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"Extra 3"-Satire Mit dem Panzer durch Berlin


Deutschland liegt bei weltweiten Rüstungsexporten auf Platz drei. Das ist zu wenig, befanden die Macher des NDR-Satiremagazins "Extra 3". Und boten den Berliner Botschaftern ein monströses Geschoss an.
Von Theresa Breuer

Deutschland ist drittgrößter Rüstungsexporteur weltweit - nach den USA und Russland. Das gab das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri kürzlich Tagen bekannt. Wie, nur dritter Platz?, echauffierten sich die Macher des NDR-Satiremagazins "Extra 3" und beschlossen kurzerhand: Das reicht nicht. Wir wollen Weltmeister sein. Lasst uns Deutschland dabei helfen.

Gesagt. Getan.

Das Fernsehteam mietete sich einen Panzer, stellte ihn auf einen Lastwagen und rollt am Donnerstag schnurstracks in Berlin ein. Der Plan ist ausgeklügelt. Zunächst soll es zu den Botschaften gehen, um deren Vertretern Waffengeschäfte mit Deutschland anzubieten. Im Namen des fiktiven Verbandes Deutscher Waffenproduzenten. Das Bestellformular ist auch schon vorbereitet, der jeweilige Botschafter braucht nur noch anzukreuzen, ob er Panzer, Kampfflugzeuge oder U-Boote kaufen will. Lieferung frei Haus, Benutzung nur für friedenserhaltende Maßnahmen und für Kollateralschäden werde nicht gehaftet. Wer unter diese Konditionen seinen Landesstempel setzt, soll den Panzer als Werbegeschenk behalten dürfen.

Erster Halt: Nordkorea. Besser gesagt: die nordkoreanische Botschaft. "Schließlich exportiert Deutschland nicht bloß Waffen und Technologien an Nato-Verbündete, sondern auch an Staaten wie Malaysia, China und den Iran", erklärt Redakteur Matthias Grübel. Warum also nicht auch Nordkorea?

Security kommt - Abmarsch angesagt

Süffisant grinsend steigt der Moderator ("International Sales Coordinator") Tobias Schlegl aus der Luke des Panzers und marschiert auf den Eingang der Botschaft zu. "Deutsche Waffen für Nordkorea! Günstig, günstig, günstig", ruft Schlegl. Er klingelt und nervt so lange, bis ein wütender Botschaftsmitarbeiter am Tor erscheint. Der Mann erklärt energisch, dass man keinen Bedarf für deutsche Panzer habe und die Kameras sofort verschwinden sollen. Schlegl lässt nicht locker, bis ein muskelbepackter Security-Mann mit Handy am Ohr erscheint. Abmarsch ist angesagt.

Immer wieder versammeln sich Schaulustige um das Spektakel. Ein älterer Mann erzählt, dass er früher Panzerkommandeur war und wird ein bisschen wehmütig. Von deutschen Rüstungsexporten will er dennoch nichts wissen: "Ich will nicht Nummer eins werden, ich will dass wir letzter sind, wenn es um sowas geht." Schlegl ist zufrieden: "Wir wollen ja den Zorn der Bevölkerung zeigen."

Wie, der Panzer ist echt?

Weiter geht's zur türkischen Botschaft. Dort öffnet überhaupt niemand, dafür beginnt sich die Polizei für das Fernsehteam zu interessieren. Der Panzer muss aus der Sicherheitszone entfernt werden, Drehgenehmigungen werden ausführlichst geprüft, erst dann darf weiter gefahren werden. Jetzt mit diversen Streifenwagen im Schlepptau. Wenige Kilometer später halten sie den Lastwagen wieder an. "Die Polizei hat gerade festgestellt, dass der Panzer gar nicht aus Pappe ist", schmunzelt Schlegl. Nun muss erstmal geklärt werden, ob es überhaupt erlaubt ist, einen echten Panzer quer durch Berlin zu transportieren.

Dafür bleibt den Satirikern vom NDR keine Zeit. Letzter Halt: Wirtschaftsministerium. Der Panzer ist nicht mehr dabei, dafür aber gibt es Kekse in Panzerform. Verziert mit dreifarbigem Zuckerguss: schwarz, rot, gold. Die Kekse sollen Mitarbeiter des Ministeriums dazu animieren, sich mehr für den Rüstungsexport zu engagieren. Die meisten Mitarbeiter finden das gar nicht komisch und reagieren unwirsch auf das Anliegen der falschen Waffenlobby. Nur ein Ministeriumsmitarbeiter macht den Spaß mit, beißt beherzt in den Keks und verspricht vor der Kamera, sich künftig intensiver für deutsche Waffen einzusetzen.

Er meint es nicht ernst. Die Rüstungsproduzenten schon. Es ist ein großes, blutiges Geschäft.

Der Panzer übrigens muss auf Polizeigeheiß zurück in seine Heimat Thüringen. Wer ihn einmal mieten will, zum Beispiel für ein romantisches Wochenende zu zweit, wende sich vertrauensvoll an www.panzerfreund.de.


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