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"Jung & Naiv": @NeinQuarterly: "Früher führte ich Selbstgespräche, jetzt habe ich Twitter"

Eric Jarosinski kennt kaum jemand. Als @NeinQuaterly hat er mehr als 69.000 Follower. Über Twitter, die deutsche Sprache und Glückseligkeit sprach er mit "Jung & Naiv".

Als ob sein eigenes Gesicht keine Rollen spielen würde - Eric Jarosinski verwendet auf Twitter ein verfremdetes Adorno Konterfei

Als ob sein eigenes Gesicht keine Rollen spielen würde - Eric Jarosinski verwendet auf Twitter ein verfremdetes Adorno Konterfei

Eric Jarosinski - oder @NeinQuarterly als den ihn seine Follower kennen - versteckt sich hinter einem verfremdeten Adorno-Konterfei mit Monokel. Der US-Amerikaner ist Professor für Germanistik. Deutsch ist sein Hobby - und mittlerweile seine Hauptbeschäftigung. Auf Twitter ist er eine Sprachinstanz - mal in Deutsch, mal in Englisch, meist als Mischung schreibt er kurze Slogans, Wortspiele, Sinnsprüche. Der 42-Jährige begann vor drei Jahren, hat bereits mehr als 31.000 Tweets abgesetzt. Mit Tilo Jung spricht er für "Jung & Naiv" über seine Tweets, wie diese mit Adorno zusammenhängen und warum man auf amerikanischen Cocktailpartys häufig das Wort "Zeitgeist" hört.

Hier können Sie das Interview als Video sehen:

Tilo Jung: Du machst ein Geheimnis darum, wer Du bist?

Eric Jarosinski: Ich heiße Eric Jarosinski, bekannt als @NeinQuarterly. Man kennt mich aus dem Internet. Es gibt eine Plattform namens Twitter. Das ist ein bisschen so wie Fernsehen, allerdings ohne Ton und öfters ohne Bilder.

Ich bin "jung und naiv daily" und du bist "nein quarterly".

Ja. Das heißt, in der Regel, jede Viertelstunde oder so kommt was von mir.

"Gehirnfürze" - wie ich gelernt habe?

Denkanstöße sage ich lieber.

Für wen?

Für mich, manchmal auch für andere.

Du denkst öffentlich?

Ich denke öffentlich. Was früher ein Selbstgespräch war, ist jetzt öffentlich.

Warum?

Ja, ich habe mich mit mir selber als Gesprächspartner etwas gelangweilt. Ich brauchte einen neuen.

Und kommen da Gespräche zustande? Gibt es Gesprächspartner? Oder bist du einfach nur froh, dass du Gedanken loswerden kannst?

Es kommt schon einiges zustande. Manchmal gut, manchmal schlecht.

Warum nennst du das @neinquarterly?

Das Nein-Sagen ist mir wichtig. Es hat etwas mit meiner eigenen Weltanschauung zu tun. Aber vor allem hat es etwas damit zu tun, "nein" zu sagen zu den Dingen im Leben, die zu uns "nein" sagen.

Welche?

Fast alles, vor allem Werbesprüche, Träume vom besseren Leben. Alles, was uns irgendwie das Bessere versprechen soll, aber falsch verspricht.

Also Glücksseligkeit?

Ja. Ich glaube nicht an Glück ohne Schmerzen.

Du hast mal eine Frage an Sascha Lobo gestellt.

Ich habe ihn gefragt: Wie wird man glücklich und ist das zu vermeiden?

Was wäre denn deine Antwort gewesen?

Das weiß ich nicht, deshalb habe ich ja Sascha Lobo gefragt. Der weiß es besser.

Erzähl mal, wie hat denn das angefangen? Du bist ja Amerikaner, man hört es noch ein bisschen.

Klar hört man das. So wirke ich authentisch.

Warum kannst du Deutsch?

Ich habe Deutsch gelernt und Deutsch studiert.

In Amerika?

In Amerika und in Deutschland. Ich war auch eine Weile in Italien und in Holland und habe dort etwas Deutsch liegen gelassen. Das war immer ein Hobby. Ich wollte eigentlich Journalist werden. Aber wie gesagt: Deutsch war ein Hobby, und irgendwie bin ich Professor geworden, aber nicht mehr lange.

Du bist Professor?

Assistenzprofessor wohlgemerkt, ja.

Wofür?

Für Germanistik.

In Amerika?

Ja.

In Amerika gibt es Leute, die das studieren?

Ja. Eure Sprache bleibt an der Universität halbwegs relevant.

Berlin hat in Amerika einen neuen Höhenflug erreicht. Die Leute reden darüber. Die Hipster in San Francisco und Kalifornien finden es lustig oder hip, nach Berlin zu fahren ... Erklär uns bitte diese neue Neugier an Deutschland!

Berlin-Faszination ist nichts Neues. Das dauert schon über 15 Jahre. Vor allem das Marketing hat Deutsch entdeckt, weil es irgendwie gut ankommt. Es hat Assoziationen mit Intelligenz, mit Coolsein, mit Ironie. Aber das Deutschland-Bild ändert sich. Das hat weniger mit Bayern zu tun als mit Berlin.

Ich habe vor zehn Jahren auch mal in Amerika gelebt. Da war das Deutschland-Bild noch geschichtlich geprägt.

Was meinst du damit?

Ich wurde eher auf Nazis angesprochen und auf den Weltkrieg als auf aktuelle Sachen.

Das lebt immer noch weiter. Es sollte auch weiter leben, finde ich. Aber das Bild ist schon etwas komplexer geworden. Es gibt inzwischen ziemlich viel Austausch und das merkt man auch. Manche Leute bringen auch etwas zurück nach Amerika. Zum Teil sind das auch Deutsche, die wissen, dass Deutsch einen Coolness-Faktor hat und sich gut verkaufen lässt.

Das ist für mich neu, dass Deutsch-Sein cool ist. Sonst hieß es doch immer: Deutschland ist kalt. Mir wurde vor zehn Jahren gesagt, das werde ich nie vergessen, Deutsch hört sich an wie eine Robotersprache, als ob Roboter miteinander reden.

Das ist ein Grund, warum das inzwischen als cool gilt. Das heißt ironisch, distanziert. Kalt heißt ja auch ...

... cool?

... je nachdem, wie man damit umgeht. Jedenfalls das, was ich mache im Internet, das spielt ein bisschen damit. Das heißt, Deutsch spielt natürlich eine Rolle, so im Hintergrund, aber auch so ein Adorno-Gesicht. Das sieht nicht sehr glücklich oder freundlich aus, und der sagt manchmal ganz absurde Sachen, manchmal auch ganz romantische Sachen und ich glaube, es ist eher die Spannung, zwischen dem Kühlen, dem Distanzierten und dem Verträumten.

Wer ist Adorno?

Ja, wer ist Adorno? Gute Frage. Jeder hat seinen eigenen Adorno, glaube ich. Für mich ist Adorno ein deutsch-jüdischer Philosoph. Er war natürlich eine führende Figur der Kritischen Theorie in Frankfurt, aber auch im Exil in Amerika.

Lebt der noch?

Nein, der lebt nicht mehr. Er ist 1969 gestorben, also schon 45 Jahre tot.

Warum interessiert dich ein Toter?

Die Toten schweigen bekanntlich, aber anders, weil sie sich nicht mehr so gut dagegen verteidigen können, wenn man Mist baut mit ihren Werken. Man muss manchmal auch die Toten vor ihren Verehrern verteidigen.

Auf der nächsten Seite lesen Sie, warum Jarosinski Adorno verehrt, was deutsche Politiker auf Twitter falsch machen und warum Deutsch in den USA en vogue ist.

Warum verehrst du diesen Adorno?

Ich verehre Adorno nicht so sehr. Ich verehre die Kritik. Ich verehre den Geist der Sache. Ich gehe auch nicht unkritisch mit ihm um und habe auch meine Probleme mit seiner Philosophie, mit seinen Gedanken, mit seinem Handeln.

Gib uns doch bitte eine kleine Einführung in Adornos Denken!

Das ist schwierig. Dialektik spielt eine ganz große Rolle.

Bitte keine Fremdwörter!

Ich weiß. Dialektik heißt auch auf Deutsch Dialektik. Lacht Adornos Denken kommt so ein bisschen aus der Theorie von Karl Marx. Ist der Dir ein Begriff?

Irgendwas mit Kommunismus?

So ungefähr ist das, ja.

Adorno war Kommunist?

Das lässt sich bestreiten. Freud war für ihn wichtig und die Tradition der deutschen Philosophie. Adorno hat sich mit der deutschen philosophischen Tradition auseinander gesetzt, aber auch mit dem Alltag. Mit Popkultur. Der Begriff der Kulturindustrie stammt von ihm und von Max Horkheimer, ein prägender Begriff für die Kritische Theorie. Deshalb interessiert er mich. Da geht es wirklich um Alltagserfahrung, um Sachen, die unsere eigenen Gedanken prägen. Und ich finde es interessant, dass ich im Laufe des letzten Jahres selbst praktisch so ein ganz kleines Teilchen von dieser Kulturindustrie geworden bin. Das finde ich schon ziemlich spannend.

Jetzt fühlst du dich schuldig?

Nicht so ganz. Ich würde sagen, das ist eher ein Versuch, von dem Adorno-Kult oder von dem Theoriekult abzukommen. Das ist es, was mich ziemlich abgeschreckt hat. Ich kam zu Twitter, weil ich kein akademisches Buch schreiben konnte und auch nicht mehr wollte. Lieber mal was anderes! Und lieber einen kritischen Umgang mit diesen Gedanken finden und Twitter hat sich dafür angeboten.

Hat es was gebracht?

Wir sitzen jetzt zusammen. Das wäre sonst nicht der Fall gewesen. Es verschafft mir eine gewisse Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit. Die Frage ist bloß, was man damit tut.

Wie reagieren die Amis darauf, also deine Landsleute? Und wie reagieren die Deutschen darauf?

So klar kann man das nicht so klar trennen, würde ich sagen. Unter meinen Followern gibt es so fünf, sechs verschiedene Gruppen.

Fangen wir mit der Ersten an!

Das sind Amis, die Deutsch lernen oder mal gelernt haben. Und das finden sie toll, da sie schon merken, dass Deutsch noch eine lebendige Sprache ist und dass sie doch vielleicht noch zu lernen ist. Sie gilt ja als sehr schwierig.

Ist es so? Ist Deutsch wirklich so schwierig?

Ja, finde ich. Aber ich bin ja auch nicht gerade sprachbegabt.

Das merkt man nicht.

Ich habe lange Zeit hier verbracht und sollte es eigentlich viel besser können. Außerdem ist das mein Beruf. Das heißt, ich sollte das schon perfekt können.

Das erwartet kein Deutscher von einem Ausländer.

Ja, ich weiß. Aber die Maßstäbe, was Amis betrifft, sind ja auch etwas niedrig.

Wir sind schon froh, wenn du zwei Sätze hintereinander sagen kannst.

Ich weiß! Je nachdem, welche Sätze das sind. Die zweite Gruppe sind Akademiker. Das sind sowohl Deutsche als auch Amerikaner. Sie freuen sich, dass einer etwas ehrlich mit der Sache umgeht. Das finden sie erfrischend, die Verzweiflung, die da bei mir zu Wort kommt. Die dritte Gruppe – das ist möglicherweise eine Luftschiffkultgruppe. Ich bin ja auch so ein Fan von Zeppelins, also von Luftschiffen. Luftschiff-Piloten sind auch dabei. Die vierte Gruppe, das sind viele Journalisten. Sie interessieren sich dafür, wie man mit diesem neuen Medium Twitter umgeht, was man damit machen kann. Zum Teil steckt so ein kleines bisschen Analyse drin in den Sachen, die ich so schreibe. Jeden Morgen gucke ich beim "Spiegel", und bei der "Faz" rein und versuche, ein paar blöde Witze zum täglichen Geschehen zu machen. Die fünfte Gruppe sind vielleicht Philosophen.

So wie Hans?

Möchtegern-Philosophen. Oder Alt-Philosophen oder Neu-Alt-Philosophen.

Du vermischst die deutsche mit der englischen Sprache und die englische mit der deutschen Sprache. Als ich in Amerika war, habe ich erlebt, dass die amerikanische Sprache auch ab und zu deutsche Begriffe übernimmt – nicht nur in der Werbung wie "Vorsprung durch Technik" sondern auch so ein Wort wie "Kindergarten". Gibt es einen Trend, dass es immer mehr deutsche Wörter ins Amerikanische schaffen?

Das würde man gerne behaupten. Aber ich weiß nicht, ob es stimmt. Es hat schon auch eine gewisse Tradition, in bestimmten gehobenen Kreisen bei Cocktailparty schon mal so ein Wort wie "Weltgeist" fallen zu lassen. Sehr beliebt ist auch das "Ur-" als Präfix. Mein "Ur-Tweet" war vor kurzem eine Frage. Oder auch das "Über", das ist sehr beliebt in der Werbesprache.

Da gibt es sogar eine App für.

Stimmt. Das hat inzwischen Tradition. Jetzt kommen mehr Wörter dazu, aber sie gehören nicht zur Alltagssprache. Vor allem ist ja das Interessante, dass man sich fragen muss, was das denn genau heißt. Paradebeispiel ist etwa "Fette Sau", so heißt ein Lokal in Brooklyn. Man weiß nicht so genau, was das heißt, aber da ist so ein bisschen Spannung dabei. Ich kenne es natürlich. Interessant ist es für mich als Amerikaner, der seit zwanzig Jahren mit Deutschland zu tun hat. Man sieht es immer wieder. Zum Beispiel so ein T-Shirt mit irgendeinem blöden englischen Spruch drauf, ich habe das immer gehasst, denn es hat in der Regel überhaupt keinen Sinn. Hauptsache Englisch. Manchmal gibt es auch witzige Sachen wie ein T-Shirt, auf dem steht "American Football" und da drunter war ein Baseball-Schläger. Oder so ein Poster für ein Volksfest in Bonn, ein richtiges Familienfest war das, da spielte eine Band mit dem Namen "King Size Dick". Das fand ich wirklich klasse! lacht Mensch, das finde ich gut! Solche Sachen ... jeder hat so eine kleine Sammlung. Und inzwischen können Deutsche das Gefühl ja auch in Amerika genießen.

Andersrum gefragt: Wird die deutsche Sprache vom Englischen immer mehr unterhöhlt? Es gibt ja immer mehr englische Begriffe. "Ich tweete das mal". "Ich habe das mal geretweetet" und so weiter. Das sind ja alles im Kern englische Wörter, die einfach nur ein bisschen eingedeutscht werden. Glaubst du, dass die Deutschen zu faul sind, eigene deutsche Wörter zu finden?

Nein, nein, das nicht. Das ist ja kein deutsches Phänomen. Es gibt auch einen Gegentrend. Vor zehn Jahren war das viel extremer. Da gab es kaum Werbesprüche ohne Englisch. Und ich weiß, es gab viele Studien, die gezeigt haben, dass die meisten das gar nicht verstanden haben.

Ja! Ich erinnere mich. Die Deutschen konnten englische Claims gar nicht übersetzen wie "powered by emotion". Das war ein TV-Spruch von SAT1. Da haben die Deutschen mehrheitlich gedacht, das heißt "Kraft durch Freude".

Und Douglas mit diesem "Come in and find out". Komm rein und finde den Ausgang ... Inzwischen findet man das schon etwas blöd. Am Anfang meiner Zeit in Deutschland, da war das vor allem bei der Computersprache so. Heute heißt es Festplatte und runterladen und nicht mehr hard drive und download.

Hörst du auch manchmal deutschen Politikern zu? Ich meine, wir sind ja eine politische Show. Hörst du auch Merkel und Co. zu?

Ja. Vor allem aber lese ich über sie, ab und zu auch bei Bundestagsdebatten.

Das tust du dir an?

Ja. Ab und zu, nicht immer. Aber gelegentlich schon. Ich habe relativ viele deutsche Politiker unter den Followern und es interessiert mich schon, was sie da suchen, was sie da machen.

Wie kommunizieren deutsche Politiker im Vergleich zu amerikanischen?

Sie sind im Vergleich immer noch etwas unprofessionell, vor allem, was Twitter betrifft. Ich habe das Gefühl, dass auch deutsche Politiker Social Media Berater haben, die die Sachen schreiben. Aber einige machen es auch selber, das merkt man natürlich auch.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass gerade von den deutschen Politikern Pressemitteilungen nur auf Twitter übersetzt werden. Sie verstehen es bloß als Sendestation.

Das würde mich auch nerven, wenn ich mehr erwartete. Das kenne ich natürlich auch aus dem amerikanischen Kontext. Es geht ja nicht unbedingt ums Gespräch. Man fragt sich ja auch, was für Gespräche man da führen könnte, die irgendwie von Bedeutung wären. Bin ich nicht etwas scheinheilig, wenn ich jetzt darüber klagen würde? Ich sende ja auch viel mehr als das, was ich so lese. Und deshalb verstehe ich das. Das ist vielleicht eine verlorene Chance, eine ungenutzte Gelegenheit.

Hast du schon mal ein richtig geiles Gespräch auf Twitter geführt?

Anfänge ja, aber Gespräche nicht. Die Gespräche finden jetzt vor allem hinter der Kulisse statt. Es gibt sehr clevere "comebacks", also dass man irgendwie was dazu sagt oder dass man einen Witz weiterbaut oder ihm widerspricht. Das finde ich gut. Ich lache eigentlich kaum über Twitter. Aber manchmal muss ich schon lachen, wenn jemand mit einer guten Antwort kommt. Das finde ich nicht schlecht.

Und gibt es das irgendwann auch in anderen Sprachen als @nonquarterly?

Ja, bisher nicht.

Kannst du andere Sprachen?

Ich kann ein bisschen Niederländisch und habe mehrmals versucht, Französisch zu lernen, kam aber nie weit – leider! Italienisch ist so ähnlich ...

Was ist mit Russisch? Da hätte ich dich gebraucht!

Das wäre nett. Ich war ein paar Mal in Russland, aber ich kam nicht sehr weit mit meinem "Sprachführer". Ich habe mich mal Mitte der Neunziger auf einem Flohmarkt eine Stunde lang unterhalten mit zwei komischen Typen. Sie haben versucht, einen geklauten Staubsauger zu verkaufen. Lacht Wir haben eine Stunde lang Wodka getrunken und uns unterhalten – also mit diesem Sprachführer.

Ist ziemlich ehrlich.

Das hat viel Spaß gemacht. Man kann wirklich sehr weit kommen mit sehr wenig, wenn man die richtigen Gesprächspartner hat und genügend Wodka. Das versuche ich immer, den Studies beizubringen: Es geht wirklich eher um die Einstellung. Ich kenne wirklich nichts, was mehr Spaß macht, als wenn man da irgendwie so kommunizieren kann, vor allem wenn man darüber lachen kann. Das finde ich wirklich klasse.

Du hast gerade die Einstellung angesprochen. Merkt man an den gewählten Worten von Menschen, welche Einstellung sie zur Welt haben? Wenn ein Amerikaner irgendwo hinkommt, dann heißt es erstmal: "Hey, wie geht's?" Das wird einfach in den Raum geworfen und man erwartet auch gar nicht, dass man da eine ehrliche Antwort bekommt, sondern eher so: "Jaja, es geht". Und im Deutschen, wenn man das hier fragen würde, kommt manchmal eine ehrliche Antwort: "Scheiße" oder "schlecht".

Ja, klar.

Kannst du das erklären? Sind die Deutschen ehrlicher oder ist denen das scheißegal?

Das sind verschiedene Umgangsformen. Es gibt Sachen, die auch was Anderes bedeuten. Das heißt "Wie geht's dir?" ist ja nicht wirklich so konkret zu verstehen. Das hat eigentlich viele Bedeutungen, je nach dem Kontext und auch nach der Intonation. Die Wortwahl ist sehr wichtig, vor allem, was die Politik betrifft.

Wer sind Terroristen? Und wer sind "freedom fighters"? Ich bin ein Kind aus den Zeiten von mehreren Kriegen, vor allem in Zentralamerika, ich bin damit groß geworden.

Wenn sie von den Amis unterstützt werden, sind sie gut und dann sind sie wahrscheinlich keine Terroristen.

Ja, auch im Alltag ist das der Fall. Zu irgendeinem "first date" hat sie einen als "successful" irgendwie beschrieben, als erfolgreich – und ich hätte den einfach als "rich" bezeichnet. Manchmal merkt man an diesen kleinen Sachen, inwiefern man die Welt durchaus anders sieht.

Kann man reich sein, ohne erfolgreich zu sein?

Puuuh, das ist schwierig. Je nach dem, was den Weg ausmacht, reich zu werden.

Kann man erfolgreich sein, ohne reich zu sein?

Die zweite Frage habe ich erwartet. Ja, klar. Obwohl das in der Regel gescheiterte Wesen sind, die es so sehen möchten – so wie ich. Aber ja, denke ich, dass es möglich ist.

Dankeschön.

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