken-Politiker lehnt Papstrede ab +++

Mediale Begleitmusik: Während des Papstbesuchs geben auch seine Kritiker fleißig Interviews. So auch Jan Korte, der für die Linken im Bundestag sitzt. Er spricht sich gegen die Haltung der Kirche zu Kondomen aus, die empfängnisverhütende Mittel weitestgehend ablehnt. "Diese Position teile ich nicht mal ansatzweise", sagt Korte. Durch das Verbot behindere der Papst den Kampf gegen Aids.

Der Politiker spricht sich auch gegen Reden von Religionsführern im Bundestag aus. "Ich bin nicht nur dagegen, dass der Papst im Bundestag redet. Ich finde es gilt für alle religiösen Oberhäupter." Da nach der Rede Benedikts keine Aussprache vorgesehen sei, hätten die Abgeordneten "keine Chance, darauf zu antworten," so Korte weiter. Deshalb sei es gut, wenn andere versuchten "auf der Straße ihre Kritik an Positionen des Papstes deutlich zu machen".

+++ 12:34 Uhr: Höchste Sicherheitsstufe +++

Während des Papst-Besuchs gilt die höchste Sicherheitsstufe: Insgesamt 6000 Polizisten werden das Oberhaupt der katholischen Kirche schützen. Besonders nah wird der Papst auf seinem Weg durch Berlin den Menschen allerdings nicht kommen: Die Bewohner der Häuser, die auf seinem Weg liegen, dürfen nicht auf ihren Balkon treten, um ihm zu winken. Wie immer sind auch alle Gullideckel verschweißt, damit keine Bombe darunter versteckt werden kann.

+++ 12:19 Uhr: Papst verlässt Schloss Bellevue +++

Der Reisetross zieht weiter: Was Wulff und Benedikt XVI. beredet haben, wird wohl geheim bleiben. Mit einem Lächeln auf den Lippen, aber ohne weitere Äußerung verabschieden sich der Bundespräsident und das Kirchenoberhaupt. Der päpstliche Heimattross setzt sich in Bewegung, gegen 13 Uhr soll Benedikt mit Kanzlerin Merkel sprechen. Mit ihr ist der Papst in der Vergangenheit aneinandergeraten: Sehr zum Verdruss der deutschen Kirchenvertreter hatte Merkel im Streit um den Holocaust-Leugner Richard Williamson auch Benedikt kritisiert. Angeblich wurden die Differenzen damals in einem Telefonat bereinigt, so genau weiß man das aber natürlich nicht.

+++12:05 Uhr: Vier-Augen-Gespräch mit Wulff +++

Seit rund 20 Minuten ist der Papst abgetaucht: Im Amtszimmer des Bundespräsidenten spricht er mit Christian Wulff unter vier Augen. Nach der mit kritischen Seitenhieben gespickten Begrüßungsrede des Katholiken Wulff dürfte ihnen der Gesprächsstoff nicht ausgehen.

+++ 11:44 Uhr: Papst verlangt Wiederentdeckung der Grundwerte +++

Nachdenkliche Worte: Mit Blick auf die deutsche Geschichte sagt der Papst, der klare Blick auch auf ihre dunklen Seiten ermögliche es, aus der Vergangenheit zu lernen. Die Bundesrepublik sei durch die Verantwortung vor Gott und die Kraft der Freiheit zu dem geworden, was sie heute ist. In seiner Rede im Garten von Schloss Bellevue fordert er zudem eine "kulturelle Erneuerung" in einer Welt, "die der Wiederentdeckung von Grundwerten bedarf".

+++ 11:38 Uhr: Past beklagt "zunehmende Gleichgültigkeit" +++

"Ich bin nicht hierhergekommen, um politische Ziele zu erreichen, sondern um mit den Menschen über Gott zu sprechen", sagt der Papst in seiner ersten offiziellen Rede auf der Reise. Er beklagt die "zunehmende Gleichgültigkeit der Religion gegenüber". Freiheit bedürfe auch der Religion, der Rückbindung an höhere Werte, die nicht manipulierbar seien. Im menschlichen Miteinander gebe es Freiheit nicht ohne Solidarität. Das gelte nicht nur für den Privatbereich, sondern auch für die Gesellschaft."Es bedarf für unser Zusammenleben einer verbindlichen Basis, sonst lebt jeder nur noch seinen Individualismus", mahnt der Papst.

+++ 11:25 Uhr: Wulff wird deutlich +++

Für Diplomatensprache wird Bundespräsident Wulff ungewohnt deutlich: Deutschland sei ein Land, "in dem der christliche Glaube sich nicht mehr von selbst versteht, in dem die Kirche ihren Ort in einer pluralen Gesellschaft neu bestemmen muss. Auch hier in unserer Bundeshauptstadt Berlin, wo Ihre Reise beginnt, ist das spürbar", sagt er. Wichtig sei, dass die Kirchen den Menschen nahe blieben, dass sie sich trotz Sparzwängen und Priestermangel nicht auf sich selbst zurückzögen.

"Kirche ist keine Parallelgesellschaft. Sie lebt mitten in dieser Gesellschaft, mitten in dieser Welt und mitten in dieser Zeit", sagt Wulff. Deshalb stelle sich auch immer wieder die Frage: "Wie barmherzig geht sie mit den Brüchen in den Lebensgeschichten von Menschen um? Wie mit den Brüchen in ihrer eigenen Geschichte und mit dem Fehlverhalten von Amtsträgern?" Der Katholik Wulff ist selbst in zweiter Ehe verheiratet und somit von der Kommunion ausgeschlossen.

+++ 11:15 Uhr: Die Soutane fliegt +++

Irgendwie kann er einem auch leid tun: Der Pontifex Maximus ("oberster Brückenbauer") ist auf Schloss Bellevue eingetroffen und muss nun eine besonders lange Gästereihe abschreiten. Rund 40 Hände werden geschüttelt, dann beginnt die militärische Zeremonie, die deutsche Nationalhymne erklingt. Willkommen zu Hause, Heiliger Vater", sagt Wulff im Garten seines Amtssitzes.

+++ 11:10 Uhr: "Proteste sind normal" +++

Vor Kurzem ist bekannt geworden, was der Papst über die Opposition gegen seinen Deutschlandbesuch denkt. "Das ist normal in einer freien Gesellschaft", sagte er auf dem Weg nach Berlin. Dagegen sei nichts zu sagen, solange man auf friedliche Weise protestiere. "Ich komme freudig nach Deutschland", betonte er. Er sei in Deutschland geboren, "die Wurzel kann und soll nicht abgeschnitten werden".

+++ 10:55 Uhr: Besser nicht nachfragen +++

Aus kirchlicher Sicht wird Benedikt XVI. ab jetzt beide Augen fest zudrücken müssen, denn die Repräsentanten Deutschlands weisen in seinen Augen wohl gravierende Mängel auf. Bundespräsident Christian Wulff ist geschieden und hat erneut geheiratet, was ihn nach offizieller Lesart der Kirche vom Abendmahl ausschließt. Die Kanzlerin (ebenfalls wiederverheiratet) und Außenminister Guido Westerwelle sind Protestanten. Sie gehören somit einer Gemeinschaft an, die dem Papst zufolge "nicht Kirche im eigentlichen Sinne" ist. Überhaupt könnte der Papst den bekennenden Homosexuellen Westerwelle sowie Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit ("Ich bin schwul, und das ist auch gut so") direkt zur Enthaltsamkeit auffordern - und damit der herschenden Haltung der Kirche entsprechen.

+++ 10:47 Uhr: Sicherheitsstufe 1 +++

Was für ein Aufwand: Rund 20 Polizisten auf Motorrädern, Polizeibusse und zahlreiche Limousinen bringen den Papst ins Schloss Bellevue, den Amtssitz des Bundespräsidenten. Der Luftraum wird durch Kampfflugzeuge und Polizeihelikopter gesichert.

+++ 10:40 Uhr: Fleißigges Händeschütteln +++

Nun gilt es viele Hände zu schütteln: Zunächst ist Bundespräsident Christian Wulff und seine Ehefrau Bettina an der Reihe, anschließend gibt er Kanzlerin Angela Merkel die Hand. Auch Familienministerin Kristina Schröder und kirchliche Würdenträger stehen bereit. Die notorische Begrüßung durch ein paar kleine Kinder darf natürlich ebenfalls nicht fehlen.

+++ 10:35 Uhr: Der Papst ringt um ein Lächeln +++

Der von vielen Katholiken mit Spannung erwartete Moment ist gekommen: Die Tür des Fliegers hat sich geöffnet, Papst Benedikt XVI. tritt heraus. Der Sprecher im Fernsehen behauptet, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche lächelt, mit Sicherheit lässt sich das aber nicht sagen.

+++10:30 Uhr: Der rote Teppich wird geglättet +++

Allerletzte Vorbereitungen: Die Maschine des Papstes steht auf dem Rollfeld, doch die Tür hat sich noch nicht geöffnet. Ein Wachbataillon der Bundeswehr marschiert auf, um den Papst mit Salut-Schüssen zu begrüßen. Währenddessen versuchen Arbeiter, den roten Teppich zu glätten und von Stolperfallen zu befreien, damit der 84-Jährige auf seinem Weg nicht stürzt.

+++ 10:17 Uhr: Papst landet in Berlin +++

Papst Benedikt XVI. ist in Berlin eingetroffen. Die Maschine aus Rom ist gerade auf dem Flughafen Tegel gelandet.

+++ 10:10 Uhr: Der rote Teppich liegt bereit +++

Der rote Teppich ist am Flughafen ausgerollt. Weil der Papst erst in ein paar Minuten eintreffen soll, wird der Teppich nochmal schnell gefegt.

+++ 10:08 Uhr: "Benedikt weiß um die Stimmung in Deutschland" +++

Offenbar macht sich der Papst keine Illusionen über die unterschiedlichen Meinungen zu seinem Besuch. "Benedikt XVI. weiß um die geteilte Stimmung in Deutschland", sagte der Vatikan-Sprecher Federico Lombardi der "Bild"-Zeitung. "Er weiß, dass viele ihn mit einer sehr positiven Haltung erwarten, und dass es andere gibt, die ihm sehr kritisch zuhören werden."

+++ 9:59 Uhr: Papst auf dem Weg nach Deutschland +++

Papst Benedikt XVI. ist vor etwas mehr als einer Stunde nach Deutschland aufgebrochen. Gegen 10.30 Uhr wird er von Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Berliner Flughafen Tegel empfangen. Es ist zwar der dritte Besuch des Papstes seit seiner Amtsübernahme in der deutschen Heimat, aber es ist der erste offizielle Besuch als Staatsoberhaupt des Vatikan. Daher wird er mit militärischen Ehren empfangen werden. Vier Tage wird der Papst in Deutschland weilen. Auf seinem Besuchsprogramm stehen die Städte Berlin, Erfurt und Freiburg sowie das Thüringer Eichsfeld.

chs/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(