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Prozess nach Fährunglück: "Sewol"-Kapitän räumt schwere Fehler ein

Bei dem Unglück am 16. April starben mehr als 300 Menschen: Nach der Havarie der "Sewol" vor Südkorea hat der Kapitän der Fähre erstmals vor Gericht ausgesagt.

Überließ zum Unglückszeitpunkt dem Steuermann das Ruder: "Sewol"-Kapitän Lee Joon Seok.

Überließ zum Unglückszeitpunkt dem Steuermann das Ruder: "Sewol"-Kapitän Lee Joon Seok.

Der Kapitän der südkoreanischen Unglücksfähre "Sewol" hat bei seiner ersten Aussage vor Gericht schwere Fehler eingeräumt. Der 69-jährige Lee Joon Seok sagte am Dienstag in Gwangju, der diensthabende Steuermann sei für die Aufgabe zu unerfahren gewesen, das Schiff durch einen für starke Unterströmungen bekannten Kanal zu steuern. Er habe gewusst, dass das Besatzungsmitglied Cho Jun Ki, das erst ein halbes Jahr auf der "Sewol" fuhr, dafür nicht ausreichend qualifiziert gewesen sei. Trotzdem habe er ihm das Steuer überlassen. Auf die Frage, ob besser er selbst das Steuer hätte übernehmen sollen, antwortete Lee: "Ja, ich denke schon." Bei dem Unglück starben mehr als 300 Menschen.

Zugleich wies Lee Vorwürfe zurück, er habe zum Zeitpunkt des Unglücks auf seinem Handy Spiele gespielt. "Nein, ich habe kein Spiel gespielt", sagte der Kapitän, der in Häftlingskleidung mit der Nummer 3114 vor Gericht erschien. "Ich wüsste nicht wie. Ich habe das Smartphone nur in der Hand gehalten." Als sich das Unglück ereignete, sei er in der Kabine gewesen, habe "geraucht und sich umgezogen".

Inkompetenz, Versagen, Korruption, Geldgier

In dem am 10. Juni eröffneten Prozess sind Kapitän Lee und drei andere ranghohe Crew-Mitglieder wegen fahrlässiger Tötung in besonders schwerem Fall angeklagt, ihnen droht die Todesstrafe. Elf weitere Besatzungsmitglieder müssen sich wegen minder schwerer Verletzungen des Seerechts verantworten.

Der Kapitän und seine Crew sollen die Passagiere auf dem sinkenden Schiff angewiesen haben, zu bleiben, wo sie waren - fast eine Stunde lang harrten die Passagiere somit in ihren Kabinen oder auf ihren Sitzen aus. Die Schiffsführung verließ die Fähre, während hunderte Menschen noch festsaßen.

Bei dem Unglück am 16. April kamen mehr als 300 Menschen ums Leben, unter ihnen etwa 250 Schüler einer Schule in Ansan. Laut einem Anfang Juli veröffentlichten Bericht zu dem Unglück führten Inkompetenz, Behördenversagen, Korruption und Geldgier zu der Katastrophe. Die Reederei habe den "finanziellen Gewinn über die Sicherheit der Passagiere" gestellt, die Besatzung habe sich "unverantwortlich" verhalten, hieß es darin. Lee bekräftigte am Dienstag die Vorwürfe gegen die Reeder.

mad/AFP / AFP