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Nach Auftritt bei "Günther Jauch": Berliner Al-Nur-Moschee wirft Imam Kamouss raus

Der Auftritt des Berliner Imams Abdul Adhim Kamouss in der Talkshow von Günther Jauch sorgte bundesweit für Aufsehen. Der Leitung einer umstrittenen Moschee wurde die Aufmerksamkeit offenbar zu viel.

Abdul Adhim Kamouss wurde von der "Bild-Zeitung" nach seinem Auftritt bei Günther Jauch als "Quassel-Imam" bezeichnet

Abdul Adhim Kamouss wurde von der "Bild-Zeitung" nach seinem Auftritt bei Günther Jauch als "Quassel-Imam" bezeichnet

Mit seinem ungezügelten Redefluss während seines Auftritts in der ARD-Talkshow von Günther Jauch sorgte der Berliner Imam Abdul Adhim Kamouss Ende September für Furore. Nun hat eine der wichtigsten Wirkungsstätten des muslimischen Predigers ihm die Zusammenarbeit aufgekündigt. Die Al-Nur-Moschee in Berlin Neukölln, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, wolle Kamouss nach 17 Jahren keinen Platz mehr einräumen. Dies teilte der Imam auf seiner Facebook-Seite mit. "Der Vorstand der Al-Nur-Moschee hat entschieden, mir seine Plattform für den Sonntagsunterricht nicht mehr zur Verfügung zu stellen", heißt es.

Die "Berliner Morgenpost" berichtet, dass der umstrittene Auftritt bei Jauch und der danach folgende Medienrummel für die Verantwortlichen der Moschee zu viel geworden sei. Laut den Informationen der Zeitung habe die Moscheeleitung den 37-Jährigen dazu aufgefordert, künftig auf entsprechende Medienauftritte zu verzichten. Der Imam habe dies abgelehnt. Offiziell bestätigt sei dies als Grund allerdings weder von der Leitung der Al-Nur-Moschee noch von Kamouss.

Kamouss ist besonders wegen seiner unklaren Haltung zum Salafismus umstritten. Der selbsternannte Friedens-Radikale predigt zwar auch in weiteren muslimischen Gebetshäusern der Hauptstadt, die Al-Nur-Moschee sei jedoch für seinen Aufstieg zu einem der beliebtesten Imame innerhalb der Salafistenszene verantwortlich. Laut eigenen Angaben habe Kamouss seine Ansichten geändert und trete nun für einen weltoffenen und frauenfreundlichen Islam ein. Nach 2009 wurde gegen ihn nach einer Ansprache zum Gaza-Krieg wegen Volksverhetzung ermittelt. Im gleichen Jahr schlossen sich einige seiner Zuhörer einer Terrormiliz im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan an, woraufhin sich der Imam öffentlich vom Dschihad distanzierte. Dennoch wurde er 2010 vom Verfassungsschutz als einer der wichtigsten Vertreter des Salafismus in Deutschland eingestuft. Zuletzt verurteilte er die Taten der Terrormiliz Islamischer Staat scharf.

ono