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+++ Liveticker zum Papstbesuch +++: Papst trifft Missbrauchsopfer

Das Abendgebet in Etzelsbach ist zu Ende. 90.000 Pilger feierten die Marienvesper mit Benedikt XVI., der per Helikopter seine nächste Station anfliegt. Verfolgen Sie den Papstbesuch im Liveticker.

+++ 21.02 Uhr: Überraschender Termin am Abend +++

Überraschend teilte die Deutsche Bischofskonferenz mit, dass Papst Benedikt XVI. sich am Freitagabend in Erfurt mit Opfern sexuellen Missbrauchs getroffen hat. Der Papst habe "bewegt und erschüttert von der Not der Missbrauchsopfer" sein tiefes Mitgefühl und Bedauern bekundet für alles, was ihnen und ihren Familien angetan wurde, hieß es in der Mitteilung. Im Anschluss an dieses Gespräch habe der Papst einige Menschen begrüßt, die sich um die Opfer sexuellen Missbrauchs kümmern.

+++ 20.29 Uhr: Einfachste Unterkunft für den Papst +++

Die Übernachtungskosten in Erfurt sind es nicht, die den Papstbesuch so teuer machen: Benedikt XVI. übernachtet äußerst bescheiden. Der 84-Jährige schläft im Priesterseminar im Zimmer eines Priesterschülers: Ein einfaches Bett, ein Schreibtisch, ein Schrank mit eingebautem Sanitärbereich, Bücherschrank, kein Fernseher. Nur etwa zehn Quadratmeter groß ist das Zimmer. Der Seminarist, der dort normalerweise wohnt, ist wie alle anderen auch für die Zeit des Papstbesuches ausgezogen. Auch das Frühstück wird das Oberhaupt der katholischen Kirche mit seinem Gefolge in einem schmucklosen Speisesaal einnehmen. Nach Bistumsangaben steht nichts Außergewöhnliches auf dem Buffet.

+++ 19.54 Uhr: Helikopter bringt den Heiligen Vater nach Erfurt +++

Nach der Marienvesper im thüringischen Etzelsbach bringt ein Helikopter Papst Benedikt XVI. zurück nach Erfurt. In der Landeshauptstadt übernachtet der 84-Jährige im Priesterseminar. Am Samstag will er auf dem Erfurter Domplatz eine Heilige Messe zelebrieren, bevor er zur letzten Station seines Deutschlandbesuchs nach Freiburg weiterfliegt.

+++ 19:10 Uhr: Abschlusssegen und Rosenkranz für Etzelsbach +++

Papst Benedikt XVI. spricht den sakramentalen Segen auf Lateinisch. Es folgt eine Segnung der Pilger mit dem Allerheiligsten, während die Ministranten die Glocken läuten. Als Zeichen seiner Dehmut vor Gott kniet Papst Benedikt vor dem Allerheiligsten Christi nieder. Die Sonne in Etzelsbach verschwindet allmählich hinter dem Horizont. Einige der Kardinäle, die ihre Kappen niedergelegt hatten, setzen sie wieder auf. Mit dem Schlussgesang geht die Vesper zu Ende. Der Papst überreicht den Eichsfeldern nun einen Rosenkranz - für die zukünftigen Pilger der Wallfahrtsstätte.

+++ 19:00 Uhr: "Vater Unser" in der Muttersprache +++

Nachdem Gläubige ihre Fürbitten bereits in ihrer Landessprache vorgetragen haben, beten die 90.000 Anwesenden nun das Vater Unser, jeder individuell in seiner Muttersprache. Die Aussetzung des Allerheiligen beginnt, als besondere Form des Segens. Dabei liegt eine Hostie in einem goldenen Kästchen, welches auf den Altar gestellt wird. Benedikt hat seine Scheitelkappe abgenommen, zum Zeichen, dass Gott in besonderer Weise anwesend ist. Die Gemeinde betet nun in Stille vor dem Allerheiligsten.

+++ 18:55 Uhr: Lobpreis Marias +++

Nach einem kurzen Moment der stillen Besinnung erreicht die Vesper nun ihren Höhepunkt: die Lobpreisung Marias. Während der Chor singt, bereitet Papst Benedikt den Weihrauch für die Gemeinde vor - er symbolisiert die Anwesenheit Gottes, das Wehen des Heiligen Geistes.

+++ 18:48 Uhr: Benedikt spricht zu den Gläubigen +++

Papst Benedikt XVI. wendet sich nun persönlich an die Gläubigen. Er spricht von der Mutter Maria und ihrer Bedeutung für die Christen. Er nimmt eine Deutung des Gnadenbildes von Etzelsbach vor, legt Besonderheiten der Darstellung dar. "Die Herzen Jesu und seiner Mutter sind einander zugewandt. Wir wissen doch, dass das Herz das Organ des innigsten Mitgefühls ist", sagt Benedikt. Maria ist eine Symbolfigur für das Mitgefühl, des Leids, der tiefen und vorbehaltlosen Einheit der Liebe. Papst Benedikt mahnt auch vor Egoismus.

+++ 18:40 Uhr: Lesung aus dem Römerbrief +++

Nun folgt eine kurze Lesung aus dem Römerbrief. Andächtige Stille unter den 90.000 Anwesenden. Eine lange Pause zu Ende der Lesung sorgt für einen Moment der Verwirrung. Bald folgt die Rede des Papstes selbst.

+++ 18:25 Uhr: Loblieder auf Deutsch und Lateinisch +++

Nun singen die Mitglieder des Chors diverse Psalmen auf Deutsch und Lateinisch, darunter "laudate omnes gentes". Die Gemeinde antwortet im Zusammenspiel mit dem Chor und den Solosängern. Das erste Lied zum Lob Marias wurde gleichzeitig in Deutsch und Lateinisch gesungen, was sehr ungewöhnlich ist. Die Psalmengesänge werden von einem großen Orchester begleitet.

+++ 18:20 Uhr: Bürger sprechen zum Papst +++

Gläubige Bewohner der Region treten nun nacheinander vor den Papst und tragen ihm selbst verfasste Botschaften vor. Sie tragen Gedanken zu ihrem Glauben vor und zeigen Papst Benedikt, wie das Eichsfeld den christlichen Glauben lebt und bringen Fürbitten dar. Nach der Rede bringen die Bürger dem Papst Gastgeschenke aus der Region.

+++ 18:20 Uhr: Merkel äußert sich zur Ökumene +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das Treffen von Papst Benedikt XVI. mit den Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) als deutliches Zeichen für die Gemeinsamkeiten der Christen bezeichnet. "Ich finde, alleine die Tatsache, dass es diese ökumenische Andacht gegeben hat, ist ja ein Bekenntnis zur Ökumene", sagte Merkel im ZDF.

+++ 18:15 Uhr: Festliches Gewand für den Papst +++

Papst Benedikt trägt zur Vesper ein für diesen Anlass extra angefertigtes Gewand aus Purpur - der Farbe der Könige. Unter tosendem Applaus wurde das Oberhaupt der katholischen Kirche begrüßt.

+++ 18:05 Uhr: Glockengeläut eröffnet Vesper in Etzelsbach +++

Mit Pauken und Trompeten beginnt die Vesper mit Papst Benedikt XVI. im beschaulichen Etzelsbach. Sämtliche Lieder, die während der Vesper gespielt werden, wurden eigens für den heutigen Tag komponiert. Bei strahlendem Sonnenschein fährt das Papamobil vor.

+++ 18:00 Uhr: Unfall am Rande des Papst-Besuchs +++

Bei einem Traktorunglück auf dem Weg zum Gottesdienst mit Papst Benedikt XVI. in Etzelsbach sind fünf Pilger verletzt worden. Zwei von ihnen, ein vier Monate altes Baby und eine Frau, hätten schwere Verletzungen erlitten, sagte ein Polizeisprecher. Die beiden Schwerverletzten wurden per Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen. Der Traktor, auf dem zehn Pilger im Alter zwischen vier Monaten und 55 Jahren saßen, war umgestürzt. Am Steuer des Gefährts saß ein 53 Jahre alter Mann. Gegen ihn wird wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

+++ 17:45 Uhr: Der Papst ist da +++

Der Helikopter mit Papst Benedikt XVI. ist auf einem Feld an der thüringischen Wallfahrtskapelle Etzelsbach gelandet. Das Oberhaupt der katholischen Kirche kam aus Erfurt. Nun will der Papst in Etzelsbach vor rund 90.000 Pilgern eine Marienvesper feiern und damit auch die Standhaftigkeit der katholischen Christen in der DDR würdigen. An der Vesper nimmt auch Bundespräsident Christian Wulff teil.

+++ 17:31 Uhr: Lob vom Kardinal +++

Die Marienfigur in der Wallfahrtskapelle von Etzelsbach hat einen berühmten Bewurnderer "Die Pietà dort liebe ich mehr als die Madonna von Michelangelo im Petersdom zu Rom", sagte der Kölner Kardinal Joachim Meisner am Freitag vor der Beginn der großen Marien-Vesper.

+++ 17:11 Uhr: Papst toleranter als seine Kritiker? +++

Baden-Württembergs Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) hält Papst Benedikt XVI. für aufgeschlossener als manche seiner Kritiker. "Der Papst wurde von einem geschiedenen Bundespräsidenten begrüßt, durfte sich bei einem homosexuellen Bürgermeister ins goldene Buch eintragen und trifft sich in Freiburg mit einer muslimischen Ministerin", sagte Öney am Freitag.

Streng genommen hätte der Papst weder Bundespräsident Christian Wulff noch Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit die Hand schütteln dürfen, sagte Öney. "Das beweist, dass die Kirche lernfähig ist und mit der Zeit gehen muss." Die harsche Kritik mancher Demonstranten und Bundestagsabgeordneten am Papst sei "viel reaktionärer und völlig überzogen" gewesen.

+++ 16:49 Uhr: Papst soll keinen Staub aufwirbeln +++

Das trockene Wetter mit strahlendem Sonnenschein stellt die Organisatoren auf dem Papst-Pilgerfeld in Etzelsbach vor Herausforderungen gestellt. Die hinter der Altarbühne eingerichteten zwölf Landeplätze für Helikopter sind mit Wasser besprengt worden. Damit wollen die Veranstalter verhindern, dass die landenden Hubschrauber auf den trockenen Feldern Staub aufwirbeln. Schließlich soll nichts die Papst-Ankunft gefährden oder die Sicht auf dem Pilgerfeld eintrüben.

+++ 16:24 Uhr: Zehntausende auf dem Pilgerfeld +++

Auf dem Pilgerfeld steigt die Spannung: Nach Schätzungen von Polizei und Sicherheitsdienst haben sich auf dem Feld im thüringischen Etzelsbach mehr als 40.000 Menschen eingefunden. Bereits am am frühen Nachmittag waren die Pilgerwege von Bahnhöfen und dem gesperrten Autobahnabschnitt voll, die Schlangen an den Kontrollpunkten waren beträchtlich. Das Bistum Erfurt erwartet mehr als 60.000 Gottesdienstbesucher, wenn Papst Benedikt XVI. die Marien-Vesper kurz vor 18 Uhr eröffnen will.

+++ 16:11 Uhr: 2,5 Millionen schauen Papst +++

Der Besuch des Papstes in Deutschland lockte bisher überwiegend Katholiken vor die Fernseher. Den Auftritt von Benedikt XVI. vorm Bundestag und im Berliner Olympiastadion, den zwischen 16 Uhr und 20.45 Uhr in der ARD durchschnittlich 2,49 Millionen Menschen (Marktanteil: 13,5 Prozent) verfolgten, sahen 1,19 Millionen Katholiken (21,8 Prozent) und 900 000 Protestanten (12,5Prozent), wie die Marktforschungsfirma Media Control in Baden-Baden ermittelte. 390 000 Menschen ohne Konfession oder anderen Glaubens saßen bei den Veranstaltungen vor den Bildschirmen.

+++ 15:54 Uhr: Teure Stippvisite +++

Der 25-stündige Besuch von Benedikt XVI. in Thüringen wird kostet das Bistum Erfurt elf Millionen Euro. Mehr als die Hälfte der Kosten fielen beim Bau des Etzelsbacher Pilgerfeldes an, wo der Papst am späten Nachmittag einen Gottesdienst halten wird. Zudem müssen die Veranstalter für die Sperrung der Autobahn, Shuttleservice, Hubschrauberlandeplätze und Helferverpflegung aufkommen. 2,5 Millionen Euro gibt das Bistum für die Eucharistiefeier in Erfurt aus. Die Bühnen in beiden Orten schlagen mit 850.000 Euro zu Buche, die beiden Pressezentren mit 390 000 Euro.

+++ 15:25Uhr: Missbrauchsopfer demonstrieren +++

Wie schon am Donnerstag in Berlin haben auch in Erfurt Missbrauchsopfer am Rande des Papstbesuchs in Erfurt demonstriert und eine weitere Aufarbeitung von sexuellen Vergehen katholischer Priester gefordert. Seit dem Skandal im vergangenen Jahr habe sich nichts geändert, sagte Teilnehmer Wilfried Fesselmann.

Er und drei weitere Mitglieder der internationalen Organisation Snap, erinnerten bei einer Mahnwache in der Erfurter Innenstadt an Selbstmordopfer in ihren Reihen. Fesselmann hatte laut eigenen Worten den Papst um ein Gespräch während des Besuches gebeten, die Deutsche Bischofskonferenz habe dies abgelehnt.

Fesselmann wurde nach eigenen Angaben 1979 im Alter von elf Jahren in Essen missbraucht. "Mein Peiniger wurde damals wegen mehreren Missbrauchsfällen vom heutigen Papst versetzt. Damit war die Sache für die Kirche erledigt."

+++ 15:05 Uhr: Bettina Wulff fehlt bei Papstbesuch +++

Bundespräsident Christian Wulff begleitet den Papst nun alleine weiter: First Lady Bettina Wulff ist krank. Ein grippaler Infekt habe ihre Reise nach Thüringen verhindert, hieß es. Bettina Wulff hatte Benedikt am Donnerstag zum Auftakt des Besuchs am Flughafen begrüßt und dann offiziell im Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, willkommen geheißen. Frau Wulff ist evangelisch, ihr Mann katholisch.

+++ 15:00 Uhr: EKD freut sich über Würdigung Luthers +++

Trotz des Dämpfers von Papst Benedikt XVI: Die Spitze der evangelischen Kirche hat die Würdigung des Reformators Martin Luther durch Papst Benedikt XVI. begrüßt. "Ich freue mich sehr, dass Papst Benedikt XVI. das grundsätzliche Anliegen der Theologie Martin Luthers so prominent herausgestellt (...) hat", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider.

"Papst Benedikt hat betont, dass der Glaube auf der Grundlage der vielen Gemeinsamkeiten beider Kirchen heute neu gedacht und neu gemeinsam gelebt werden müsse. Daran wollen wir in Zukunft gerne aufbauen und anknüpfen."

+++ 14:50 Uhr: Pressekonferenz zur Ökumene beendet +++

Die Pressekonferenz zur Ökumene in Erfurt ist beendet. Bei der Konferenz hatten sich Vertreter sowohl der evangelischen als auch der katholischen Kirche nochmals dazu geäussert, dass Papst Benedikt einem gemeinsamen Abendmahl der beiden christlichen Glaubensrichtungen eine Abfuhr erteilt hatte. Keine Annäherung an die Protestanten also. Gerade darauf hatten aber viele ihre Hoffnungen gesetzt - auch, weil Papst Benedikt mit dem Gottesdienst im Augustinerkloster eine ehemalige Wirkugsstätte Luthers besucht hatte. Heute Abend um 18 Uhr weilt der Papst dann Etzelsbach - um die Marianische Vesper zu feiern.

+++ 14:40 Uhr: Pressekonferenz neigt sich dem Ende +++

Zwei letzte Fragen noch, dann ist die Pressekonferenz zum Gespräch zwischen Papst Benedikt und den Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beendet. Im Zentrum steht in den letzten zehn Minuten der Streitpunkt der Ökumene und das Reformationsjubiläum 2017. Dann jährt sich der Thesenanschlag Martin Luthers in Wittenberg, der als Auftakt zur Reformation gilt, zum 500. Mal.

"Wir sind nicht weit genug, um 2017 einen Versöhnungsgottesdienst zu feiern", sagt Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der EKD. "Aber ich habe ihn eingeladen, den Gottesdienst anders zu sehen", sagte er an der Pressekonferenz.

+++ 14:25 Uhr: Lieberknecht: "ermutigender Gottesdienst" +++

Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) hat den ökumenischen Gottesdienst mit Papst Benedikt XVI. als Ermutigung für viele Kirchengemeinden bezeichnet. "Ökumene kommt dann voran, wenn wir uns wechselseitig verstehen", sagte Lieberknecht im ZDF. Zugleich warb die Politikerin, die selbst Pastorin ist, um Geduld. "Wir brauchen Geduld und Verständnis für die unterschiedlichen theologischen Positionen."

+++ 14:20 Uhr: 36.000 Gläubige in Etzelsbach +++

Rund dreieinhalb Stunden vor dem Gottesdienst mit dem Papst sind nach Polizeischätzungen bereits mehr als 36.000 Pilger auf dem Feld im thüringischen Etzelsbach eingetroffen. Das Bistum Erfurt erwartet mehr als 60.000 Gottesdienstbesucher. Papst Benedikt XVI. will die Marien-Vesper kurz vor 18 Uhr eröffnen.

+++ 14:00 Uhr: Glauben ist keine Verhandlungssache +++

Papst Benedikt XVI. hat Forderungen nach konkreten Fortschritten in der Ökumene als "politisches Missverständnis des Glaubens" bezeichnet. Es könne nicht wie bei Staatsbesuchen nach vorherigen politischen Verhandlungen und einer beiderseitigen "Abwägung von Vor- und Nachteilen" ein Vertrag abgeschlossen werden, sagte er beim ökumenischen Gottesdienst in Erfurt. Der christliche Glaube beruhe "nicht auf einer Abwägung unserer Vor- und Nachteile", sagte der Papst. Ein "selbstgemachter Glaube" sei wertlos. "Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln, er ist die Grundlage, auf der wir leben", sagte Benedikt. "Nicht durch Abwägung von Vor- und Nachteilen, sondern nur durch tieferes Hineindenken und Hineinleben in den Glauben wächst Einheit", ergänzte er. Auf diese Weise sei in den vergangenen 50 Jahren "viel Gemeinsamkeit gewachsen", die gesichert werden müsse.

+++ 13:50 Uhr: Göring-Eckardt würdigt Einsatz der DDR-Christen +++

Katrin Göring-Eckardt, die Synodenpräses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), hat beim ökumenischen Gottesdienst mit Papst Benedikt XVI. die Gemeinsamkeit beider Kirchen betont. "Obgleich uns manches trennt, das Wichtigste verbindet uns:die Sehnsucht nach Gott", sagte Göring-Eckardt in Erfurt. Göring-Eckardt würdigte den Einsatz der Christen für die friedliche Revolution in der DDR. "Ja, wir konnten getrost wissen, dass Gott größer ist, größer als die kleinbürgerliche SED sowieso, größer als die martialische Stasi aber eben auch."

+++ 13:31 Uhr: "Nun danket alle Gott" +++

Der ökumenische Gottesdienst in der Augstinerkirche ist vorbei. Zum Abschluss gab es noch die Fürbitten, immer abwechselnd von evangelischen und katholischen Würdenträgern. Beim Rausgehen schüttelt Benedikt Bundespräsident und Kanzlerin die Hand. Als der Papst ins Auto steigt, um zum Mittagessen ins Priesterseminar zu fahren, spielt ein Bläserchor: "Nun danket alle Gott".

+++ 13:21 Uhr: Papst mahnt Menschenwürde an" +++

Im Gottesdienst bezieht Benedikt indirekt Stellung zu aktuellen Themen: Hinsichtlich der Diskussion um Sterbehilfe und Präimplantationsdiagnostik ruft der Papst im Wortgottesdienst zum Schutz der Menschenwürde auf. "Wir leben in einer Zeit, in der die Maßstäbe des Menschseins fraglich geworden sind. Ethik wird durch das Kalkül der Folgen ersetzt", sagte Benedikt XVI. im Augustinerkloster: "Demgegenüber müssen wir als Christen die unantastbare Würde des Menschen verteidigen, von der Empfängnis bis zum Tod."

+++ 13:12 Uhr: "Geschichtlich bedeutsame Begegnung" +++

Die evangelischen Landesbischöfin Ilse Junkermann hat das ökumenische Treffen mit Papst Benedikt XVI. als positiv empfunden und sprach von einer "geschichtlich bedeutsamen" Begegnung. Die Trennung zwischen den Kirchen sei noch nicht beendet, jedoch liege „die Geschichte vor uns. Wir sollen und dürfen Anteil an dieser Geschichte bekommen - dass wir mit ihr unsere Gegenwart und Zukunft gestalten."

+++ 12:32 Uhr: Warnung vor den Pfingstkirchen +++

Statt die Ökumene zu forcieren, warnt Benedikt vor dem weltweiten Vormarsch von Pfingstkirchen und unabhängigen charismatischen Gruppen. Vor dieser "neuen Form des Christentums" stünden die klassischen Konfessionskirchen oft ratlos da. Die Auseinandersetzung mit diesem weltweiten Phänomen" stelle die etablierten Kirchen vor die Frage, was das bleibend Gültige im Glauben sei.

Die Pfingstkirchen, die evangelikalen und charismatischen Gemeinschaften sowie die sogenannten Unabhängigen Kirchen sind in den vergangenen Jahren besonders in der südlichen Hemisphäre stark gewachsen. Kennzeichnend für sie sind Wunderprediger, emotional aufgeheizte Massengottesdienste und der Glaube, dass Reichtum den Segen Gottes anzeigt.

+++ 12:22 Uhr: Absage an Verdichtung der Ökumene +++

Enttäuschung für Befürworter der Ökumene: Benedikt XVI. hat der Forderung nach schnellen Fortschritten bei der Zusammenarbeit der beiden großen Kirchen eine Absage erteilt. Beim dem Spitzengespräch mit EKD-Vertretern sagte der Papst nach Vatikan-Angaben zur Frage nach praktischen Fortschritten und konkreten Ergebnissen: "Das Notwendigste für die Ökumene ist zunächst einmal, dass wir nicht unter dem Säkularisierungsdruck die großen Gemeinsamkeiten fast unvermerkt verlieren, die uns überhaupt zu Christen machen und die uns als Gabe und Auftrag geblieben sind."

Auf den Wunsch kirchlicher Reformgruppen, gemeinsame Eucharistie-Feiern von Katholiken und Protestanten zuzulassen, ging Benedikt nicht ein: "Nicht Taktiken retten uns, retten das Christentum, sondern neu gedachter und neu gelebter Glaube."

+++ 12:04 Uhr: Plaudern über die Ökumene +++

Mit leichter Verspätung hat das mit Spannung erwartete Spitzgengespräch zur Ökumene hat begonnen: Der Papst trifft auf die hochrangig besetzte evangelische Delegation, die von Nikolaus Schneider, dem Chef der Evangelischen Kirche in Deutschland angeführt wird. Er steht an der Spitze der gut 24 Millionen Protestanten in Deutschland. Katholiken gibt es in Deutschland etwa ebenso viele.

Im Vorfeld hatte der Papst durchgesetzt, dass der Begegnung mit den Protestanten mehr Zeit eingeräumt wird als zunächst vorgesehen. Von dem Treffen wird ein Impuls für das Miteinander der beiden Kirchen erwartet - ein "besonderes Zeichen" für die Ökumene. Mit einem historischen Akt ist jedoch nicht zu rechnen: Dass Benedikt den jahrhundertealten Kirchenbann gegen Reformator Martin Luther zurücknimmt.

+++ 11:57 Uhr: Benedikt im Augustinerkloster +++

Benedikt auf den Spuren Luthers: Mit seinem Besuch im evangelischen Augustinerklosters Erfurt begibt sich der Papst an die historische Stätte, an der einst Reformator Martin Luther in jungen Jahre (1507 - 1512) wirkte. Nach einem Gespräch mit Würdenträgern der Evangelen wird Benedikt in der Augustinerkirche nebenan beim ökumenischen Gottesdienst an dem Altar stehen, an dem Luther seine erste Messe las.

+++ 11:47 Uhr: Die Zeit drängt +++

Ein schneller Rundgang durch den historischen Dom: Viel Zeit hat der Papst nicht, sich das Erfurter Wahrzeichen mit dem berühmten Wolram-Leuchter, einer romanischen Bronze-Plastik anzuschauen. Schönes Bild: Bischof Joachim Wanke zieht den Papst rasch am Ärmel, damit der weitergeht, schließlich ist Benedikt seinem Zeitplan bereits hinterher. Eigentlich sollte er schon um 11.45 im Augustinerkloster sein zu einem Gespräch mit Vertretern der Evangelischen Kirche. Doch nun steigt der Papst ins Auto, es geht weiter in Richtung Kloster.

+++ 11:36 Uhr: Kurzes Gebet im Dom +++

Benedikt hat kniet sich für ein kurzes Gebet im Dom nieder. Tatsächlich ist dann mal für einen kurzem Moment Stille. Ansonsten wimmelt es in der alten Kirche von Pressvertretern, unentwegt hört man das Auslösen der Fotoapparate.

+++ 11:31 Uhr: Ankunft am Mariendom +++

Der erste Tagesordnungspunkt in Erfurt ist für den Papst der Besuch des Mariendoms. Der ist der wichtigste und älteste Kirchenbau der Stadt. Seit 1994 ist er wieder Kathedrale des neu geschaffenen Bistums Erfurt und des Domkapitels. Sein gotischer Hoher Chor mit den kostbaren mittelalterlichen Fenstern und dem Langen Haus überragen das historische Stadtzentrum und zählt zu den Wahrzeichen von Erfurt.

+++ 11:16 Uhr: Ein Buch für Benedikt +++

Und wieder gibt's Geschenke für den Papst: Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht drückt Benedikt eine in Leder gebundene Ausgabe ihrer Dissertation in die Hand. In der 1982 eingereichten Doktorarbeit hat die CDU-Politikerin 19 Thesen zur Ökumene formuliert. "Die traditionelle Kontroverse ist bestimmt von der Polemik und dem festen Beharren auf den eigenen Denkstrukturen", lautet eine davon, die sicher viele Glaubensmänner aus eigener Erfahrung kennen. Ein ungewöhnliches Geschenk der Ministerpräsidentin also. Doch wird der vielbeschäftigte Papst den dicken Wälzer wohl auch lesen?

+++ 11:11 Uhr: Schnelles Bad in der Menge +++

Nachdem er alle Amst- und Würdenträger auf dem Flughafen begrüßt hat, nimmt Benedikt sich Zeit für eifnache Volk, oder zumindest diejenigen, die von den Sicherheitskräften auf den Flughafen gelassen wurden: Der Papst schüttelt Hände von tief berührten Gläubigen, manche knien dabei sogar nieder. Der Heiligen Vater wird es freuen, denn es sind auch viele junge Menschen dabei.

+++ 11:06 Uhr: Empfang mit allen Ehren +++

Der nächste große Bahnhof für Benedikt: Der Rote Teppich ist ausgerollt, der Papst steigt die Treppe des Flugzeugs hinunter. Unten wird Benedikt begrüßt von Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) und ihrem SPD-Stellvertreter Christoph Matschie. Dann schreitet die Delegation das Ehrenspalier der Erfurter Polizei ab. Nun gilt es für den Papst mal wieder viele Hände zu schütteln...

+++ 10:52 Uhr: Papst-Maschine gelandet +++

Eiliger Vater: Gerade mal 25 Minuten nach dem Start in Berlin ist die Maschine mit dem Papst an Bord in Erfurt gelandet. Auch heute hat Benedikt wieder ein volles Programm vor sich: Zunächst steht ein Besuch des Doms auf dem Programm, am Freitagmittag trifft der Papst dann im Erfurter Augustinerkloster Vertreter der Evangelischen Kirche zu einem ökumenischen Gottesdienst. Am Abend feiert er mit zehntausenden Pilgern eine Marien-Vesper im Eichsfeld.

+++ 10:44 Uhr: Bischof Dröge enttäuscht von Papstbesuch +++

Markus Dröge, der Bischof der evangelischen Kirche von Berlin und Brandenburg, ist enttäuscht von den bisherigen Äußerungen des Papstes mit Blick auf die Ökumene enttäuscht. Sowohl im Bundestag als auch beim Gottesdienst im Olympiastadion habe der Pontifex sehr inner-katholisch geredet. "Wenn er von Kirche und von "Wir" gesprochen hat, war immer sehr deutlich, es geht um die katholische Kirche", so Dröge am Freitag im RBB-Inforadio.

+++ 10:36 Uhr: 6000 Polizisten für den Benedikt +++

Die Polizei in Thüringen spricht vom bisher größten Einsatz ihrer Geschichte des Freistaats. Medienberichten zufolge sollen beim Besuch von Benedikt 6000 Beamte aus meheren Bundesländern zum Einsatz kommen. Bereits in der Nacht zum Freitag waren in Erfurt starke Polizeieinheiten unterwegs, die Gegend um Dom und Priesterseminar, wo Benedikt übernachten soll, sind selbst für Fußgänger abgeriegelt.

+++ 10:21 Uhr: Berlin - immer eine Reise wert +++

Wie lautet das Resümé des Papst-Besuchs in Berlin? In jedem Fall hat Benedikts Auftritt für weniger Wirbel gesorgt als erwartet. Etwa 9000 Menschen demonstrierten am Donnerstag gegen das Kirchenoberhaupt - ursprünglich hatten die Veranstalter mit 20.000 Menschen gerechnet. Über den Tag verteilt waren insgesamt 1355 Beamte im Einsatz.

Überwiegend positiv wurde Benedikts Rede im Bundestag aufgenommen, in der er die Politiker zu mehr Moral aufrief. Zwar wurde der Auftritt von einer Reihe von Abgeordneten der SPD, der Grüne und der Linke boykottiert - von den übrigen jedoch erntete der Heilige Vater viel Applaus.

+++ 10:16 Uhr: Der Papst fliegt ab +++

Und das war es auch schon mit Berlin. Der Papst hat die Bundeshauptstadt mit einer Maschine der Bundeswehr verlassen und fliegt vom Flughafen Tegel aus nach Erfurt. Dort wird den Heilige Vater von der thüringischen Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht empfangen.

+++ 09:52 Uhr: Muslime "ein Merkmal Deutschlands" +++

Es ist eine simple Festellung, doch in konservativen Kreisen sorgt sie immer mal wieder für Aufregung: Nun hat Benedikt XVI. die Muslime als ein Merkmal Deutschlands bezeichnet. Bei seinem Treffen mit Vertretern der muslimischen Gemeinde sagte der Papst: "Die Anwesenheit zahlreicher muslimischer Familien ist seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zunehmend ein Merkmal dieses Landes geworden."

+++ 09:41 Uhr: Papst ruft zu friedlichem Miteinander auf +++

Der Papst voll auf Schmusekurs: Gleich zu Beginn des Treffens mit Vertretern der muslimischen Gemeinde in Deutschland ruft Benedikt XVI. Christen und Muslime zu einem respektvollen Umgang miteinander auf. Es sei notwendig, "beständig daran zu arbeiten, sich gegenseitig besser kennen zu lernen und zu verstehen", sagte der Papst. Dies sei eine Voraussetzung für ein friedvolles Zusammenleben.

+++ 09:35 Uhr: Da war doch mal was... +++

Richtig, da war mal was: Benedikt XVI. hatte im September 2006 die Muslime in aller Welt gegen sich aufgebracht. In seiner sogenannten Regensburger Rede sprach er über eines seiner Lieblingsthemen, dem Spannungsfeld zwischen Glaube und Vernunft. Dass er dabei islamkritische Zitate aus einer Aufzeichnung aus dem 14. Jahrhundert verwendete, wurde ihm von Seiten der Muslime Übel genommen. Sie warfen dem Papst vor, dem Islam mit diesen Zitaten Gewalttätigkeit zu unterstellen.

+++ 09:20 Uhr: Treffen mit muslimischer Gemeinde +++

Zur Stunde trifft sich der Papst mit Vertretern muslimischer Gemeinden in Deutschland. Benedikt kommt in Berlin mit 15 Mitgliedern von Verbänden, Mitarbeitern von Hilfsorganisationen und Islam-Lehrern zusammen. Im Mittelpunkt des Gesprächs in der Botschaft des Vatikans steht das Verhältnis zwischen Christentum und Islam. In die Vatikanische Botschaft eingeladen sind unter anderem der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sowie Mitglieder der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB).

+++ 09:00 Uhr: Erneut volles Tagesprogramm +++

Am zweiten Tag seines Deutschlandaufenthalts reist Benedikt XVI. zum Treffen mit führenden evangelischen Christen nach Erfurt. Am Nachmittag fliegt der Papst mit dem Hubschrauber ins katholische Eichsfeld im Norden Thüringens. An der Marienwallfahrtskapelle Etzelsbach will er mit 60 000 Pilgern ein Abendgebet feiern.

+++ Ein anstregender erster Tag +++

Es war ein langer Tag für den Papst: Nach seiner Ankunft in Deutschland am Donerstagsmorgen und Treffen mit Bundespräsident und Bundeskanzlerin folgte die mit Spannung erwartete Rede vor dem Bundestag. Abschließend stand noch die große Messe im Berliner Olympiastadion auf dem Programm. Kurz nach 20 Uhr sprach der Heilige Vater das Schlussgebet, 60.000 Kehlen sangen am Ende: "Großer Gott, wir loben Dich". Die Nacht verbrachte Benedikt der Vertretung des Vatikans in Berlin-Neukölln.

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