"Don Stanislaw" Des Papstes treuer Diener packt die Koffer


Als Ali Agca 1981 auf den Papst schoss, sank dieser in Stanislaw Dziwiszs Arme. Mehr als 40 Jahre lang stand der Erzbischof dem Pontifex in allen persönlichen Dingen zur Seite. Jetzt muss er auch einem Nachfolger Platz machen.

Stanislaw Dziwisz erweist dem Papst am Freitag einen letzten Dienst: Der langjährige Privatsekretär von Johannes Paul II. legt zu Beginn der Exequien ein Seidentuch über das Gesicht des Toten und spricht ein Gebet, ehe der Sarg geschlossen wird. Danach muss des Papstes treuer Diener die Gemächer im Vatikan verlassen - so bestimmt es die 1996 verabschiedete Konstitution "Universi Dominici Gregis".

40 Jahre lang an der Seite des Papstes

Mehr als 40 Jahre lang stand Erzbischof Dziwisz dem Papst in allen persönlichen Dingen zur Seite. Jetzt müssen die päpstlichen Zimmer im Vatikan von allen persönlichen Dingen des Verstorbenen geräumt und versiegelt werden, damit dann der ab 18. April zu wählende Nachfolger einziehen kann. Dziwisz sei schon dabei, seine Koffer zu packen sowie seine Bücher und persönliche Habe zu sichten, sagt dessen langjähriger Freund, Bischof Szczepan Wesoly.

Weil der Name des Erzbischofs (auszusprechen wie "Dschiwisch") für Italiener nicht ganz einfach ist, wurde er im Vatikan immer nur "Don Stanislaw" genannt. "Er ist sehr, sehr traurig und fühlt sich etwas verloren", sagt Wesoly. Als Beigeordneter Präfekt des Päpstlichen Hauses hat Dziwisz ein zweites Amt. Er muss aber den Vatikan verlassen und eine Wohnung am Rand der Stadt beziehen.

Es gehört zur Tradition der Kirche, dass die päpstlichen Sekretäre nach dem Tod ihres Chefs in den Hintergrund treten. Schon lange aber wird vermutet, dass Johannes Paul Dziwisz zum neuen Erzbischof von Krakau erheben wollte, sobald dieses Amt frei wird. Eine Entscheidung darüber liegt nun beim Nachfolger von Johannes Paul, der bis 1978 selbst die Erzdiözese Krakau geleitet hat. Als Belohnung für seine Dienste weihte Johannes Paul seinen Sekretär erst zum Bischof und erhob ihn 1998 auch zum Erzbischof.

Polnische Nonnen müssen Papst-Gemächer verlassen

Zusammen mit Dziwisz müssen auch die fünf polnischen Nonnen die päpstlichen Gemächer verlassen, die seit 1978 Johannes Paul begleitet haben und zusammen mit dem persönlichen Sekretär gewissermaßen dessen Familie gebildet haben. Die Nonnen halfen dem Papst bei der Privatkorrespondenz, kochten sein Lieblingsessen und sorgten für ihn, wenn er krank war. Die dienstälteste der fünf Nonnen, Schwester Tobiana, ist ausgebildete Krankenschwester und begleitete den Papst auch auf seinen Reisen. "Wir werden nach Polen zurückkehren, aber wir werden ihn in unseren Herzen mitnehmen", sagte eine der Nonnen der Florentiner Zeitung "La Nazione".

Dziwisz war Johannes Pauls engster Vertrauter, an ihm vorbei gab es keinen Zugang zum Papst. Der in der Nähe von Krakau geborene Geistliche übernahm schon als junger Priester die Aufgabe eines Sekretärs für Karol Wojtyla. Erzbischof und Sekretär unternahmen damals auch gemeinsame Wanderungen und Skitouren in der Tatra. Auch später umging Dziwisz immer wieder einmal das strenge Protokoll und ermöglichte dem Papst Ausflüge in die Umgebung von Rom.

Als der Attentäter Ali Agca 1981 auf den Papst schoss, sank dieser verletzt in Dziwiszs Arme. Der Sekretär begleitete Johannes Paul in die Gemelli-Klinik und stand am vergangenen Samstag auch an seinem Sterbebett.

Daniela Petroff/AP AP

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